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Glioblastom

Parvoviren sind nur für Krebszellen tödlich

Forscher entdecken die Ursache für die selektive Wirkung der Parvovirus-Therapie bei Glioblastomen.

Veröffentlicht:

HEIDELBERG. Parvoviren können Krebszellen zerstören und werden bereits in einer ersten klinischen Studie als Therapie gegen Glioblastome erprobt, teilt das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) mit.

Um sich vermehren zu können, seien die Viren auf ein Enzym, die Kinase PDK1, in der Zelle angewiesen. Wissenschaftler im DKFZ entdeckten nun, dass es Parvoviren in gesunden menschlichen Zellen nicht gelingt, dieses Enzym zu aktivieren (Plos Pathogen 2015; online 5. März).

In Glioblastomen dagegen sei das Enzym häufig dauerhaft aktiv, was den Viren ermögliche, sich zu vermehren und so die Krebszellen zu zerstören, heißt es in einer Mitteilung des DKFZ.

Das erkläre nicht nur die natürliche Selektivität der Viren für Krebszellen, sondern helfe auch, Tumorpatienten zu identifizieren, die von einer Parvovirus-Therapie profitieren könnten.

Um ihren Lebenszyklus in der Zelle zu vervollständigen und die nächste Virengeneration hervorzubringen, sind die Viren auf die Aktivität eines zellulären Enzyms, der Kinase PDK1, angewiesen. Normalerweise wird PDK1 von außen aktiviert, wenn Wachstumsfaktoren an die Zelle andocken.

Die Forscher entdeckten nun: In Zellen von Mäusen, die zu den natürlichen Wirten des Parvovirus H1 gehören, kann das Virus die PDK1 über einen Wachstumsfaktor-unabhängigen, internen Weg aktivieren.

Dabei hilft ein Enzymkomplex namens PKCh / Rdx. Dieser Komplex überträgt eine Phosphatgruppe auf einen ganz bestimmten Baustein der PDK1 und aktiviert sie dadurch.

PDK1 in Glioblastom-Geweben oftmals dauerhaft aktiviert

In normalen menschlichen Zellen dagegen, in denen es sich nicht fortpflanzen kann, gelingt es dem Virus nicht, PDK1 auf diesem alternativen Weg zu aktivieren.

Statteten die Forscher diese Zellen in der Kulturschale jedoch mit einer dauerhaft aktivierten PDK1 aus, wurden sie empfänglich für die Virusinfektion und Virusvermehrung.

In Krebszellen, speziell im Glioblastom, sieht die Sache anders aus: In 36 Prozent von 70 untersuchten Glioblastom-Gewebeproben ist die PDK1 schon von vornherein phosphoryliert und damit dauerhaft aktiviert.

"Für Krebszellen ist eine ständig aktivierte PDK1 biologisch sinnvoll, denn damit sind sie von Wachstumsfaktoren unabhängig. Das wiederum nützen die Parvoviren für ihre Zwecke aus"; wird der Virologe Jürg Nüesch vom DKFZ in einer Mitteilung zitiert.

"Wir haben hier erstmals eine molekulare Ursache für die natürliche Selektivität gefunden. Und darüber hinaus haben wir mit der PDK1-Phosphorylierung einen Biomarker entdeckt, der uns vorhersagt, bei welchen Tumoren eine Parvovirus-Therapie überhaupt anschlagen kann." (eb)

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