Leitartikel

Senioren - Stiefkinder der Forschung

2030 wird knapp jeder Dritte in Deutschland über 65 Jahre alt sein - damit steigt die Zahl der Menschen mit mehreren chronischen Krankheiten. Doch in der Forschung wird diese Personengruppe kaum berücksichtigt.

Von Nicola Siegmund-Schultze Veröffentlicht:
Die Arzneitherapie bei älteren Menschen steht auf unsicherem Fundament.

Die Arzneitherapie bei älteren Menschen steht auf unsicherem Fundament.

© rainbow33 / fotolia.com

Die Frage, wie multimorbide Menschen mit ihren sich wandelnden Mustern von Krankheiten und Behandlungszielen optimal versorgt werden können, ist noch immer ein Stiefkind der Forschung, vor allem zur Hausarztversorgung.

Dies ändert sich langsam, wie bei einem Symposium in Frankfurt am Main anlässlich der Friedrich-Merz-Stiftungsgastprofessur der Gesundheitswissenschaftlerin Marjan van den Akker, Universität Maastricht, deutlich geworden ist.

Stehe bei Patienten mit Mehrfacherkrankungen im jüngeren Lebensalter häufig der Wunsch nach Symptomenkontrolle durch nicht-medikamentöse Behandlung im Vordergrund und das Ziel, Beruf und Familie zu vereinbaren, verschiebe sich in höherem Lebensalter die Balance der Therapieformen hin zu pharmakologischen Behandlungen.

Circa 40 Prozent der über 65-Jährigen nehmen regelmäßig mindestens fünf Arzneimittel ein. "Wir benötigen dringend mehr Anhaltspunkte aus der Forschung für die Frage, wie Erkrankungen in Abhängigkeit von der Lebensphase zu priorisieren sind und wie eine Nutzen-Risiko-Bewertung der Pharmakotherapie sinnvoll erfolgen kann", sagte van den Akker zur "Ärzte Zeitung".

Bei Polypharmazie müssten Wechselwirkungen von Arzneimitteln berücksichtigt werden, ebenso der Einfluss von Medikamenten auf andere therapiebedürftige Erkrankungen, so van den Akker.

Die Handicaps beginnen in der klinischen Entwicklung...

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Karlheinz Bayer

wieviele Senioren werden wir 2030 haben?


Das Beske-Institut hat uns etwas zu gaga gemacht mit seinen Phantasien, die es den Demographischen Blick in die Zukunft genannt hat.
Klar, es schadet nichts, sich Gedanken zu machen über die Wechselwirkungen von 5 und mehr Medikamenten. Aber es ist unseriöser Humbug, prognostizieren zu wollen, daß im Jahr 2030 ein Drittel der Deutschen 65 und älter sein wird.

2030 ist in 17 Jahren! Das ist nicht kurz, sondern fast eine ganze Generation weiter.
Ein Blick zurück:

1930 hat niemand ahnen können, daß wir uns 1947 (17 Jahre später) in einem Zustand nach einem katastrophalen Krieg befinden würden, der die ganze Alterspyramide zerstört hat.

Und weitere 17 Jahre, 1964, waren wir im Wirtschaftswunder, in einer Zeit, in der Deutschland wuchs - nicht durch mehr Kinder, sondern durch Millionen von Gastarbeitern.

In den nächsten 17 Jahren fand der Pillenknick statt, und am Ende dieser Zeit die Wiedervereinigung - beides hat Nachwuchs gekostet.

Heute erleben wir eine Massenflucht aus den arabischen Ländern und aus Ex-Jugoslawien. Kann einer sagen, wieviele der Flüchtlinge, die bei uns Heimat und Arbeit finden werden, im Jahr 2030 jünger oder älter als 65 sein werden?

Vielleicht tut die Forschung ganz gut daran, sich keine unnötigen Gedanken zu machen über eine eindeutig zu ferne Zukunft. Oder wenn, daß sie wenigstens keine voreiligen Schlüsse zieht.

Dr.Karlheinz Bayer, Bad Peterstal


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