DAS SAGT DAS INSTITUT

IQWiG: Für Diuretika ist der Nutzen am besten belegt

"Thiaziddiuretika und Chlortalidon sind die blutdrucksenkenden Wirkstoffe mit dem am besten belegten Nutzen." Zu dieser vorläufigen Schlussfolgerung kommt das IQWiG in seinem Vorbericht zu Antihypertensiva. Der Vorbericht hat jedoch keine rechtliche Relevanz für Vertragsärzte.

Veröffentlicht: 02.03.2007, 08:00 Uhr

Das IQWiG hat, wie berichtet, den Nutzen von fünf in Deutschland zur Behandlung bei essentiellem Bluthochdruck erhältlichen Wirkstoffgruppen untersucht und verglichen, und zwar von Diuretika, Beta-Blockern, ACE-Hemmern, Kalzium-Antagonisten und Angiotensin-II-Antagonisten.

Beurteilt hat das Institut den Nutzen der Antihypertensiva danach, wie gut sie mögliche Folgekomplikationen einer Hypertonie, etwa Schlaganfall oder Herzerkrankungen, verhindern. Dazu hat das Institut 16 von mehr als 2000 primär in Frage kommenden Studien analysiert. Die vorläufige Schlussfolgerung: "Diuretika (Thiaziddiuretika und Chlortalidon) sind die einzigen der untersuchten Wirkstoffgruppen, die bei keinem Therapieziel einer anderen Wirkstoffgruppe unterlegen waren. Bei einigen Aspekten waren Diuretika anderen Wirkstoffgruppen überlegen." Beim Therapieziel Lebensverlängerung habe sich keine Wirkstoffgruppe einer anderen überlegen gezeigt. Unterschiede gebe es jedoch bei der Prävention von Schlaganfall und Herzkrankheiten:

  • "Diuretika (Thiaziddiuretika und Chlortalidon) schnitten deutlich besser ab als ACE-Hemmer und Kalziumantagonisten bei der Vorbeugung von Herzversagen. Diese Diuretika wiesen ebenfalls Vorteile gegenüber den ACE-Hemmern bei der Vorbeugung von Schlaganfällen sowie bei der Zahl verschiedener Herz-Kreislauf-Ereignisse auf."
  • "Beta-Blocker waren bei keinem untersuchten Therapieziel einer anderen Gruppe überlegen. Beta-Blocker haben in einer Studie deutlich schlechter abgeschnitten als Diuretika bei der Schlaganfall-Prävention."
  • "ACE-Hemmer schnitten deutlich besser ab als Kalzium-Antagonisten bei der Vorbeugung von Herzversagen."
  • "Kalzium-Antagonisten schnitten deutlich besser ab als ACE-Hemmer bei der Vorbeugung von Schlaganfällen. Kalzium-Antagonisten waren außerdem deutlich besser als Angiotensin-II-Antagonisten bei der Vorbeugung von Herzinfarkten."
  • "Angiotensin-II-Antagonisten waren Beta-Blockern deutlich überlegen, was die Summe verschiedener Herz-Kreislauf-Ereignisse und der Schlaganfälle betrifft."

Bei den unerwünschten Wirkungen habe sich, so das IQWiG, für keine der untersuchten Wirkstoffgruppen ein klarer Vorteil ergeben. Unter Diuretika komme es im Vergleich zu einzelnen anderen Wirkstoffen häufiger zu leichten Erhöhungen der Blutzuckerwerte, was gelegentlich eine therapiebedingte Diabetes-Diagnose zur Folge habe. Ähnliches gelte auch für die Beta-Blocker und Kalzium-Antagonisten bei einzelnen Vergleichen mit anderen Wirkstoffgruppen. (ikr)



KRITERIEN DER NUTZEN-BEWERTUNG

  • Lebensverlängerung
  • Vorbeugung von Herzerkrankungen
  • Prävention von Schlaganfällen
  • Vorbeugung von sonstigen Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Prävention von Nierenschäden
  • unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Lesen Sie dazu auch den Gastbeitrag: "Der IQWiG-Bericht ist ein Signal in die falsche Richtung und ein Rückschritt in die Zweiklassen-Medizin"

Lesen Sie dazu auch: Das sagen Kritiker des IQWiG-Vorberichts: Wichtige Kriterien für Erfolg bei der Therapie sind unbeachtet

Das sagen Pharma-Unternehmen: Blutdrucksenkung nicht bewertet - die Stellungnahme von AstraZeneca Vorbericht ist unzureichend - die Stellungnahme von Boehringer Ingelheim Verfahrens-Regeln missachtet - die Stellungnahme von Novartis Keine Hilfe für die Therapie - die Stellungnahme von Takeda Pharma

Was Sie über das IQWiG wissen sollten: Nach welchen Methoden das IQWiG Berichte erstellt Die Zusammenarbeit GBA-IQWiG gilt als intransparent Vorbericht: Keine juristischen Folgen

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