2. Nationale Impfkonferenz

Nur dringende Impfungen bei Schwangeren!

Mit der Grippe-Impfung können Schwangere ihr hohes Komplikationsrisiko bei Influenza senken. Andere Impfungen sollten aber schon vor der Schwangerschaft vorgenommen werden, betonen Impfexperten.

Von Wolfgang GeisselWolfgang Geissel Veröffentlicht:
Mit dem Fortschreiten einer Schwangerschaft schwächt sich die Abwehrfunktion gegen intrazelluläre Erreger wie Viren ab.

Mit dem Fortschreiten einer Schwangerschaft schwächt sich die Abwehrfunktion gegen intrazelluläre Erreger wie Viren ab.

© jimcox40 / fotolia.com

STUTTGART. Der Grundsatz der Ständigen Impfkommission (STIKO) - nicht dringend indizierte Impfungen während der Schwangerschaft nicht vorzunehmen - gilt weiterhin, hat Professor Markus Knuf aus Wiesbaden bei der 2. Nationalen Impfkonferenz in Stuttgart betont.

Deshalb sollten Impflücken bei Frauen mit Kinderwunsch schon vor einer Schwangerschaft abgeklärt und geschlossen werden. Mit Totimpfstoffen - etwa gegen Pertussis - lässt sich dabei ohne zeitliche Einschränkung vor einer Schwangerschaft impfen. Nach Impfung mit Lebendvakzinen (Masern, Mumps, Röteln, Varizellen, Gelbfieber) sollte aber vier Wochen lang verhütet werden.

Lebendimpfstoffe sind bei Schwangeren tabu

Dass Impfviren aus Lebendvakzinen dem ungeborenen Kind schaden können, ist wegen der spärlichen Studiendaten dazu nicht ganz geklärt. Bei der Analyse von weltweit 1089 Geburten nach versehentlicher Rötelnimpfung in der Schwangerschaft wurde jedoch nur ein einziges Mal ein Kind mit einem Herzfehler als mögliche Manifestation einer Embryopathie registriert, wie Knuf berichtet hat.

Eine versehentlich in der Schwangerschaft vorgenommene Lebendimpfung ist daher kein Grund für einen Abbruch.

Schwangere zu impfen, kann manchmal nötig sein, sagte Knuf. Etwa wenn ein Erregerkontakt einen postexpositionellen Schutz erfordert. Außer dem Impfstoff gegen Influenza hält Knuf dabei die Impfungen gegen Hepatitis A, Polio und Pneumokokken nach sorgfältiger Abwägung bei Schwangeren für möglich.

Lebendimpfstoffe sind jedoch grundsätzlich kontraindiziert. Bei Schutzbedarf sollte hier auf passive Immunisierungen mit Immunglobulinen ausgewichen werden.

Besonders gefährdet sind Schwangere durch Grippeviren. Weil die Abwehrfunktion im Verlauf der Schwangerschaft immer schwächer wird, erhöht sich bei Infektionen mit intrazellulären Erregern das Risiko für Komplikationen besonders.

So war zum Beispiel nach einer Analyse kanadischer Forscher bei Grippewellen die Zahl der Klinikeinweisungen von Schwangeren im dritten Trimenon bis zu achtfach erhöht im Vergleich zu nicht-schwangeren Frauen (Vaccine 2009; 27: 4754).

Bei der Grippe-Pandemie im vergangenen Jahr traten in den USA fünf Prozent aller Todesfälle durch Schweinegrippe bei Schwangeren auf. In Deutschland wurden in einer Studie während der Pandemie 27 Prozent der 17- bis 49-jährigen Schwangeren mit bestätigter H1N1-Infektion in Kliniken behandelt, im Vergleich zu vier Prozent bei den Nicht-Schwangeren (Epi Bull 2010; 31: 299).

Von den Schwangeren mit Schweinegrippe bekamen dabei immerhin knapp 2,7 Prozent eine Pneumonie; der Anteil war dreimal so hoch wie bei Nicht-Schwangeren (0,9 Prozent).

STIKO rät zu Grippe-Impfung im zweiten Trimenon

Eine Influenza-Impfung kann das Komplikations-Risiko werdender Mütter deutlich reduzieren. Die STIKO rät daher inzwischen auch allen Schwangeren ab dem 2. Trimenon zur saisonalen Grippeimpfung und Schwangeren mit Grunderkrankungen ab dem 1. Trimenon.

Die Impfung der Mütter bietet dabei auch den Neugeborenen einen gewissen Schutz, wie Daten einer US-Studie bestätigen (Arch Pediatr Adolesc Med 2011; 165: 104).

Dort wurden in der Grippesaison von 1160 Mutter-Kind-Paaren 17 Prozent der Säuglinge wegen einer Influenza-ähnlichen Krankheit (influenca-like illness, ILI) in einer Klinik und weitere 36 Prozent ambulant behandelt.

 Die ILI-Rate der Säuglinge war bei geimpften Müttern mit 6,7 pro 1000 Personentage niedriger als bei ungeimpften (7,2 pro 1000 Personentage).

Besonders deutlich waren Kinder geimpfter Mütter vor laborbestätigter Influenza (41 Prozent Risikoreduktion) und Klinikeinweisungen wegen ILI geschützt (39 Prozent Risikoreduktion).

Lesen Sie dazu auch: Nur dringende Impfungen bei Schwangeren! Pipeline der Impfstoffhersteller ist gefüllt Ausbrüche weisen auf große Impflücken bei Asylbewerbern hin Impfen senkt Prävalenz von Pertussis im Ländle Influenza-Komplikationen bei Kindern im Visier Masernausbruch nach Jugendtreffen in Taizé Unterricht zu Impfungen motiviert Jugendliche

Weitere Infos im Web: Abstractband des 2. Nationalen Impfkongresses

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