Direkt zum Inhaltsbereich

Nanotechnologie bringt Arzneistoffe leichter an ihren Wirkort

Nanopartikel als Vehikel für Wirkstoffe zu nutzen ist experimentellen Daten zufolge effizient und gut verträglich.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:

MAINZ. Mit Hilfe der Nanotechnik lassen sich manche Arzneimittel leichter an ihren Wirkort bringen, etwa an die Haut und an die Darmschleimhaut.

So ist es im Tierversuch gelungen, eine antientzündlich wirkende Substanz in Nanopartikeln zu verabreichen. Die Tiere blieben dadurch länger symptomfrei und hatten zudem deutlich weniger unerwünschte Wirkungen als Tiere, die mit dem in konventioneller Galenik verabreichten Medikament behandelt worden waren.

Das hat Professor Claus-Michael Lehr beim Pharmaforum 2010 in Mainz berichtet. Inzwischen sei es gelungen nachzuweisen, dass sich Nanopartikel in ulzerativen Läsionen der menschlichen Darmschleimhaut ansiedeln. Dabei habe eine positive Korrelation zwischen dem Grad der Entzündung und der lokalen Anreicherung bestanden, erläuterte Lehr, der am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) tätig ist.

Bei Anwendungen an der Haut habe man festgestellt, dass Nanopartikel überraschenderweise wesentlich besser in Haarfollikel eindringen als Moleküle, obwohl die Partikel größer sind. Das macht Nanopartikel interessant als Träger für Arzneistoffe bei Allergien, zum Beispiel bei Immuntherapien. Auch die Applikation von Arzneimitteln per Nanopartikel über die Lunge werde derzeit erforscht, sagte Lehr.

Weiterhin sei es möglich, Krebszellen mit Hilfe von Nanopartikeln "die Unsterblichkeit zu nehmen". Bei 85 Prozent der Krebszellen sei eine Telomerase-Aktivität nachweisbar. Das Enzym sorgt dafür, dass die Telomere an den Chromosomen-Enden bei der Zellteilung nicht wie üblich immer kürzer werden, bis die Apoptose eingeleitet wird, sondern lang bleiben.

"Es ist möglich, Nanopartikel zu produzieren, die dafür sorgen, dass die Telomerase-Aktivität geringer wird und damit die Telomere kürzer werden", so Lehr. In Tierversuchen seien Tumoren unter der Behandlung nicht mehr so stark gewachsen wie bei unbehandelten Versuchstieren.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Progression bremsen

Rhythmuskontrolle bei Vorhofflimmern: Wann initiieren?

Wissen nicht umgesetzt?

Unter Metformin regelmäßig Vitamin B12 kontrollieren

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

© piyato | iStock

Vaginalmykose im Fokus

Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

© iStock / okskukuruza

Vaginale Gesundheit

Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Chance auf frühe Diagnose?

Pankreaskrebs: Welche Verschreibungen Verdacht wecken sollten

Prophylaxe, Diagnostik und Therapie

Pilzinfektionen in der Hämatologie/Onkologie: So gehen Sie vor

Lesetipps
Ärztin untersucht Schilddrüse

© Peakstock - stock.adobe.com

Systematische Ursachensuche

Therapierefraktäre Hypothyreose: Was steckt dahinter?