Französische Ärzte fanden zufällig eine Therapie gegen Hämangiome: Beta-Blocker

Ein Kind mit einem Hämangiom erkrankte an einer Myokardiopathie und wurde deswegen mit Propanolol behandelt. Daraufhin bildete sich der gutartige Tumor zurück - schneller als mit der eigentlichen Medikation, systemischen Kortikosteroiden.

Von Angela Speth Veröffentlicht:
Wächst ein Hämangiom an der Nase zu stark, kann es die Atmung behindern.

Wächst ein Hämangiom an der Nase zu stark, kann es die Atmung behindern.

© Foto: Dr. Jürgen Hoffmann

Dem Zufall ist möglicherweise eine neue Therapie bei Kindern mit schwierigen Hämangiomen zu verdanken: Ein Beta-Blocker könnte sich für diese Indikation wesentlich besser eignen als die bisher verwendeten Kortikosteroide.

Ärzte aus der Kinderklinik Bordeaux hatten ein Kind mit einem Hämangiom an der Nase zunächst mit Prednisolon behandelt (NEJM 358, 2008, 2649). Währenddessen trat eine obstruktive hypertrophe Myokardiopathie auf, weshalb es zusätzlich Propanolol erhielt. Bereits einen Tag später wechselte das Hämangiom seine Farbe von intensivem Rot zu Purpur, das Gewebe wurde weicher. Obwohl die Ärzte daraufhin die Kortikosteroide absetzten, bildete sich der Tumor weiter zurück, bis er schließlich ganz flach war. Die Wissenschaftler behandelten daraufhin noch zehn weitere Säuglinge mit dem Beta-Blocker, immer mit demselben Erfolg. Als Erklärung vermuten sie, dass Propanolol die Produktion von Wachstumsfaktoren hemmt, die Vasokonstriktion und die Zell-Apoptose hingegen fördert.

Einem Kommentar zufolge gibt es mittlerweile auch in Deutschland erste ähnlich gute Erfahrungen, etwa an der Kinderklinik Heilbronn (pädiatrie hautnah 5, 2008, 273). Nun plane Professor Hansjörg Cremer zu diesem bewährten Präparat mit seinem günstigen Nebenwirkungsspektrum eine Studie. Bisher handelt es noch um einen Off-Label-Use.

Hämangiome, im Volksmund Blutschwämmchen genannt, sind mit einer Prävalenz von etwa zehn Prozent die häufigsten gutartigen Tumoren im Kindesalter. Man unterscheidet tiefe (kavernöse) und oberflächliche (kapilläre) Formen, die kräftig rot sind und das Hautniveau überragen. Sie bestehen aus einer Mischung von klonalen endothelialen Zellen, Perizyten, dendritischen und Mastzellen. Meist beginnt das Wachstum in den ersten Lebensmonaten. Hauptsächlich vorangetrieben wird es durch zwei angiogenetische Faktoren, bFGF und VEGF.

Die Geschwulste bilden sich meist innerhalb weniger Jahre durch Apoptose von selbst zurück. Bei einem Teil der Kinder ist allerdings eine frühzeitige Behandlung notwendig: wenn die Hämangiome an Augen, Nase, Mund oder im Anogenitalbereich wuchern. Dann nämlich sind Einschränkungen beim Sehen, bei der Nahrungsaufnahme, beim Atmen, Deformationen im Gesicht, Verletzungen, Ulzerationen oder im Extremfall eine Überlastung des Kreislaufs zu befürchten. Optionen sind Laser, Kryotherapie, Operation oder eine systemische Behandlung mit Steroiden.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Dem Zufall viele Chancen!

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