Noch Zukunft: Therapie gegen Blindheit

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Mit embryonalen Stammzellen, die pluripotent sind und sich somit in nahezu alle Zelltypen verwandeln können, gibt es viele ermutigende therapeutische Ansätze - zumindest im Tierversuch. Seit 20 Jahren haben Wissenschaftler Erfahrungen mit solchen Stammzellen von Mäusen sammeln können, seit 1998 tun sie das auch mit humanen embryonalen Stammzellen.

Die Tierversuche mit embryonalen Stammzellen reichen von der Korrektur der Beta-Zellinsuffizienz gegen Diabetes über die Linderung der Symptome bei Tieren mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Parkinson bis zur Wiederherstellung der Muskelkraft als Therapie bei Muskeldystrophie. Erst vor kurzem konnten Tiere mit der Veranlagung zu Retinitis pigmentosa durch Stammzellen aus dem Knochenmark vor dem Erblinden bewahrt werden. Und unbehaarte Mäusen bekamen nach Transplantation von Stammzellen ein dichtes Fell.

Es wird noch lange dauern, bis Patienten von humanen embryonalen Stammzellen profitieren können. Denn bevor sie klinisch genutzt werden können, müssen einige Hürden überwunden werden, von denen die höchste die Tumorgefahr ist. Schon 1998, als es einem US-Forscher gelang, die erste humane embryonale Stammzell-Linie zu etablieren, wurde beobachtet, daß humane embryonale Zellen nach Injektion in Mäuse gutartige Tumoren bilden.

Nach Ansicht von Professor Hans Schöler vom Max-Planck-Institut in Münster könnten lebensbedrohliche Teratokarzinome entstehen, sollten sich die embryonalen Stammzellen oder Abkömmlinge davon nach der Transplantation in undifferenziertem Zustand halten können.

Klinische Studie mit humanen embryonalen Stammzellen gibt es noch nicht. Alle Stammzell-Linien, die inzwischen erzeugt wurden und etwa im US-amerikanischen Stammzellregister erfaßt sind, sind nach Angaben von Dr. Lorenz Studer von der Cornell-Universität in New York nur für Forschungszwecke geeignet, nicht für Therapiestudien. Nicht zuletzt muß auch bei Transplantation embryonaler Stammzellen mit immunologischen Abwehrreaktion gerechnet werden. Forscher versuchen deshalb, im Tiermodell Toleranz zu erzeugen.

In Deutschland ist es nach Genehmigung möglich, an humanen embryonalen Stammzellen, die allerdings importiert werden müssen, zu forschen. Bisher haben fünf Forschergruppen vom Robert-Koch-Institut in Berlin entsprechende Anträge genehmigt bekommen. (ple)

Weitere Infos zu Stammzellen unter www.rki.de/GESUND/STEMCELL/STEMCELL.HTM sowie unter www.isscr.org/



Zell-Potenzen

Totipotenz (Omnipotenz).

Fähigkeit einer einzigen Zelle, einen kompletten, lebensfähigen Organismus aufzubauen. Beispiel: befruchtete Eizelle.

Pluripotenz. Fähigkeit einer Zelle, sich in nahezu alle Zellen differenzieren zu können. Beispiel: embryonale Stammzellen.

Multipotenz. Fähigkeit einer Zelle, sich in eine Vielzahl von Abkömmlingen zu differenzieren. Beispiel: Stammzellen des hämatopoetischen Systems.

Oligopotenz. Fähigkeit einer Zelle, sich in wenige Abkömmlinge zu differenzieren. Beispiel: lymphoide oder myeloide Stammzellen.

Unipotenz. Fähigkeit einer Zelle, Zellen desselben Typs zu bilden. Beispiel: Fibroblasten. (nach Prof. Hans Schöler, Münster)

Lesen Sie dazu auch: Fünf Projekte in Deutschland

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