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Rheuma

Neue Idee für Herz-Kreislauf-Schutz

Eine kombinierte, niedrig dosierte Immuntherapie bei Rheumatoider Arthritis verringerte in einer Pilotstudie nicht nur Gelenkprobleme der Patienten, sondern auch kardiovaskuläre Ereignisse.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:

FLORENZ. Patienten mit entzündlich-rheumatischen Krankheiten sind kardiovaskuläre Risikopatienten. Eine kardiovaskuläre Risikoabschätzung und eine konsequente Therapie bestehender Risikofaktoren gelten deswegen in rheumatologischen Leitlinien schon seit vielen Jahren zumindest bei der Rheumatoiden Arthritis (RA) als Standard.

Weniger klar ist die genaue Beziehung zwischen entzündlicher Gelenkerkrankung und kardiovaskulären Erkrankungen. Gibt es eine überlappende Pathophysiologie? Oder sind die Herzprobleme die Folge der chronischen Gelenkentzündung? Und wenn das so ist, schützen Antirheumatika auch vor kardiovaskulären Folgen der RA?

Eine kleine randomisierte Studie, die von Internisten der Universität Wolgograd bei der Tagung Frontiers in CardioVascular Biology in Florenz vorgestellt wurde, liefert dazu jetzt Daten, die die Diskussionen befeuern könnten. 68 Patienten mit aktiver RA erhielten eine konventionelle antirheumatische Therapie mit Basistherapeutika oder zusätzlich einen TNF-a-Blocker und ein Anti-Interferon-? in jeweils sehr niedriger Dosierung.

Sie wurden dann drei Jahre lang nachbeobachtet, und zwar nicht nur rheumatologisch im Hinblick auf einen standardisierten Krankheitsaktivitäts-Score (DAS28), sondern auch kardiologisch im Hinblick auf instabile Angina, schwere hypertensive Krisen sowie Verschlechterung einer bestehenden chronischen Herzinsuffizienz.

Unterschiede zwischen Gruppen deutlich

Nach drei Jahren gab es klare Unterschiede zwischen den Gruppen. Nicht nur hatten Patienten mit immunologischer Kombitherapie weniger Gelenkprobleme. Sie hatten auch eine kardiovaskuläre Ereignisrate von nur 13 im Vergleich zu 37 Prozent in der Gruppe mit normaler Basistherapie ohne Immunologika. Die niedrigere Ereignisrate ging unter anderem einher mit einer deutlich besseren Blutdruckeinstellung.

Leicht zu interpretieren ist das nicht. Zufall ist bei einer Studie dieser Größenordnung nicht ausgeschlossen. Wenn es kein Zufall war, stellt sich die Frage, ob es ein Blutdruckeffekt ist oder ob in der relativ kurzen Zeitspanne von drei Jahren möglicherweise schon oder auch antiatherosklerotische Effekte zum Tragen kommen könnten.

In jedem Fall bringen die Russen einen interessanten und ganz neuen therapeutischen Ansatz ins Spiel: Könnte es bei RA-Patienten mit moderater Krankheitsaktivität, die bisher keine spezifischen Immuntherapien erhalten würden, aus kardiovaskulärer Indikation Sinn machen, mit Biologika zu therapieren, die wesentlich niedriger dosiert sind als in der Rheumatologie üblich, und die entsprechend weniger Risiken haben?

Die Studienleiter um Professor Aida Babaeva sind dieser Auffassung, aber letztlich wird es dafür wohl größere Studien brauchen.

Mehr Informationen zur Kardiologie unter www.springermedizin.de

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