Amyloidose

Grüntee schützt das Herz

Grüner Tee kann bei erblichen und altersbedingten Formen der unheilbaren Amyloidose weitere Schäden verhindern.

Von Ingeborg Bördlein Veröffentlicht:
Grüner Tee schmeckt nicht nur gut, sondern bietet auch Herzschutz bei Amyloidose.

Grüner Tee schmeckt nicht nur gut, sondern bietet auch Herzschutz bei Amyloidose.

© Carmen Steiner/ fotolia.com

HEIDELBERG. Professor Werner Hunstein, ehemaliger Chef der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg, erhielt als Emeritus im Jahre 2004 die Diagnose: Leichtketten-(AL)- Amyloidose.

Fehlgebildete, körpereigene Eiweiße hatten sich als unauflösliche Fäden (Amyloidfibrillen) in seinem Herz und Nieren abgelagert und bereits zu schweren Funktionsschäden geführt. Trotz Hochdosis-Chemotherapie verschlechterte sich sein Zustand weiter und er galt schließlich zwei Jahre später als austherapiert.

Eine Blutstammzelltransplantation - wie sie in solchen Fällen als ultima ratio erwogen wird, kam für Hunstein wegen seines Alters und schlechten Zustandes nicht mehr infrage.

Ironie des Schicksals: Unter Hunsteins Leitung wurde Anfang der 80erJahre die erste Blutstammzelltransplantation weltweit durchgeführt. Zudem wurde diese Amyloidoseform, die wie die anderen erblichen und altersbedingten unheilbar ist, 1859 erstmals in Heidelberg beschrieben.

Zwei Liter täglich

"Ich hatte nichts mehr zu verlieren, außer meinem Leben" sagte er damals zur "Ärzte Zeitung", als er nach einem Tipp zweier früherer Oberärzte einen Selbstversuch mit Grünem Tee begann.

Zwei Liter eines pestizidfreien Tees ließ er sich täglich aufbrühen mit für ihn erstaunlicher Wirkung: Sein Zustand besserte sich subjektiv und objektiv deutlich und er bezeichnete sich "als den glücklichsten Menschen auf der Welt", als sein Fall im Jahre 2007 im Fachblatt "Blood" veröffentlicht wurde.

Fortan versuchte er, diese Einzelfallbeobachtung sowie experimentelle Daten zur Wirkung der Inhaltsstoffe von Grünem Tee auf die krankhaften Eiweißablagerungen, die seine früheren Oberärzte ihm berichtet hatten, mit klinischen Studien zu verifizieren.

Ein Jahr nach seinem Tod veröffentlichten Kardiologen der Uni Heidelberg erste Ergebnisse (Clin Res Cardiol. 2012; 101(10): 805-813).

Verlauf gebremst, Herzfunktion stabilisiert

Die Wirkung von täglich zwei Litern Grünem Tee oder Kapseln mit Grüntee-Extrakt zusätzlich zur Standardmedikation auf Herzwanddicke und Herzfunktion wurde bei 14 Patienten mit fortgeschrittener Amyloidose per Sonographie oder MRT überprüft.

Bei allen wurde der Verlauf gebremst, die Herzfunktion stabilisiert. Die Dicke der Herzscheidewand verringerte sich geringfügig (im Mittel um 6,5 Prozent), bei einem Patienten zeigte sich ein Zuwachs.

Die Masse des linken Ventrikels verringerte sich bei neun Patienten, bei drei nahm sie zu. Das sei zwar nicht spektakulär, resümierte Studienleiter Privatdozent Arnt V. Kristen vom Amyloidosezentrum Heidelberg, aber da man bei dieser Krankheit wenig in der Hand habe, sei es ein gutes Ergebnis.

In weiteren Studien soll überprüft werden, ob sich die Effekte durch eine Erhöhung der EGCG-Konzentration steigern lassen. Das im Grünen Tee enthaltene Epigallocatechingallat (EGCG) konnte in vitro und in Tierexperimenten die Amyloidablagerungen verhindern oder auflösen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Beharrlich gegen Widerstand

Mehr zum Thema

Risikovorhersage

Erhöhtes Serumnatrium mit Herzschwäche assoziiert

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Chronischer Pruritus: Heftigster Juckreiz

© Aleksej / stock.adobe.com

Therapeutischer Dreiklang

Was sich gegen ständiges Jucken tun lässt

Mehr Inzidenzen = ein guter Grund für den dritten Piks? Einige im Gesundheitssystem vertrauen dieser Rechnung.

© Fokussiert / stock.adobe.com

COVID-19-Pandemie

Hohe Inzidenz lässt Ruf nach mehr Drittimpfungen lauter werden