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DGIM-Kongress

Komplexe Onkologie in Netzwerken umgesetzt

"Genetische und epigenetische Zielmoleküle in der personalisierten Krebsmedizin": Darüber spricht Professor Reinhard Büttner aus Köln in seinem Plenarvortrag beim DGIM-Kongress.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:

MANNHEIM. Ist der Onkologe in der genomischen Krebsmedizin so etwas wie der Steuermann, könnte der Pathologe als Lotse bezeichnet werden.

Molekulare Pathologen sind es, die die onkogenetischen Signale eines Tumors identifizieren, Mutationen, die das Tumorwachstum antreiben, einordnen, und die anhand von Biomarkern differenzierte Therapievorschläge machen.

Es fragt sich, wie die fortschreitende Wissensexplosion mit zunehmender Subspezialisierung bei den Onkologen und in den diagnostischen Fächern praktisch umgesetzt werden kann in eine flächendeckende Versorgung der Patienten.

Professor Reinhard Büttner vom Centrum für Integrierte Onkologie (CIO) Köln-Bonn wird dies anhand der Erfahrungen im Netzwerk Genomische Medizin (NGM) Lungenkrebs in seinem Plenarvortrag beim Internistenkongress erläutern.

Seit fünf Jahren baut das NGM ein Netzwerk von Kooperationspartnern in ganz Deutschland auf. Gewebeproben von Patienten mit Lungenkrebs werden zentral in Köln untersucht.

"Dann geben wir eine Therapieempfehlung ab, die vor Ort im jeweiligen onkologischen Zentrum umgesetzt werden kann", sagt der Kölner Pathologe.

Konzept soll auf andere Tumorformen ausgeweitet werden

Die Diagnostik und Standardtherapie sowie gegebenenfalls Offlabel-Therapien werden von den kooperierenden Krankenkassen gezahlt.

Soll ein Patient in eine geeignete klinische Studie eingeschlossen werden, ist der jeweilige Hersteller des Medikaments an der Finanzierung beteiligt.

Was bei Lungenkrebs funktioniert, sollte auch bei anderen soliden Tumoren klappen. Daher werde das Konzept jetzt auf weitere Tumorformen ausgeweitet, kündigte Büttner an.

Vorteil für die dezentral im Netzwerk behandelten Patienten sei ihr Zugang zu einer "informierten Onkologie", betont er. Dies könne sich unmittelbar auf die Lebenserwartung und Lebensqualität auswirken.

Das bessere Verständnis molekularer Mechanismen der Krebsentstehung verbessert zudem die Möglichkeiten der Primär- und Sekundärprävention von Krebserkrankungen.

Nach WHO-Angaben könnten die Hälfte bis drei Viertel aller Krebserkrankungen vermieden werden - jedenfalls in einer idealen Welt, in der alle gesund leben, onkogene Viren eliminiert oder neutralisiert sind und die jeweiligen Zielgruppen nahezu vollständig an empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen. In der realen Welt braucht es zielgerichtete Präventionsstrategien.

"Wir müssen die Krebsvorsorge an die unterschiedlichen Risiken der Menschen anpassen", meint Büttner. Eine Herausforderung ist dabei vor allem die Früherkennung sporadischer Karzinome.

Daher werden unter anderem komplexe genetische Modelle zur Krebsprädisposition entwickelt und wird weiter nach Suszeptibilitätsgenen und Biomarkern gefahndet.

Professor Reinhard Büttner hält seinen Plenarvortrag "Genetische und epigenetische Zielmoleküle in der personalisierten Krebsmedizin" am 20. April 2015 von 11:45 bis 12.15 Uhr im CCR Mannheim, Saal 4

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