Nach Aufklärung steigt Koloskopie-Rate

HANNOVER (eb). Ein besonders großes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, haben Menschen, wenn die Erkrankung bei einem Verwandten ersten Grades vor dem 60. Lebensjahr diagnostiziert wurde. Verwandte, die über das Risiko der familiären Disposition aufgeklärt werden, lassen signifikant häufiger eine Koloskopie machen als die nicht Aufgeklärten, hat eine Studie ergeben. Allerdings ließen sich auch von diesen Personen insgesamt nur 27 Prozent untersuchen.

Veröffentlicht:

In der Studie wurde die Teilnahme an der Darmkrebsvorsorge bei Verwandten ersten Grades von Darmkrebspatienten untersucht, die zum Zeitpunkt der Diagnose das 60. Lebensjahr noch nicht erreicht hatten. Die Ergebnisse hat vor kurzem Professor Tim Greten von der Medizinischen Hochschule Hannover vorgestellt.

Wegen der Ergebnisse versteht sich die Studie auch als Aufklärungskampagne, um möglichst viele Patienten und Angehörige zu erreichen und für eine Vorsorgeuntersuchung zu sensibilisieren. "Das ist uns gelungen, wir haben mit diesem einfachen Weg sehr viele Risikopersonen erreichen können", sagt Greten. "Und wir konnten auch darüber aufklären, dass das Risiko nicht nur die Kinder betrifft, die oft noch viel zu jung sind, sondern vor allem Eltern und Geschwister." Das sei vielen Patienten nicht klar gewesen.

Für die Untersuchung verschickten die Ärzte Fragebögen an 602 Patienten, die zwischen 2002 und 2005 an Darmkrebs erkrankt und jünger als 60 Jahre waren. 442 Patienten (73 Prozent) beantworteten den Fragebogen, sie waren im Durchschnitt 51 Jahre alt. Gefragt wurde nach dem Wissen der Patienten um das erbliche Risiko, die Häufigkeit von Darmkrebserkrankungen bei Verwandten ersten Grades und die Frage, wieviele Eltern und Geschwister eine Vorsorgeuntersuchung wahrgenommen hatten. Schließlich fragten die Mediziner nach, ob das Wissen um das erhöhte Risiko die Verwandten bewogen hatte, zur Vorsorge zu gehen.

44 Prozent der Patienten gaben an, dass sie über das erhöhte Darmkrebsrisiko für Verwandte ersten Grades Bescheid wussten. Jedoch war die Zahl der Koloskopien bei den Geschwistern der angeschriebenen Patienten niedrig.

Von den Geschwistern, die das Risiko kannten, nahmen 27 Prozent an der Vorsorgeuntersuchung teil, bei den nicht Aufgeklärten nur 20 Prozent. Bei Verwandten ersten Grades von Darmkrebspatienten, also Eltern, Geschwistern und Kindern, ist das Risiko einer Erkrankung um das Zwei- bis Dreifache erhöht. Eine weitere, drei- bis vierfache Risikosteigerung besteht, wenn die Erkrankung vor dem 60. Lebensjahr diagnostiziert wurde.

Derzeit wird Verwandten ersten Grades von Patienten mit kolorektalen Karzinomen eine Vorsorgeuntersuchung empfohlen, wenn sie ein Alter erreicht haben, das zehn Jahre vor dem Erkrankungsalter des betroffenen Patienten liegt.

Die Untersuchung erfolgte 2005 in Zusammenarbeit mit dem Tumorzentrum der MHH und der Tumornachsorgestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen. Die Untersuchung wurde in der August Ausgabe der Fachzeitschrift "Annals of Oncology" veröffentlicht. Professor Greten wurde zudem für die Arbeit mit dem Felix Burda Award 2007 und dem Präventionspreis Innere Medizin der Deutschen Stiftung für Innere Medizin ausgezeichnet.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Lebensverlängernde Wirkung

ctDNA konnte in Studie Nutzen von COX-2-Hemmer bei Darmkrebs vorhersagen

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Wechselwirkungen

Diese Medikamente sind bei Herzinsuffizienz riskant

Interview mit Physiotherapeutin

Bewegung bei Nackenschmerzen: Welcher Sport ist der richtige?

Atemwegserreger

RKI: RSV-Welle deutet sich an

Lesetipps
Diabetespatientin spritzt sich Insulin mit Insulinpen

© Goffkein / stock.adobe.com

Wenig bekannte Insulinkomplikation

Vorsicht bei Insulininjektionen: Nicht immer dieselbe Stelle nehmen

Eine ältere Frau klagt über Gelenk- und Muskelschmerzen in ihren Händen.

© Yakobchuk Olena / stock.adobe.com

Kasuistik zu Autoimmunerkrankung

Wüssten Sie, was hinter diesen Symptomen steckt?