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Schäden an Herz und Niere

Hypertonie schadet schon Kindern sehr

Übergewicht führt schon bei jüngeren Kindern zu einem deutlich erhöhten Risiko für Bluthochdruck. Es lohnt sich, die überflüssigen Pfunde und den Bluthochdruck konsequent zu bekämpfen. Denn auch bei Kindern drohen ansonsten bereits Endorganschäden.

Ingrid KreutzVon Ingrid Kreutz Veröffentlicht:
Ein Blutdruckwert über der 95. Perzentile gilt bei Kindern und Jugendlichen als pathologisch.

Ein Blutdruckwert über der 95. Perzentile gilt bei Kindern und Jugendlichen als pathologisch.

© Benedicte Desrus / Alamy / mauritius images

Wie wichtig es ist, bereits frühzeitig gegen Übergewicht bei Kindern anzugehen, belegen eindrucksvoll die Ergebnisse einer spanischen Studie, für die insgesamt 1796 Kinder im Alter von vier Jahren und dann erneut mit sechs Jahren untersucht worden sind.

Bei Kindern, die schon zu Studienbeginn übergewichtig waren oder wurden, war der Blutdruck innerhalb von zwei Beobachtungsjahren um 4 bis 5 mmHg systolisch und um 2,5 bis 3 mmHg diastolisch gestiegen, wie die Autoren um Iñaki Galán von der Universidad Autónoma de Madrid berichten (European Journal of Preventive Cardiology 2019; 26: 1326-1334).

Damit war das Hypertonie-Risiko eines Kindes, das mit vier und sechs Jahren übergewichtig oder gar adipös war, 2- bis 2,5 mal so groß wie das eines normalgewichtigen Kindes. Hingegen waren die Blutdruckwerte von Kindern, die im Alter von vier Jahren zwar übergewichtig waren, jedoch mit sechs Jahren kein Übergewicht mehr hatten, ähnlich wie die Werte von Kindern, die in beiden Altersstufen ein normales Körpergewicht hatten.

Jeder vierte adipöse Jugendliche ist hyperton

Bei normalgewichtigen Kindern und Jugendlichen wird die Hypertonieprävalenz mit 1,4 Prozent angegeben, allerdings haben 7 Prozent der übergewichtigen und sogar 25 Prozent der adipösen Jugendlichen einen zu hohen Blutdruck, berichten Privatdozent Dr. Martin Bald vom Klinikum Stuttgart und Professor Elke Wühl von der Universitätsklinik Heidelberg (Monatsschr Kinderheilkd 2019; 167: 512–521).

Inzwischen ist klar: Bereits in jungen Jahren drohen bei Bluthochdruck Endorganschäden. So findet sich etwa am Herzen bei mehr als 40 Prozent der Kinder mit Hypertonie bereits eine linksventrikuläre Hypertrophie, so die beiden Pädiater. Außerdem tritt bei bis zu 20 Prozent der Kinder mit primärer Hypertonie eine Mikroalbuminurie auf (Albumin/Kreatinin-Quotient im Spontanurin von 30–299mg/g). Diese gilt als frühes Zeichen einer hypertensiven Schädigung der Niere. Aber auch die Augen können betroffen sein: In der Fundoskopie zeige sich schon im Frühstadium eine hypertensive Retinopathie. Dieser komme aber erst im höheren Stadium eine klinische Bedeutung zu, so die Kinderärzte.

Entscheidend ist also eine frühe Diagnose und Therapie der Hypertonie. Im Gegensatz zu Erwachsenen, bei denen die Grenzwerte für den Blutdruck anhand des kardiovaskulären Risikos festgelegt wurden, fehlen diese Daten für das Kindes- und Jugendalter. Bei Kindern werden die Blutdruckgrenzen über die Verteilung der Blutdruckwerte in einem gesunden Kontrollkollektiv definiert. Ein systolischer oder diastolischer Blutdruckwert über der 95. Perzentile gilt bei Kindern und Jugendlichen bis zum vollendeten 16. Lebenjahr als pathologisch und über der 90. Perzentile als kontrollbedürftig. Bei älteren Jugendlichen gelten die für Erwachsene üblichen Blutdruckgrenzwerte.

Ausschluss von nächtlicher Hypertonie

Zur Diagnosesicherung und zum Ausschluss einer Praxis- oder „Weißkittel“-Hypertonie oder einer nächtlichen Hypertonie wird die 24-Stunden-Blutdruckmessung empfohlen. Praktische Informationen darüber, was bei der Blutdruckmessung bei Kindern alles zu beachten ist und welche Maßnahmen sich für die Behandlung eignen, liefern aktuelle Leitlinien, etwa die Hypertonie-Leitlinie für Kinder und Jugendliche der europäischen Hypertoniegesellschaft (J Hypertens. 2016; 3: 1887-1920).

Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie zu Hypertonie bei Kindern und Jugendlichen stammt aus dem Jahr 2015. Die europäische Leitlinie empfiehlt den Beginn einer Therapie schon bei hochnormalen Blutdruckwerten, also Werten über der 90., aber unter der 95. Perzentile mit Anleitungen zur Lebensstiländerung.

Dazu gehören etwa Gewichtsnormalisierung, körperliche Aktivität, salzarme Kost und genügend Schlaf. Bleibt der Therapieerfolg hiermit aus, ist eine medikamentöse antihypertensive Therapie angezeigt. Dafür existieren Medikamente aus verschiedenen Substanzgruppen mit unterschiedlichen Angriffspunkten.

Trotz langjähriger Erfahrung fehlt vor allem schon lange in die antihypertensive Therapie eingeführten Medikamenten eine Zulassung für Kinder und Jugendliche aufgrund mangelnder pharmakologischer und -kinetischer Untersuchungen, monieren Bald und Wühl.

Diese Medikamente könnten deshalb häufig nur „off label“ eingesetzt werden. Bedingt durch rechtliche Vorgaben seien in den letzten Jahren zunehmend Studien zu antihypertensiven Medikamenten auch im pädiatrischen Bereich erfolgt, sodass es für einige Substanzen ab dem Schulalter eine Zulassung gibt.

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