Herzbericht 2019

Herzinsuffizienz-Sterberate erneut stark gesunken – doch der Erfolg ist gefährdet

Obwohl die Bevölkerung immer älter wird, sinkt die Sterblichkeit bei Herzinsuffizienz und Herzinfarkt, wie der Herzbericht von 2019 zeigt. Die Sorge ist aber, dass sich der positive Trend im Jahr 2020 wegen der COVID-19-Pandemie womöglich nicht fortsetzen wird.

Von Veronika Schlimpert Veröffentlicht: 12.11.2020, 16:19 Uhr
Krankes Herz im Modell: Die positive Entwicklung in puncto Herzinsuffizienz-Sterblichkeit wird auf die verbesserten Behandlungsmöglichkeiten zurückgeführt.

Krankes Herz im Modell: Die positive Entwicklung in puncto Herzinsuffizienz-Sterblichkeit wird auf die verbesserten Behandlungsmöglichkeiten zurückgeführt.

© appledesign / stock.adobe.com

Frankfurt/Main. Dieses Jahr gibt es ein Novum beim Herzbericht von 2019: Noch nie zuvor sind die Zahlen so spät im Jahr vorgestellt worden, erst am 12. November. Und erstmals bezieht sich die Statistik dafür allein auf einen Jahrgang, nämlich auf das Jahr 2018.

Von diesem Jahr berichtete die Deutsche Herzstiftung zusammen mit den kardiologischen Fachgesellschaften erneut über erfreuliche Entwicklungen in der Herzmedizin. Zugleich warnen die Beteiligten aber davor, dass einige der erzielten Erfolge durch die COVID-19-Pandemie wieder zunichtegemacht werden könnten.

7,1 Prozent Rückgang bei Herzinsuffizienz-Mortalität

Zunächst die gute Nachricht: Die Sterblichkeit bei der Herzinsuffizienz ist wieder zurückgegangen, im Vergleich zum Jahr 2016 ist im Jahr 2018 ein Rückgang der Mortalität um 7,1 Prozent zu verzeichnen – und das, obwohl die Bevölkerung immer älter wird. Als Ursache für diese positive Entwicklung nannte Professor Thomas Voigtländer von der Deutschen Herzstiftung bei der Vorstellung des Herzberichtes die verbesserten Behandlungsmöglichkeiten.

Trotz dieser Fortschritte gibt es nach Ansicht von Professor Andreas Zeiher, Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK), weiterhin viel zu tun. Der Kardiologe betonte, dass die Erkrankung dadurch nicht beseitigt sei, sondern sich immer weiter ins höhere Lebensalter verschiebe. „Fast jeder dritte Herzinsuffizienz-Patient kommt 30 Tage nach der Diagnose erneut ins Krankenhaus“, berichtete Zeiher. Die stationäre Erkrankungshäufigkeit sei mit einer Inzidenz von 547,2 Fällen pro 100.000 Einwohner sehr hoch.

Auch Herzinfarkt-Sterblichkeit nimmt weiter ab

Eine weitere positive Entwicklung ist bei der Herzinfarkt-Sterblichkeit zu erkennen: Im Jahr 2017 sind 46.966 Menschen an einem akuten Myokardinfarkt gestorben, 2018 waren es 46.207. Wie Voigtländer berichtete, ist der Rückgang in nahezu allen Bundesländern (bis auf Berlin und Thüringen) registriert worden.

Zeiher führt diese Entwicklung unter anderem auf eine frühere Diagnostik zurück. Durch nicht-invasive Bildgebungsmethoden wie der Koronar-CT-Angiografie sei es möglich, Risikopatienten deutlich früher zu identifizieren, noch bevor diese einen Herzinfarkt erleiden. Darüber hinaus sind die Präventions- und Therapiemöglichkeiten stetig besser geworden.

Im Vergleich zum Jahr 2016 ist die Mortalität bei den Herzklappenerkrankungen und Herzrhythmusstörungen gestiegen, mit einem Plus von 13,8 Prozent und 12,9 Prozent. Einen Zuwachs gab es auch bei den stationären Behandlungen von Herzrhythmusstörungen. Dieser ist laut Zeiher aber eher positiv zu bewerten. Denn zurückzuführen ist dies auf eine Zunahme von Katheterablationen, die ja bekanntlich stationär vorgenommen werden. Die katheterbasierten Behandlungsmöglichkeiten bei Vorhofflimmern werden also immer häufiger genutzt.

Corona könnte den positiven Trend stoppen

Thema bei der Vorstellung des Herzberichtes von 2019 war auch die aktuelle Corona-Pandemie, selbst wenn sich diese auf die Statistik von 2018 natürlich noch nicht ausgewirkt hat. Eine Auswertung von AOK-Versichertendaten bereitet Voigtländer Sorgen: Während des ersten Corona-Lockdown im März/April sind demnach 31 Prozent weniger Patienten wegen eines ST-Hebungsinfarktes oder Nicht-ST-Hebungsinfarktes stationär versorgt worden als im selben Zeitraum des Vorjahres.

Berücksichtigt man noch weitere dringliche ischämische Herzerkrankungen wie Hauptstammstenose, dekompensierte Herzschwäche und Angina pectoris, gab es insgesamt 42 Prozent weniger stationäre Behandlungen. Die Experten vermuten, dass viele Menschen womöglich aus Sorge vor einer Ansteckung mit dem SARS-CoV-2-Virus die Krankenhäuser gemieden haben.

Für Voigtländer ist dies ein „beängstigender Rückgang“. Der Kardiologe befürchtet, dass die damit einhergehenden Verzögerungen bei der Versorgung von Herzpatienten zu einem Anstieg der kardiovaskulären Sterblichkeit geführt haben. Verlässliche Daten gibt es dazu bisher aber noch nicht. Diese könnten nach Einschätzung von Zeiher bis Ende des Jahres vorliegen. Was Zeiher aber jetzt schon sagen kann: „Die Patienten, die ins Krankenhaus gekommen sind, hatten keine höhere Mortalität als sonst“. Sprich, die Behandlungsqualität hat in Deutschland offenbar nicht unter der Pandemie gelitten.

Mehr Informationen zur Kardiologie gibt es auf: www.kardiologie.org

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