Direkt zum Inhaltsbereich

Stellungsfehler der Augen

Was bringt die Okklusionstherapie bei schielenden Kindern?

Nur wenn schielende Kinder zeitig adäquat behandelt werden, lässt sich einer dauerhaften Sehschwäche entgegenwirken. Die Brillenstärke ermittelt der Augenarzt, nicht der Optiker.

Dr. Bianca BachVon Dr. Bianca Bach Veröffentlicht:
Eine regelmäßige Okklusion des gesunden Auges kann bei Kindern einen Verlust der Sehkraft am schielenden Auge zumindest aufhalten und mitunter sogar verhindern.

Eine regelmäßige Okklusion des gesunden Auges kann bei Kindern einen Verlust der Sehkraft am schielenden Auge zumindest aufhalten und mitunter sogar verhindern.

© Maxim Kukurund / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell)

München. Stellungsfehler der Augen jenseits des 3-4. Lebensmonats sind mehr als ein kosmetisches Problem. Fällt Eltern auf, dass ihr Kind schielt, gehört es zum Augenarzt. Eine regelmäßige Okklusion des gesunden Auges kann dann einen Verlust der Sehkraft am schielenden Auge zumindest aufhalten und mitunter verhindern. Das Schielen selbst behebt nur ein operativer Eingriff. Der erfolgt beim angeborenen Strabismus meist der Ästhetik wegen.

Wie Dr. Peter Heinz, niedergelassener Augenarzt, Schlüsselfeld, bei einer Pressekonferenz der Stiftung Auge erläuterte, ist die Hauptindikation, Kinder mit angeborenem Strabismus so früh wie möglich zu behandeln, die drohende Amblyopie: Um störende Doppelbilder zu vermeiden, unterdrückt das kindliche Gehirn den Seheindruck des schielenden Auges.

In der Folge wird dieses schwachsichtig, dann hilft auch keine Brille mehr. Sollte später einmal das gesunde Auge erkranken, bietet das Schiel-Auge wenig Reserve. Zudem setzten viele Berufe gutes, dreidimensionales Sehen voraus.

Vermessung für Brillengläser unbedingt beim Augenarzt

Gründe genug, frühzeitig gegenzusteuern. Damit sich die Sehkraft am abweichenden Auge doch noch so gut wie möglich entwickeln kann, wird – nach Ausgleich eventuell vorhandener Fehlsichtigkeiten durch eine passende Brille – das gesunde Auge stundenweise abgeklebt, „um das schielende Auge ein bisschen mehr zu fordern und zu fördern, und das Gehirn dazu zu ‚zwingen‘, die Vernetzung wieder zu optimieren.“

Heinz wies ausdrücklich darauf hin, dass die Vermessung für die Brillengläser aufgrund der hierfür bei Kindern zwingend erforderlichen Zykloplegie unbedingt beim Augenarzt erfolgen sollte. Nur dieser darf den Ziliarmuskel durch Tropfen lähmen, um, unabhängig von der Akkommodation, die tatsächliche Refraktion zu ermitteln. Vor unkritischem Einsatz von Prismengläsern warnte der Ophthalmologe. Dies könne sich auch negativ auswirken und „sogar in der Notwendigkeit einer Schieloperation münden.“

Oft „nervenaufreibende Behandlung“

Die Okklusionstherapie werde bis maximal zum 12.-13. Lebensjahr fortgeführt – solange man noch einen Effekt sieht, und es wieder schlechter wird, wenn man aufhört. Einfach ist es nicht, Eltern und Kinder bei dieser „für alle Beteiligten oft nervenaufreibenden“ Behandlung bei der Stange zu halten. Etwa wenn Kleinkinder mit abgeklebtem Auge mit ihrer Brille zunächst schlechter sehen.

Heinz: „Durch dieses Tal der Tränen muss man durch.“ Manchmal helfe Ablenkung durch Spielen, damit die Kinder das Pflaster nicht gleich wieder ablösen. Wichtig zu wissen: „Durch die Abklebetherapie wird natürlich das Schielen nicht verschwinden.“

Doch die Erfolgschancen einer späteren Schiel-Op erhöhen sich: Wenn das Auge besser sieht, verringert das seine Tendenz, postoperativ allmählich wieder abzuweichen, weil es nicht hinreichend am Sehen beteiligt ist. Zwar könne es mit einer frühen Op prinzipiell gelingen, vielleicht sogar wieder ein räumliches Sehen zu erzielen.

Thema Schielen ist „spannend, komplex, oft frustran“

Zugleich riskiert man aber, dass Revisions-Ops nötig werden. Unbegrenzt geht das nicht: „Irgendwann ist kein Muskelmaterial mehr da, das man operieren kann.“ In der Regel werde zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr operiert, vornehmlich aus ästhetischen und psychosozialen Gründen. Etwa, wenn das Kind gehänselt oder ausgegrenzt wird.

Insgesamt sei das Thema Schielen „spannend, komplex, oft frustran“, so Heinz. Er betonte einmal mehr die Notwendigkeit einer intensiven Kommunikation mit den Eltern, „damit nicht Erwartungen nicht erfüllt werden, die gar nicht erfüllbar sind.“

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Sehstörungen und Lebensqualität

Wenn Glaskörpertrübungen aufs Gemüt schlagen

Das könnte Sie auch interessieren
Wie Haus- und Fachärzte gemeinsam Impflücken schließen

© Vladimir Vladimirov | iStock (Symbolbild mit Fotomodellen)

Round-Table-Gespräch

Wie Haus- und Fachärzte gemeinsam Impflücken schließen

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Die häufigsten Praxisfragen zur Influenzaimpfung

© Aitor Diago | Getty Images

Wer, wann, womit?

Die häufigsten Praxisfragen zur Influenzaimpfung

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Hohe Verantwortung, moderate Impfquote

© FatCamera | Getty Images (Symbolbild mit Fotomodellen)

Impfstatus Klinikpersonal

Hohe Verantwortung, moderate Impfquote

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Mittlere Veränderung der BCVA zu verschiedenen Zeitpunkten (sekundärer Endpunkt)

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [4]

Leichte Handhabung, korrekte Verabreichung

Aflibercept-Biosimilar in anwenderfreundlicher Fertigspritze

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Aflibercept 8 mg bei nAMD, DMÖ und jetzt auch RVV

© Science Photo Library / ALAN FROHLICHSTEIN

Zulassungserweiterung für VEGF-Inhibitor bei Makulaödem infolge eines RVV

Aflibercept 8 mg bei nAMD, DMÖ und jetzt auch RVV

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Tipps

Sommerhitze: Das ist wichtig bei älteren Patienten

Deutsche Gesellschaft für Nephrologie

Post-COVID-Syndrom: Blutwäsche in Studie ohne Nutzen für Betroffene?

Lesetipps
Es muss nicht immer die ganze Packung sein. Bei Abklingen der Symptome reicht oft eine kürzere Dauer der Antibiotikatherapie.

© umang / stock.adobe.com

Kürzer ist oft besser

Wann ein Antibiotikum früher abgesetzt werden kann

Frau mit Restless-Legs-Syndrom liegt im Bett und wackelt mit den Beinen.

© Andrey Popov / stock.adobe.com

Achtung vor RLS-Mimics

Restless-Legs-Syndrom: Mit 5 Kriterien zur Diagnose

Mehrere Menschen im Gespräch

© Jacob Lund / stock.adobe.com

Wohlbefinden stärken

Wie sich psychische Erkrankungen im Praxisteam vorbeugen lassen