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Nierenkrebs

Im Frühstadium reicht Teilresektion

Werden Nierentumoren im T1-Stadium organerhaltend entfernt, birgt das kein höheres Rezidivrisiko als die radikale Nephrektomie. Auch gibt es hinsichtlich nicht-onkologischer Aspekte sogar Vorteile.

Von Dr. Dagmar Kraus Veröffentlicht:

MONTREAL. Patienten mit einem Nierenzellkarzinom im Frühstadium muss nicht unbedingt die gesamte Niere entfernt werden. Mit einer partiellen Nephrektomie ist man ebenso auf der sicheren Seite, wie eine aktuelle Studie aus Kanada erneut bestätigt und damit den Ergebnissen der EORTC-30904-Studie aus dem Jahr 2010 widerspricht.

Die Urologen hatten die Daten von 2385 Patienten ausgewertet, die sich zwischen 2000 und 2015 aufgrund eines Nierenzellkarzinoms im Frühstadium (T1) entweder einer radikalen (RN) oder einer partiellen Nephrektomie (PN) unterziehen mussten und im Canadian Kidney Cancer System registriert waren (Urologic Oncology 2016, online 13. Juli).

Dabei legten die Urologen besonderes Augenmerk auf die Zeit bis zur Progression und die Nierenfunktion.

Das mediane Follow-up betrug in der RN-Gruppe 2,87 Jahre, in der PN-Gruppe 1,99 Jahre. Hinsichtlich Patientencharakteristika sowie Tumorhistologie und Tumorgröße unterschieden sich die beiden Gruppen nicht signifikant. Auch die geschätzten glomerulären Filtrationsraten waren in beiden Gruppen innerhalb der Niereninsuffizienz-Stadien vergleichbar.

Kein Unterschied bei Progression

Am Ende der Studienperiode waren 32 Patienten in der PN-Gruppe und 58 in der RN-Gruppe gestorben. Von den Überlebenden hatten 86 (5 Prozent) teil- und 76 (10 Prozent) radikal nephrektomierte Patienten ein Rezidiv. Dabei fand sich bei der Zeit bis zur Progression kein signifikanter Unterschied zwischen beiden Gruppen (p = 0,42), auch nicht bei Berücksichtigung potenzieller Einflussfaktoren.

Progressionsfrei waren nach einem Jahr 98,0 Prozent der PN-Patienten und 94,7 Prozent der RN-Patienten. Nach drei Jahren lag der Anteil bei 97,8 beziehungsweise 91,2 Prozent.

Die Patienten, die weniger radikal operiert worden waren, schnitten allerdings etwas besser hinsichtlich ihrer Nierenfunktion ab. Patienten mit Teilresektion hatten ein und zwei Jahre nach dem Eingriff deutlich höhere geschätzte glomeruläre Filtrationsraten (eGFR) als ihre Mitpatienten, denen die Niere vollständig entfernt wurde.

Dabei hatten die Urologen bei der Auswertung nicht nur die präoperative eGFR berücksichtigt, sondern auch das Alter zum Zeitpunkt der Nephrektomie, Geschlecht, pathologisches T-Stadium, Jahr der Diagnose sowie Tumorhistologie und -grad.

Stärkerer Fokus auf Nierenfunktion

Ob bei Patienten mit einem Nierenzellkarzinom Stadium T1 die Niere ganz entfernt oder nur teilreseziert wird, mache für das progressionsfreie Überleben keinen Unterschied, schlussfolgern die kanadischen Urologen. Damit stünden die Ergebnisse dieser Auswertung - wie auch die zahlreicher anderer Studien - im Widerspruch zu denen der EORTC-30904-Studie, die einen kleinen Vorteil hinsichtlich des Gesamtüberlebens für RN-Patienten gefunden hatte.

Als entscheidend für den Krankheitsverlauf haben sich in der kanadischen Untersuchung weniger das Operationsverfahren als vielmehr die Faktoren Tumorgröße (T1a versus T1b), Jahr der Diagnose, histologischer Subtyp sowie Tumorgrad herausgestellt.

Da beide chirurgische Verfahren hinsichtlich ihrer onkologische Effizienz gleichwertig sind, raten die kanadischen Urologen, das Operationsverfahren anhand anderer Kriterien auszuwählen, wie etwa der technischen Durchführbarkeit, dem Komplikationsrisiko und nicht zuletzt der Nierenfunktion.

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