Streckdefizit bei Kindern erregt Verdacht auf Osteochondrose

NEU-ISENBURG (ner). Streckdefizite des Ellenbogens bei Kindern und Jugendlichen - da kann eine Osteochondrosis dissecans die Ursache sein. Deswegen rät Dr. Horst Moll aus Leutkirch - auch bei Mädchen - zu einer bildgebenden Diagnostik bis hin zur Magnetresonanz-Tomographie und Ultraschall-Untersuchung.

Veröffentlicht:

Obwohl die Osteochondrosis dissecans bevorzugt bei Jungen und jungen Männern auftritt, kann sie auch bei Mädchen Grund für Ellenbogenbeschwerden sein, so Moll in der Zeitschrift "Manuelle Medizin" (44, 2006, 313). Er berichtet von einem zwölfjährigen Mädchen mit rezidivierenden Schmerzen im Bereich des rechten Ellenbogens, vor allem bei Belastung. Weder war aus der Anamnese ein vorangegangener Unfall bekannt, noch war die Patientin sportlich besonders aktiv. Das Mädchen konnte den Ellenbogen nicht komplett strecken. Über dem Capitulum humeri war ein Druckschmerz auslösbar.

Zysten am Capitulum humeri im Röntgen sind ein erster Hinweis

Im Röntgenbild fielen zystische Strukturveränderungen mit Sklerosesaum am Capitulum humeri auf. Die Magnetresonanz-Tomographie bestätigte dann den Verdacht auf Osteochondrosis dissecans. Acht Monate nach der ersten Vorstellung bei dem Orthopäden wurde ein freier Gelenkkörper aus dem Ellenbogengelenk entfernt und ein teilweise abgelöstes Knorpelstück wieder fixiert. Dennoch und trotz intensiver Krankengymnastik blieb das Streckdefizit von 15 Grad unverändert.

Zwei Jahre nach der Operation klagte das Mädchen erneut über Belastungsschmerzen im rechten Ellenbogen. Die MRT ergab einen 1,2 cm breiten und 0,5 cm tiefen Defekt im vorderen Gelenkflächen-Abschnitt. Weil in der Zwischenzeit die Beschwerden abgeklungen waren, ergaben sich daraus jedoch keine weiteren therapeutischen Konsequenzen.

Der Fall ist insofern typisch, als die Behandlung solcher Patienten meist langwierig ist und oft nicht zum gewünschten Erfolg führt. Wegen der meist geringgradigen Funktionsstörungen, die gut kompensiert werden können, so Moll, werde meist ausschließlich konservativ-symptomatisch behandelt. Die langfristige Prognose hänge im wesentlichen von der Größe des Korpel-Knochendefekts ab sowie vom Ausmaß der Gelenkinkongruenz.

Der Orthopäde empfiehlt, bei Streckdefiziten im Kindes- und Jugendalter von einer strukturellen Erkrankung des Bewegungsapparates auszugehen. Deshalb sei außer der konventionellen Röntgenaufnahme in zwei Ebenen durchaus auch eine MRT angezeigt. Besteht zusätzlich der Verdacht auf einen Gelenkerguß, sollte auch sonographisch untersucht werden.

Die Leitlinie zur Diagnostik und Therapie bei Osteochondrosis dissecans gibt es unter www.awmf-online.de



STICHWORT

Osteochondrosis dissecans

Die Osteochondrosis dissecans wird zu den aseptischen Knochennekrosen gezählt. Sie tritt vor allem im Wachstumsalter auf, bevorzugt an den Knie- und Ellenbogengelenken. Knorpel und subchondraler Knochen sind in einem umschriebenen Bereich nekrotisch. Es können sich freie Gelenkkörper bilden, die Einklemmungserscheinungen verursachen. Der pathogenetische Ablauf kann jederzeit zum Stillstand kommen. Die Ursache ist unklar. Diskutiert werden wiederholte Impulsbelastungen, etwa beim Sport. Über die Häufigkeit der Erkrankung gibt es keine gesicherten Angaben. Jungen und junge Männer sollen häufiger betroffen sein als Mädchen und Frauen. (ner)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Tablette, auf der GLP-1 steht

© THIBNH / Generated with AI / Stock.adobe.com

Neuer GLP-1-Rezeptoragonist

Orforglipron: Bekommt Semaglutid jetzt Konkurrenz?

Eine Frau mit drei Tabletten und einem Glas Wasser in der Hand.

© Hazal / stock.adobe.com

Umfrage

Nach Antidepressiva-Stopp: Fast die Hälfte mit deutlichen Symptomen

Ein Stempel mit der Aufschrift "Regress"

© Gina Sanders / stock.adobe.com |

Interview zum Vertragsarztrecht

Regress-Prävention: Wie Ärzte Formfehlern aus dem Weg gehen