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Kinder in Städten vermehrt von ADHS betroffen

BERLIN (gvg). Wie häufig tritt ADHS bei Kindern wirklich auf? Die Quote hängt stark davon ab, welche Kriterien zugrunde gelegt werden. Klar ist: Wer in der Stadt lebt, ist gefährdeter.

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In der Diskussion über die Pathogenese von ADHS wird in der Regel sehr stark die genetische Komponente betont. Oft übersehen werde dabei die deutliche Korrelation der Prävalenz von ADHS mit sozialen Faktoren, sagte Professor Manfred Döpfner von der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uni Köln.

So habe das auf seelisches Wohlbefinden und Verhalten von Kindern und Jugendlichen fokussierte "BELLA-Modul" des Deutschen Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) gezeigt, dass der sozioökonomische Status stark mit der Häufigkeit von ADHS korreliert. Das BELLA-Modul des KiGGS liefert eine repräsentative Befragung der Eltern von 2452 Kindern und Jugendlichen zwischen sieben und 17 Jahren.

Niedriger sozialer Status ist ein Risikofaktor

Werden die Symptomkriterien für ADHS aus der Krankheitsklassifikation DSM IV zugrunde gelegt, haben über sieben Prozent der Kinder aus Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status ein ADHS. In den mittleren sozialen Schichten sind es fünf Prozent und in den oberen sozialen Schichten nur drei Prozent.

Außerdem: In ländlichen Gebieten erfüllen etwa 3,5 Prozent der Kinder gemäß Elternauskunft die DSM-IV-Kriterien für ADHS, in kleinen und mittelgroßen Städten sind es vier bis fünf Prozent und in Metropolen mit mehr als 500 000 Einwohnern sieben Prozent. Diese Unterschiede sagen jedoch nichts über Ursache und Wirkung aus, wie Döpfner auf der von dem Unternehmen Medice unterstützten Veranstaltung betonte.

Diskussionen über Symptombeginn

Generell empfahl Döpfner, Angaben zur Prävalenz von ADHS kritisch zu werten. So erfüllten in der BELLA-Befragung zwar fünf Prozent der Kinder die in der DSM IV festgelegten Symptomkriterien. Wurde aber gefragt, ob die Symptome im Alltag in mehr als einer Situation Probleme verursachten, sank die Quote auf knapp vier Prozent.

Wenn außerdem nur jene Kinder gezählt wurden, bei denen die Symptome vor dem siebten Lebensjahr begannen und mehr als sechs Monate andauerten, waren es nur noch 2,2 Prozent. Derzeit werde bei der Ausarbeitung der neuen Klassifikation DSM V diskutiert, ob das siebte Lebensjahr als obere Grenze für den Symptombeginn bei ADHS beibehalten wird, sagte Döpfner.

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