Ganzheitlich gegen Rückenschmerz

FRANKFURT AM MAIN (ner). Mit einem einfachen Konzept lässt sich bei Patienten mit lumbalen Rückenschmerzen die Chronifizierung verhindern. Zur Rumpfstabilisierung werden Störungen der Wirbelsäule, der Muskeln und emotionale Aspekte berücksichtigt.

Veröffentlicht:

"Fast bei jedem Patienten ergeben sich orthopädische, manualtherapeutische oder psychosomatische Auffälligkeiten", sagte Dr. Ralf Müller beim Deutschen Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt. Nur selten sei es möglich, die entscheidende Schmerzursache bildgebend darzustellen, daher sei eine andere Perspektive ratsam. Die Hypothese des Allgemeinarztes aus Großengottern in Thüringen: Rückenschmerzen sind meist Ausdruck gestörter Rumpfstabilisierung. Sie habe drei Aspekte:

  • Störungen in Wirbelsäulensegmenten (segmentale Stabilisierung),
  • Störungen der Muskulatur (übersegmentale Stabilisierung),
  • emotionale Überlagerung der somatischen Befunde.

Für die Primärversorgung der Patienten schlägt Müller als erstes vor, Rückenschmerz etwa von einem Bandscheibenvorfall oder einer Diszitis abzugrenzen. Diese Erkrankungen seien aber nur selten die Ursache.

Zweitens untersucht Müller die Patienten im Stehen. Bei einem Viertel von ihnen findet er monosegmentale Blockierungen, die dann manualtherapeutisch mobilisiert werden. Viel häufiger jedoch stellt er multisegmentale Störungen fest. Dann seien immer Triggerpunkte in der rumpfstabilisierenden Muskulatur zu finden, sagte er, vor allem im M. iliopsoas, M. piriformis oder M. quadratus lumborum. Häufig liegen zusätzlich Beckenverwringungen, funktionelle Beinlängendifferenzen oder eine konstitutionelle Hypermobilität vor. Dann hat Müller gute Erfahrungen mit der myofaszialen Release-Technik gemacht. Dabei werden myofasziale Ketten mittels Tiefengriffen und Stretch-Griffen mobilisiert, der Gesamtorganismus wird ausgleichend entspannt. Bei etwa jedem zehnten Patienten kämen emotionale Aspekte hinzu, oft Kränkungen in Beruf oder Privatleben. Diese könnten dann bei einer kurzen Psychotherapie angesprochen werden.

Studie zum Konzept

Sein orthopädisches, manualtherapeutisches und psychosomatisches Konzept hat Dr. Ralf Müller bei 719 Rückenschmerzpatienten zwischen 10 und 90 Jahren analysiert (zwei Drittel davon im arbeitsfähigen Alter). 55 Prozent der Patienten benötigten nur eine einzige therapeutische Intervention, 25 Prozent brauchten eine zwei- bis zehntägige Behandlung, 15 Prozent waren sechs Wochen lang krank geschrieben. Nur bei fünf Prozent der Patienten dauerte die Behandlung länger als sechs Wochen. Neun von zehn Patienten waren nach spätestens acht Tagen wieder arbeitsfähig. (ner)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Versteckte Zucker

Wie Fruktose den Nieren schadet

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Tab. 1: Verbesserung wichtiger Endpunkte nach 24-wöchiger randomisierter Behandlung mit Vimseltinib vs. Placebo (MOTION-Studie)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Tenosynoviale Riesenzelltumoren

Erste zugelassene systemische Therapie zeigt überzeugende Langzeiteffekte

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deciphera Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Versteckte Zucker

Wie Fruktose den Nieren schadet

Lesetipps
Urinprobe für Harnsäuretests im Labor zur Feststellung von Anomalien im Urin.

© kittisak / stock.adobe.com

Treat-to-Target-Strategie

Gicht: Mit der Harnsäure sinkt auch das kardiovaskuläre Risiko