Seltsame Symptome

Rätselhafter Fall von Leptospirose

Einen unbekannten Leptospira interrogans-Stamm haben Ärzte bei einem Patienten entdeckt. Die Infektion löste höchst ungewöhnliche Symptome aus.

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WIEN. Einen bisher unbekannten Genotyp des Bakteriums Leptospira interrogans haben Wissenschaftler der MedUni Wien und des AKH Wien bei einem Patienten entdeckt (Emerg Infect Dis 2019; 25: 968-971). Die Infektion mit dem Erreger habe ungewöhnliche neurologische Symptome ausgelöst, die an Myasthenia gravis erinnern, berichtet die MedUni.

Bei dem zuvor gesunden Patienten stellten die Ärzte Muskelschwäche und starke Fatigue fest, die dazu geführt hatten, dass der Patienten kurzzeitig auf den Rollstuhl angewiesen war. Die Symptome wiesen auf die Autoimmunerkrankung Myasthenia gravis hin.

Doch Dr. Matthias Tomschik, behandelnder Neurologe, hatte weitere, für diesen Zustand untypische Symptome gefunden: „Laboruntersuchungen ergaben erhöhte Entzündungswerte und Leberwerte; außerdem hatte der Patient Fieber. Das alles deutet auf eine Infektion hin“, wird Tomschik in der Mitteilung zitiert.

Fündig wurden die Experten schließlich mit einem PCR-Test, der Proben auf DNA-Ebene untersucht. Sie identifizierten ein bisher unbekanntes Leptospira interrogans-Bakterium. Zu den bisher insgesamt 147 verschiedenen bekannten Leptospira-Genotypen kommt nun ein neuer Stamm hinzu.

Studienautor Dr. Mateusz Markowicz: „Niemand würde bei einer Myasthenie an Leptospiren denken. Neurologische Symptome bei einer Leptospirose sind eine absolute Seltenheit. Dieser neu identifizierte Typ weicht von den klassischen Symptomen einer Leptospirose wie Fieber, Leberentzündungen oder Gelbsucht ab.“

Interessant sei auch, dass es sich um eine sehr seltene Form der Myasthenia gravis handelt, da Antikörper gegen das neuromuskuläre Protein Lrp4 gefunden wurden, heißt es in der Mitteilung. Dies sei der einzige bisher bekannte Fall in Österreich.

Der Patient wurde mit einer Antibiotika-Therapie und Acetylcholinesterasehemmern zur Behandlung der Lähmungssymptome erfolgreich therapiert. Die Ärzte vermuten, dass er sich bei einem Urlaub in Vietnam und Thailand infizierte: Der Patient berichtete, in engeren Kontakt mit Elefanten gekommen und unter Wasserfällen geschwommen zu sein. (eb / bae)

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