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Eltern wählen oft lieber pflanzliche Arzneien

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Besonders bei Erkältungen und Magen-Darm-Erkrankungen behandeln viele Eltern ihre Kinder mit einem pflanzlichen Präparat.

Besonders bei Erkältungen und Magen-Darm-Erkrankungen behandeln viele Eltern ihre Kinder mit einem pflanzlichen Präparat.

© Harald / fotolia.com

Ein Kollege fragt: Was sind die wichtigsten Vorteile pflanzlicher Präparate bei Kindern?

Professor Karen Nieber: Die Therapie mit pflanzlichen Arzneimitteln bei Kindern und Jugendlichen hat in Deutschland eine lange Tradition. Dies gilt sowohl für die ärztliche Verordnung als auch für die Selbstmedikation.

Schwerpunkte für den Einsatz von Phytopharmaka sind Erkältungskrankheiten, Hauterkrankungen, Magen-Darm-Beschwerden, sowie psychosomatische und psychovegetative Störungen. Sie sind wegen ihrer guten bis sehr guten Verträglichkeit für Kinder und Jugendliche besonders gut geeignet. Ihre Wirksamkeit ist für viele Indikationen durch Studien und Anwendungsbeobachtungen belegt.

Allerdings findet sich auf den Beipackzetteln vieler schon seit Jahren gebräuchlicher Phytopharmaka der Hinweis, dass das Präparat bei Kindern unter 12 Jahren "aufgrund des Fehlens von ausreichenden Daten zur Unbedenklichkeit und Wirksamkeit nicht empfohlen wird".

Tatsächlich fehlen für viele pflanzliche Präparate wissenschaftlich erhobene aussagekräftige Daten zur Anwendung besonders bei kleinen Kindern. Dies setzt keinesfalls voraus, dass das pflanzliche Präparat bei Kleinkindern nicht wirkt oder gar gefährlich ist, sondern nur, dass es keine ausreichenden Studien hierfür gibt.

Häufig fehlen Studien bei kleinen Kindern

Dadurch stehen viele Kinderärzte allerdings vor dem Problem, dass sie sich an zahlreichen Produkten nicht bedienen wollen und die Behandlungsmöglichkeiten stark eingegrenzt sind.

Ein Produkt, das sich bei Erwachsenen bewährt hat, muss nicht zwangsweise auch Kindern helfen. Daher scheint die Kritik berechtigt, dass viel mehr Phytopharmaka geprüft werden sollten, ob sie für Kinder unbedenklich sind.

In diesem Zusammenhang interessant ist eine Untersuchung der Leipziger Kinderklinik (Dtsch Med Wochenschr. 2010; 135: 959) in der durch einen standardisierten Fragebogen 413 Eltern zum Einsatz pflanzlicher Arzneimittel befragt wurden.

Besonders bei Erkältungs- und Magen-Darm-Erkrankungen behandeln 86 Prozent der Eltern ihre Kinder nach Möglichkeit mit einem pflanzlichen Arzneimittel. Als häufigste Informationsquelle wurde mit 80 Prozent der Kinderarzt und nur mit 4,2 Prozent ein Heilpraktiker angegeben.

Auch Apfelsaft oder Bananen enthalten Alkohol

Trotzdem sind immer wieder Eltern verunsichert, da in pflanz lichen Arzneimitteln oft Alkohol enthalten ist. Tatsächlich werden mit Phytopharmaka sehr geringe maximale Blutalkoholkonzentrationen erreicht , etwa 0,008 Promille bei Einnahme eines Phytopharmakons mit 12 Prozent Alkohol oder 0,015 Promille durch die Einnahme eines Phytopharmakons mit 30 Prozent Alkohol.

Im Übrigen ist zu bedenken, dass Kinder Alkohol nicht nur durch pflanzliche Arzneimittel aufnehmen. So enthält zum Beispiel eine reife Banane etwa 0,3 Prozent und Apfelsaft etwa 0,4 Prozent Alkohol.

Da bei diesen Lebensmitteln die aufgenommenen Alkoholmengen bedeutend größer sind, besteht bei der vorschriftsmäßigen Anwendung von Phytopharmaka mit Alkohol für Kinder keine Gefahr.

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