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Polyneuropathie fängt mit gefühllosen Zehen an

FRANKFURT AM MAIN (hem). Diabetiker fallen in der Praxis gewöhnlich nicht durch großen Leidensdruck auf. Wenn sie aber schmerzhafte Empfindungen in den Beinen haben, nährt dies den Verdacht auf diabetische Polyneuropathie.

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Jeder dritte Diabetiker entwickelt eine diabetische Polyneuropathie (DPNP). Bei jedem Dritten ist sie schmerzhaft. Mit zunehmender Diabetesdauer steigt die DPNP-Prävalenz. Nach 20 Jahren haben mehr als 80 Prozent aller Diabetiker neuropathische Beschwerden.

Schon Diabetes-Frühstadium schadet den Nerven.

Nicht selten fällt die Zuckerkrankheit erst durch die Nervenschädigung auf, obwohl letztere eine Diabetes-Folgeerkrankung ist, so Professor Thomas R. Tölle von der TU München beim Deutschen Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt am Main. Denn eine pathologische Glukosetoleranz kann schon vor Manifestwerden eines Typ-2-Diabetes zu einer Degeneration von peripheren Nervenfasern führen.

Um die Diagnose einer DPNP zu sichern, sollte man sich nicht zu sehr auf eine Abschwächung der Patellar- und Achillessehnenreflexe verlassen, so Tölle bei einem von den Unternehmen Lilly und Boehringer Ingelheim unterstützten Symposium. Dicke Nervenfasern gehen nämlich nicht so schnell verloren. Die Symptome einer DPNP sind vielmehr zuerst an den distalen Extremitäten festzustellen und betreffen zu 96 Prozent die Füße und dabei vor allem die Zehen.

Ein auffälliger Befund ist etwa die verminderte Fähigkeit, die Position von Füßen und Zehen wahrzunehmen. Der Gang wird unsicher, da der Untergrund nicht mehr richtig gespürt wird. Außerdem reduziert sich das Druckempfinden, und die Wahrnehmung von Hitze und Kälte verändert sich. Ohne erkennbare Ursachen spüren die Betroffenen brennende Spontanschmerzen und Schmerzattacken. Diese können in einen Dauerschmerz münden und lassen mitunter auch nachts keine Ruhe.

Tölle plädierte für eine frühzeitige Behandlung bei DPNP, um einen fortschreitenden Verlust an Nervenfasern und eine Chronifizierung der Schmerzzustände zu verhindern. Dafür kommen nach seinen Angaben in erster Linie Antidepressiva mit selektiver Hemmung der Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahme (SSNRI) wie Duloxetin (Cymbalta®) in Betracht. Auch Antikonvulsiva und Opioide sind eine Therapieoption.

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