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Neues Hüft- oder Kniegelenk

Opioide zur Schmerzlinderung möglichst vermeiden!

Arthrose-bedingte Schmerzen in Hüfte und Knie: Welche Maßnahmen helfen den Betroffenen? Wann ist eine Op ratsam? Die AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V. gibt Empfehlungen.

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Hüftersatz-Op: Ist im Moment der geeignete Zeitpunkt dafür?

Hüftersatz-Op: Ist im Moment der geeignete Zeitpunkt dafür?

© Florian Schuh / dpa

Stuttgart. Seit Beginn des Lockdowns in der Corona-Pandemie mussten hierzulande hunderttausende nichtakute Operationen verschoben werden. So verzeichnete etwa das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) im März und April dieses Jahres einen Rückgang von 79 Prozent der Operationen zum Arthrose bedingten Hüftersatz im Vergleich zum Vorjahr (www.aok-bv.de).

Auch wenn Ärzte momentan viele dieser Implantationen nachholen, sind Patienten teilweise verunsichert, ob jetzt schon wieder ein geeigneter Zeitpunkt für diese Operationen ist, heißt es in einer Mitteilung der AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e.V. Einige warten lieber noch weiter ab – und müssen derweil mit ihren Schmerzen und Bewegungseinschränkungen leben.

NSAR zur Schmerzbekämpfung

Zur Schmerzbekämpfung empfiehlt die Gesellschaft bevorzugt Entzündungshemmer wie NSAR (Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen). Zudem warnt sie vor einer unkontrollierten und längerfristigen Anwendung von Opioiden. Diese seien reine Schmerzhemmer und wirkten nicht gegen die Entzündung in Hüfte und Knie, wird Professor Karl-Dieter Heller, AE-Präsident und Chefarzt der Orthopädischen Klinik am Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig in der Mitteilung zitiert.

Zudem können sie die Gefahr für Schwindel und Stürze erhöhen und weisen ein Abhängigkeitspotenzial auf, so der Experte. „Daher sollten sie laut aktuellen medizinisch-wissenschaftlichen Leitlinien (S2k-Leitlinie Gonarthrose, Leitlinie Langzeitanwendung von Opioiden bei chronischen nicht-tumorbedingten Schmerzen (LONTS)) – wenn überhaupt – nur in der niedrigsten wirksamen Dosis und auch nur wenige Wochen eingenommen werden“, betont Heller.

Darüber hinaus müsse die Behandlung mit Opioiden in jedem Fall sofort enden, wenn sie nicht helfe oder ihre Wirkung nachlasse. Grundsätzlich sollten alle Medikamente nur unter ärztlicher Aufsicht eingesetzt werden.

„Gegen Schmerzen hilft auch Bewegung“

Die AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V. rät in ihrer Mitteilung zudem zu täglicher Dehnung und Kräftigung der Gelenkmuskulatur sowie zur Gewichtskontrolle. „So paradox es klingen mag: Gegen Schmerzen hilft auch Bewegung“, sagt Professor Carsten Perka, Generalsekretär der AE und Ärztlicher Direktor des Centrums für Muskuloskelettale Chirurgie, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie an der Charité Berlin.

Es gelte, die Muskulatur rund um Hüfte und Knie durch tägliche, sanfte Übungseinheiten möglichst kräftig und beweglich zu halten. Die Bewegung sorgt für die Versorgung des Knorpels mit Nährstoffen, die gekräftigte Muskulatur stabilisiert das Gelenk und die tägliche Dehnung des Gelenkes verhindert das Einsteifen. „Auch wenn Bewegung bei Arthrose sehr schmerzhaft sein kann, lohnt es sich dennoch, etwa eine Stunde am Tag mobil zu sein – es dürfen auch mehrere kleine Einheiten sein“, so Perka in der Mitteilung.

Bei Op: Aufenthaltsdauer minimieren

„Doch sobald unsere Patienten trotz aller Maßnahmen nachts vor Schmerzen nicht mehr schlafen können, beziehungsweise geringste Aktivitäten schon zu starken Schmerzen führen, ist die Operation die einzige Möglichkeit zur Schmerzreduktion“, so Perka. Das Risiko, sich im Krankenhaus mit dem Corona-Virus anzustecken, ist derzeit sehr gering“, beruhigt der Orthopäde und Unfallchirurg.

„In den Kliniken greifen strenge Hygienekonzepte wie Corona-Testungen bei der Aufnahme, Isolierung von Risikopatienten und umfassende Quarantäneregeln. Dazu kommen regelmäßige Testungen von Personal und Patienten. „Gemeinsam mit ihrem Arzt können Patienten Wege besprechen, die Aufenthaltsdauer zu minimieren“, rät Perka. Beispiele sind die Aufnahme erst am OP-Tag, eine minimalinvasive Operationstechnik und die sofortige Mobilisation nach dem Eingriff.

„Aus unserer Sicht steht einer Operation momentan nichts im Wege, sofern die Pandemie-Situation in Deutschland so stabil bleibt wie momentan“, sagt auch Heller. (eb)

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