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COPD

Mehr Mykobakterien bei ICS-Therapie

Der Gebrauch von inhalativen Kortikoiden (ICS) erhöht bei COPD-Patienten einer kanadischen Studie zufolge das Risiko für eine Infektion mit nichttuberkulösen Mykobakterien.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:

TORONTO. Glukokortikoidsprays werden erfolgreich zur Behandlung bei Asthma und COPD eingesetzt. Doch neben ihrer antientzündlichen Wirksamkeit haben sie auch unerwünschte immuninhibitorische Effekte. Ob mit der inhalativen Kortikoid-Therapie bei diesen Patienten auch das Risiko für Lungenerkrankungen mit nichttuberkulösen Mykobakterien (NTM-PD) oder einer Tuberkulose mit Mycobacterium tuberculosis wächst, haben jetzt Sarah Brode von der University of Toronto und Kollegen untersucht (Eur Respir J 2017; 50: 1700037).

In einer populationsbasierten, genesteten Fall-Kontroll-Studie analysierten sie Daten von 417.494 kanadischen Einwohnern ab 66 Jahren, die wegen obstruktiven Lungenerkrankungen (Asthma, COPD oder einem Asthma-COPD-Overlap-Syndrom (ACOS)) zwischen 2001 und 2013 in Behandlung waren.

Unter den Studienteilnehmern aus Ontario registrierten die Autoren 2966 Infektionen mit nichttuberkulösen Mykobakterien und 327 Tuberkulosefälle. Bei Patienten, die in den vorangegangenen 30 Tagen ein inhalatives Kortikoid angewendet hatten, lag das adjustierte Risiko für eine NTM-PD um 86 Prozent höher als bei Patienten ohne aktuelle Behandlung (Kontrollen). Der dosisabhängige Zusammenhang wurde zwischen der kumulativen ICS-Dosis über ein Jahr und der Häufigkeit der NTM-PD deutlich (niedrige Dosis: aOR 1,06; mittlere Dosis: aOR 1,48, hohe Dosis: aOR 2,28).

Im Einzelnen betrachtet, ergab sich die statistische Signifikanz für ein höheres NTM-PD-Risiko unter aktueller Inhalationstherapie mit Kortikoiden aber nur für Patienten mit COPD (aOR 1,96) und ACOS (aOR 1,74). Lag ausschließlich ein Asthma vor, wurde in der adjustierten Analyse keine Signifikanz erreicht.

Auch zwischen den verschiedenen Präparaten ergaben sich Unterschiede: So war das Risiko gegenüber den Kontrollen bei Patienten, die aktuell Fluticason verwendeten, verdoppelt (aOR 2,09), für Budesonid wurde kein signifikanter Unterschied erkennbar (aOR 1,19). Dies könne durch den stärkeren Effekt von Fluticason auf die Glukokortikoidrezeptoren und seine gegenüber Budesonid längere Halbwertszeit bedingt sein, meinen Brode und Kollegen.

Anders als in Studien aus Quebec und Südkorea konnte in der Ontario-Studie jedoch kein signifikanter Effekt von ICS auf das Tuberkuloserisiko beobachtet werden. Die Autoren vermuten als Grund hierfür eine zu geringe statistische Power der aktuellen Untersuchung mit lediglich 327 Tb-Fällen.

Da es sich bei einer NTM-PD um eine chronische, schwer zu behandelnde Infektion handelt, sehen die Forscher um Brode die Kortikoidbehandlung bei COPD-Patienten mit weiteren Risikofaktoren besonders kritisch. Dies seien etwa Bronchiektasien, Emphysem oder der frühere Nachweis von NTM im Sputum sowie eine Konstellation, in der ein Nutzen inhalativer Kortikoide ohnehin fraglich ist. Bei Patienten mit obstruktiven Lungenerkrankungen sollte der behandelnde Arzt immer auch das Risiko einer NTM-PD im Auge haben und die niedrigstmögliche Dosis verordnen, so Brode und Kollegen.

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