Forschung

Neue Leitlinie aus Würzburg zu Nebennieren-Zufallstumoren

Veröffentlicht:

WÜRZBURG. Forscher des Universitätsklinikums Würzburg haben zur Diagnostik und Therapie bei Patienten mit Nebennieren-Zufallstumoren eine neue europäische Leitlinie herausgebracht, wie die Uniklinik mitteilte. Bislang habe es keine internationale Leitlinie für Ärzte gegeben, wie sie Patienten mit zufällig entdeckten Tumoren betreuen sollen.

"Im Rahmen der Bildgebung, wie Ultraschall oder der Computertomografie, findet man erstaunlich häufig sogenannte Zufallstumoren der Nebennieren, die in der Mehrzahl zumeist ungefährlich sind, die aber als Gewebeveränderung medizinisch untersucht werden müssen", erklärt der Leiter der Würzburger Abteilung für Endokrinologie und Diabetes, Professor Martin Fassnacht.

Die Leitlinie, die Fassnacht im Team mit zehn internationalen Experten im Auftrag der Europäischen Gesellschaft für Endokrinologie entwickelt hat, gibt nun Hilfestellung. Ist ein Zufallstumor entdeckt, so sollte der chirurgische Eingriff nur dann erfolgen, wenn der Tumor bösartig ist oder eindeutig zu viele Hormone produziert. Zusätzlich wird auch festgelegt, wie die Nachsorge von Zufallstumoren erfolgen sollte.

"Unsere Handlungsempfehlungen haben gleich mehrere Innovationen. Wir konnten aufgrund unserer umfassenden wissenschaftlichen Recherchen eine Gruppe Tumoren definieren, die jetzt im Verlauf keine weitere Bildgebung mehr benötigen, da sie eindeutig harmlos sind. Zudem können wir nun die Situation der Hormonausschüttung besser beurteilen und dadurch deutlich gezielter und effektiver vorgehen", wird der Würzburger Mediziner in der Mitteilung zitiert.Besonders positiv bewertet er auch, dass das Expertenteam mit der neuen Leitlinie dem Trend der "Über-Behandlung" entgegentritt.

Denn letztendlich kommt das internationale, interdisziplinäre Expertenteam zu dem Schluss, dass nur sehr wenige Patienten, die einen für Nebennieren Zufallstumoren relativ häufigen Cortisolüberschuss aufweisen, tatsächlich medizinischer Intervention bedürfen.

"Wir gehen davon aus, dass diese Nebennieren Zufallstumoren bei mehr als drei Prozent der Bevölkerung vorkommen. Es sind also mehr als 1 Million Deutsche von solchen Tumoren betroffen", so Fassnacht. (mmr)

Leitlinie: "Adrenal Incidentaloma": http://www.eje-online.org/content/175/2/G1

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Nationale Branchenkonferenz in Rostock

Lauterbach: Klinikreform wird „ein Segen“ für Mecklenburg-Vorpommern

Lesetipps
Prinzipiell folge aus REDUCE-AMI, so Prof. Dr. Michael Böhm, dass bei Infarktpatienten mit erhaltener Pumpfunktion keine Betablocker mehr gegeben werden müssten. Das gelte, sofern es keinen anderen Grund für Betablocker gebe, konkret tachykardes Vorhofflimmern oder anhaltende Angina.

© shidlovski / stock.adobe.com

Nach der REDUCE-AMI-Studie

Bye-bye für Betablocker nach Herzinfarkt?

Viele Menschen sind adipös. Die Kombination aus Intervallfasten plus Protein-Pacing kann anscheinend neben einer Gewichtsabnahme auch zu einem gesünderen Mikrobiom verhelfen.

© Aunging / stock.adobe.com

Verändertes Mikrobiom

Intervallfasten plus Protein-Pacing lassen die Pfunde purzeln