Henna-Tattoos sind weniger harmlos als vermutet

WIEN (ner). Jeden Sommer, wenn die T-Shirts wieder knapper und die Röcke kürzer werden, kommt es ans (Sonnen-)Licht: Tattoos sind in und ohne fühlt man sich bereits nackter als nackt. Die Light-Varianten sind "Fake-Tattoo" und "Temptoo". Dieser Körperschmuck soll nach einiger Zeit unauffällig wieder verschwinden - spätestens wenn die Mode vorbei ist. Doch manchmal bleibt mehr zurück als die Erinnerung an den Urlaubsspaß und ein nettes Foto vom bebilderten Po.

Veröffentlicht:

Ein Tattoo ist eine Bemalung unter der Haut, ein Temptoo (temporary tattoo) dagegen auf der Haut. Weil echte Tätowierungen sich kaum ohne Narbenbildung entfernen lassen, schrecken viele Menschen davor zurück. Ganz abgesehen von den bekannten Risiken einer Fremdkörperreaktion auf Schwermetalle, einer Allergie oder der Gefahr von Fremdkörpergranulomen sowie der Infektionsgefahr bei nicht steriler Arbeit. Da kommt ein harmloses Urlaubs-Temptoo, aufgebracht von fliegenden Henna-Künstlern, vielen gerade recht.

Zwar gilt Henna, welches fest an das Keratin der Epidermis bindet, als gering allergen. Jedoch enthält das meist verwendete schwarze Henna Beimengungen von p-Phenylendiamin, einem starken Kontaktallergen, wie Professor Wolfgang Raab vom Allergie-Ambulatorium "Innere Stadt" in Wien in der Zeitschrift "Haut" (4, 2003, 148) berichtet.

Nach Angaben des Dermatologen mehren sich Berichte, wonach Patienten mit teilweise schweren allergischen Ekzemen an den Stellen ihres im Urlaub angefertigten Henna-Temptoos ärztliche Hilfe benötigen. Trete als Folge einer allergischen Dermatitis zum Beispiel eine Depigmentierung ein, hinterlasse die aufgetragene Zeichnung ein lebenslang bestehendes weißes Bild, schreibt Raab.

Nun möchte auch nicht jeder Mensch seinen Körper mit mehr oder weniger auffälligen Bildern und Ornamenten schmücken, sondern eher die natürliche Schönheit hervorheben - allerdings ohne sich täglich schminken zu müssen. Mit dem vor 15 Jahren erstmals beschriebenen "Permanent Make-up" existiert dafür eine Methode, die man als Mittelding zwischen echtem Tattoo und Temptoo beschreiben könnte.

Beim Permanent Make-up werden sehr feine Pigmentkörnchen mit einer elektrisch bewegten Nadel nur etwa 0,1 mm tief eingestochen (Tätowierung: 1 bis 3 mm). Allerdings gelangten die Pigmente nicht nur in die Epidermis, wie vielfach behauptet werde, so Raab, sondern auch in die oberen Coriumschichten. Das Ganze soll zwei bis fünf Jahre halten.

Raab berichtet über Kontrollanalysen, bei denen die verwendeten Mineralfarben nicht immer so sauber waren wie es notwendig wäre. So fanden sich Azopigmente, welche phototoxische Reaktionen hervorrufen können, halogen-organische Verbindungen oder bestimmte Metallspuren.

Folge können Granulome und allergische Reaktionen vom Spättyp sein, besonders bei Permanent Make-up im Augenbereich. Auch diese Art von Tattoo sei schwer vorzeitig zu entfernen, warnt Raab. Im Gegenteil: Entsprechende Behandlungen mit dem gepulsten CO2-Laser führten dazu, daß manche Metalloxide erst richtig dunkel werden. Außerdem können bei der Behandlung austretende Pigmente allergisch wirken.

Bleiben noch die Fake-Tattoos. Diese Bildchen werden einfach auf die Haut geklebt. Vereinzelt würden aber auch hierbei Kontaktallergien auf den verwendeten Klebstoff (meist Kolophonium) beobachtet, so Raab. Sollte dies passieren oder verblaßt die Zeichnung nach zwei bis drei Wochen, läßt sich das Kunstwerk jedoch mühelos abreiben.

Fazit des Wiener Allergologen: "Wenn schon Verzierungen auf der Haut aufgebracht werden sollen, so sind Fake Tattoos aus ärztlicher Sicht die einzige zu verantwortende Form."

Mehr zum Thema

Temperaturschwankungen nach oben

Wieso Pollen den Menschen immer mehr zu schaffen machen

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vergleich der Kreise

Wo sich besonders wenige Senioren gegen Pneumokokken impfen lassen

„Sprechende Medizin“ beim Bayerischen Rundfunk

Hausarzt Schelling klärt im Radio über wichtige Gesundheitsthemen auf

Cochrane Review zu Ginkgo biloba

Ginkgo biloba: Kein Nutzen bei MCI, geringe Effekte auf Demenz

Lesetipps
Menschen im Park machen Qigong-Übungen

© zinkevych / Stock.adobe.com

Nutzen durch randomisierte Studie belegt

Qigong-Übungen senken erhöhten Blutdruck

Tablette, auf der GLP-1 steht

© THIBNH / Generated with AI / Stock.adobe.com

Neuer GLP-1-Rezeptoragonist

Orforglipron: Bekommt Semaglutid jetzt Konkurrenz?