Rigorose Sparpolitik - darunter leidet Qualität der Schmerztherapie

BERLIN (gvg). Schmerzexperten warnen vor einer Verschlechterung der Schmerzversorgung in Deutschland. Es drohe derzeit eine ökonomisch motivierte Einengung der therapeutischen Möglichkeiten.

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Dr. Gerhard Müller-Schwefe von der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie sieht in gesundheitspolitischen Entwicklungen wie den Rabattverträgen der Krankenkassen oder den "Me too"-Listen einiger Kassenärztlicher Vereinigungen eine potenzielle Gefahr für eine qualitativ hochwertige Schmerzversorgung in Deutschland.

So sei der in einigen KV-Bezirken zu beobachtende Versuch, bei der Opiattherapie Morphin zum Verschreibungsstandard zu machen, problematisch, weil die Substanz unerwünschte Wirkungen habe, die andere Opiate nicht haben, und weil sie für den Arzt schwieriger zu handhaben sei als modernere Opiate.

Auch das Ersetzen von Originalpräparaten durch Generika wolle in der Schmerztherapie gut überlegt sein, so Müller-Schwefe. Denn der Bioverfügbarkeitskorridor von Generika liege zwischen achtzig und 125 Prozent des Originals. "Das ist ein Mittelwert, das heißt im Einzelfall kann die Bioverfügbarkeit um den Faktor zehn vom Original abweichen", so der Experte. Mit einer einfachen Eins-zu-eins-Umstellung sei es in diesen Fällen nicht getan.

Die erschwerte Schmerzversorgung durch gesundheitspolitische Weichenstellungen kommt zu einer Zeit, in der die Schmerzforschung zu neuen Ufern aufbricht und neue innovative Therapieansätze eingeführt werden oder sich am Horizont abzeichnen.

Zwei Beispiele wurden genannt: So habe die Einführung des Kalziumkanalmodulators Pregabalin die Behandlung neuropathischer Schmerzen verbessert: "Die Substanz ist effektiver als das verwandte Gabapentin, und wir als Ärzte sehen anders als bei Gabapentin innerhalb von zwei Tagen, ob sie wirkt oder nicht", sagte Müller-Schwefe.

Dass Pregabalin sicher nicht die letzte schmerztherapeutische Innovation war, machte Professor Ralf Baron von der Universitätsklinik Schleswig-Holstein aus Kiel klar. Er berichtete über die Entdeckung eines Natriumkanals, der Menschen bei einer bestimmten genetisch festgelegten Konfiguration schmerzunempfindlich, bei einer anderen dagegen außergewöhnlich schmerzsensibel macht.

Die erstere Variante dieses Kanals wurde unter anderem bei einer Familie pakistanischer Fakire nachgewiesen, die ihren Job nur deswegen ausüben können, weil sie so wenig Schmerzen empfinden.

"Mittlerweile gibt es Bemühungen, Medikamente zu entwickeln, die genau an diesem Kanal ansetzen", sagte Baron in Berlin.

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