Direkt zum Inhaltsbereich

Hintergrund

Forscher heizen Mammografie-Debatte an

Mammografie: Ja oder nein? Die Debatte erhält jetzt neue Nahrung. US-Forscher sehen einen Nutzen auch schon bei jungen Frauen und ohne Vorbelastung in der Familie. Doch die frühe Mammografie wirft neue Fragen auf, sagen selbst die Forscher.

Von Gabriele Wagner Veröffentlicht:
Lymphatischer Brustkrebs im Modell.

Lymphatischer Brustkrebs im Modell.

© Springer Verlag

Neue Studiendaten unterstützen die Forderung von Gynäkologen und Onkologen, jeder Frau im Alter ab 40 Jahre ein jährliches Mammografie-Screening anzubieten. Und zwar egal, ob die Frauen Verwandte mit Brustkrebs haben oder nicht (wir berichteten kurz).

In einer neuen Studie war in beiden Gruppen die Rate für invasiven und nicht-invasivem Brustkrebs gleich, wie jetzt beim Kongress der Radiological Society of North America (RSNA) in Chicago berichtet worden ist.

Forscher um Dr. Stamatia V. Destounis vom Elizabeth Wade Breast Care-Zentrum in Rochester im US-Staat New York hatten in einer retrospektiven Analyse Zahl und Brustkrebs-Typ (invasiv oder nicht-invasiv) unter anderem bei allen Patientinnen im Alter zwischen 40 und 49 Jahren erhoben.

Alle Patientinnen hatten in den Jahren zwischen 2000 und 2010 im Zentrum eine Mammografie bekommen.

40 Prozent mit positiver Familienanamnese

Die Patientinnen wurden zwei Gruppen zugeteilt: eine Gruppe mit einer positiven Familienanamnese für Brustkrebs, und eine Gruppe ohne bekannte Brustkrebsfälle in der Familie.

Das Team um Destounis hatte dabei besonders Frauen im Blick, die zur Screening-Mammografie gekommen waren, bei denen also primär kein Verdacht auf Brustkrebs bestand.

Insgesamt wurde in der Zeit zwischen 2000 und 2010 bei 1071 Frauen in der Altersgruppe 40 bis 49 Brustkrebs diagnostiziert; bei 373 von ihnen durch Screening-Mammografie.

Von diesen 373 Patientinnen hatten 144 (39 Prozent) eine positive Familienanamnese, bei 228 (61 Prozent) war kein Brustkrebs in der Familie bekannt; zu einer Patientin gab es keine anamnestischen Informationen.

"Mammografie für alle Frauen ab 40"

Was auffiel und die Forscher alarmierte: In beiden Gruppen war die Rate für invasive Karzinome praktisch gleich: in der Gruppe mit positiver Familienanamnese 63,2 Prozent (n=91) versus 64 Prozent (n=146) in der Gruppe ohne bekannte Brustkrebsfälle.

Entsprechend gleich in beiden Gruppen war auch die Rate der nicht-invasiven Karzinome (36,8 versus 36 Prozent).

Und: Auch die Rate an Lymphknoten-Metastasen war in beiden Gruppen ähnlich: In der Gruppe mit positiver Familienanamnese waren 31,3 Prozent (n=45) der Frauen betroffen, in der Gruppe ohne Brustkrebsfälle in der Familie waren es 29,4 Prozent (n=67) Frauen.

Destounis forderte in einer Pressekonferenz beim Radiologen-Kongress in Chicago: "Jede Frau im Alter ab 40 Jahre sollte jährlich zur Screening-Mammografie kommen!"

Kürzlich erst haben schwedische Forscher belegt, dass ein jährliches Mammografie-Screening bei Frauen zwischen 40 und 49 die Brustkrebs-Sterberate senkt.

Diskussionen um falsch-positive Befunde

Eine Mammografie, die einmal pro Jahr gemacht wird, verursacht mehr allerdings falsch-positive Befunde als ein Screening alle zwei Jahre. Es gibt auch die Meinung, dass die Diagnose fortgeschrittener Tumoren beim jährlichen Screening nicht verbessert wird.

In ein aktuellen Untersuchung von Forschern aus Seattle (Ann Intern Med 2011; 155: 481) stellte sich heraus, dass die Wahrscheinlichkeit, binnen zehn Jahren mindestens einen falsch-positiven Befund zu erhalten, beim jährlichem Screening 61 Prozent betrug. Bei einer Mammografie alle zwei Jahre waren es dagegen lediglich 42 Prozent.

Mit der jährlichen Mammografie wurde bei 7 Prozent der Frauen ab 40 Jahren aufgrund fälschlich positiver Befunde auch eine Biopsie veranlasst, mit zweijährlichem Screening nur bei 4,8 Prozent. Bei Frauen ab 50 Jahren war der Unterschied mit 9,4 versus 6,4 Prozent ähnlich deutlich.

Lässt sich daraus schließen, dass eine jährliche Mammografie verglichen mit einer alle zwei Jahre nur mehr Kosten, Ängste und unnötige Zusatzdiagnostik verursacht? Nicht unbedingt.

Trotz der großen Zahl der Frauen in der Seattle-Untersuchung war die Zahl solcher mit späten Tumorstadien zu klein, um daraus bei den erfassten geringen Unterschieden Signifikanzen abzuleiten.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Hormonrezeptor-positive Karzinome

Studie: Geringere Brustkrebssterblichkeit mit Statin-Therapie

Das könnte Sie auch interessieren
Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

© piyato | iStock

Vaginalmykose im Fokus

Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

© iStock / okskukuruza

Vaginale Gesundheit

Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Vitamin-B12-Mangel

Frühzeitig erkennen, gezielt therapieren

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Wörwag Pharma GmbH & Co. KG, Böblingen
 Abb. 1: Anwendung von Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1,8]

Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

Topische steroidfreie Behandlungsoption bei atopischer Dermatitis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Incyte Biosciences Germany GmbH, München
Abb. 1: MATTERHORN-Regime beim GC/GEJC: ereignisfreies Überleben (EFS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Jurist im Interview

Es droht ein Strafverfahren? Mit diesen Tipps sind Ärztinnen und Ärzte gerüstet

Lesetipps
Das Wort oder die Wortgruppe „Betablocker“ im Wörterbuch.

© sharafmaksumov / stock.adobe.com

REBOOT-Studie

Betablocker nach Herzinfarkt oft überflüssig

Ein Mann inhaliert

© Angelov / Stock.adobe.com

Fünf Säulen der Behandlung

COPD: Das empfiehlt die aktualisierte Leitlinie