Mechanismus entschlüsselt

Immunzellen beeinflussen Entstehung von Kachexie

Forscher haben die molekularen Mechanismen untersucht, die eine Kachexie auslösen – und dabei eine überraschende Funktion bestimmter Immunzellen identifiziert. Sie hoffen, mit ihren Erkenntnissen die Entwicklung von Therapieoptionen bei Kachexie voranzutreiben.

Veröffentlicht: 23.05.2019, 12:26 Uhr
Immunzellen beeinflussen Entstehung von Kachexie

T-Lymphozyten (gelb), zu denen auch CD8-T-Zellen gehören, suchen nach virusinfizierten Zellen und töten diese ab.

© Dermatzke / Fotolia

WIEN. Viele Patienten mit chronischen Krankheiten wie Krebs, Aids oder Autoimmunerkrankungen leiden bekanntlich zusätzlich an Kachexie. So sind etwa 50 bis 80 Prozent der Krebspatienten von Kachexie betroffen.

Dabei handelt es sich um ein hochkomplexes und noch wenig verstandenes Syndrom, das zu einem unkontrollierbaren Gewichtsverlust führt. Schrumpfende Fettreserven und ein Abbau des Muskelgewebes führen zur Schwächung. Die Erkrankung gilt als einer der Faktoren, die zu einem vorzeitigen Tod beitragen.

CD8-T-Zellen als Auslöser

Forscher der Österreichischen Akademie der Wissenschaften haben gemeinsam mit internationalen Kollegen die molekularen Mechanismen der Kachexie bei Virusinfektionen untersucht und eine überraschende Funktion bestimmter Immunzellen identifiziert: Im Tiermodell stellten die Forscher um Hatoon Baazim zunächst fest, dass die Virusinfektion zu einer gravierenden Reorganisation der Architektur des Fettgewebes führte. Dies war mit der Aktivierung der Lipolyse verbunden (Nature Immun 2019; 20:701–710).

„Überraschend war“, wird Studienautorin Baazim in einer Mitteilung der Akademie zitiert, „dass keiner der Entzündungsmediatoren, von denen bekannt ist, dass sie Kachexie bei Krebs auslösen, in unserer Infektionsstudie eine Rolle spielten.“

Bei der Untersuchung anderer möglicher Mechanismen stellten die Wissenschaftler dann fest, dass ein bestimmter Zelltyp des Immunsystems für die Entstehung einer Kachexie verantwortlich ist: die CD8-T-Zellen.

Zusätzliche Signale

Diese auch T-Killerzellen genannten Immunzellen erkennen normalerweise virusinfizierte Zellen oder Krebszellen und töten sie ab.

Die Studie habe zum ersten Mal gezeigt, dass CD8-T-Zellen für die Auslösung der Kachexie bei Infektionen eine zentrale Funktion zukommt, heißt es in der Mitteilung der Akademie.

Dabei spielten zusätzliche Signale des antiviralen Zytokins Typ-IInterferon, einem körpereigenen Botenstoff des Immunsystems, sowie das Erkennen des Virus durch die CD8-T-Zellen eine wichtige Rolle.

Besseres Verständnis

Die Studienergebnisse lieferten ein wichtiges Modell zu den komplexen Entzündungsprozessen und Stoffwechselveränderungen bei der infektionsassoziierten Kachexie und ermöglichten es, künftig die molekularen Mechanismen der Kachexie weiter zu erforschen.

Dies könne zu einem besseren Verständnis von Infektionen wie Aids, Tuberkulose oder Malaria sowie anderen parasitären Erkrankungen, die Kachexie verursachen, beitragen, so die Hoffnung der österreichischen Wissenschaftler. (eb)

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