Senkt Rotwein das Risiko für Kolon-Neoplasien?

LAS VEGAS (ob). Maßvoller Rotweinkonsum wirkt sich offenbar nicht nur auf Herz und Gefäße in protektiver Weise aus. Auch das Risiko für kolorektale Karzinome ist bei regelmäßigem Genuß dieses Rebensafts möglicherweise niedriger als bei Alkoholabstinenz.

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Diese Vermutung legen Ergebnisse einer neuen Studie nahe, die Dr. Joseph Anderson aus New York beim Kongreß des American College of Gastroenterology in Las Vegas vorgestellt hat. Seine Forschergruppe hat über 1700 Patienten, bei denen eine routinemäßige endoskopische Screening-Untersuchung zur Früherkennung kolorektaler Karzinome vorgenommen wurde, nach ihren Trinkgewohnheiten in drei Gruppen eingeteilt.

Die größte Gruppe (n = 1381) bekannte sich zur Alkoholabstinenz, 115 Patienten offenbarten sich als Weißwein- und 245 als Rotweintrinker mit einem Konsum von jeweils drei oder mehr Gläsern pro Woche.

Die Rate der bei der Untersuchung entdeckten kolorektalen Neoplasien betrug in der Gruppe mit Alkoholverzicht fast zehn Prozent. Bei den Weißweinkonsumenten war die Rate mit 8,8 Prozent fast ebenso hoch. Dagegen ergab die Untersuchung bei den Patienten mit regelmäßigen Rotweinkonsum nur in 3,4 Prozent der Fälle einen positiven Befund - was einer Reduktion der Neoplasie-Rate um 68 Prozent im Vergleich zu abstinenten Patienten gleichkommt.

Anderson vermutet, daß dieser Unterschied vor allem auf den in Rotwein in deutlich höherer Konzentration als in Weißwein enthaltenen Inhaltsstoff Resveratrol zurückzuführen sein könnte. Der Forscher geht trotz der positiven Daten nicht so weit, abstinenten Personen den moderaten Genuß von Rotwein zu empfehlen. Bei Personen, die schon Alkohol als Bier oder Schnaps konsumieren, hält er es aber für gerechtfertigt, von ärztlicher Seite einen Wechsel zum Rotwein vorzuschlagen.

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