Tests zur Geschlechtsbestimmung lösen Skepsis aus

KÖLN (iss). Ein genetischer Test zur Bestimmung des Geschlechts eines Fötus bereits in der achten Schwangerschaftswoche bereitet Frauenärzten und Psychologen Unbehagen. Die Folgen einer breiteren Nutzung eines solchen Verfahrens sind überhaupt noch nicht abzusehen, warnen sie.

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"Mit der Geschlechtsbestimmung ist allen anderen Selektionsmöglichkeiten Tür und Tor geöffnet", warnte Dr. Maria Beckermann, niedergelassene Gynäkologin und Psychotherapeutin aus Köln, bei einem Expertengespräch des Verbands Psychologischer Psychotherapeuten im Bundesverband der Deutschen Psychotherapeuten.

Seit Ende vergangenen Jahres bietet das Kölner Unternehmen PlasmaGen mit "gendertest" Schwangeren die Möglichkeit, mit Hilfe eines Bluttests bereits ab der achten Schwangerschaftswoche das Geschlecht des Ungeborenen zu erfahren. Da sich im Blut der Mutter auch DNA des ungeborenen Kindes befindet, lässt sich über den Nachweis von Y-Chromosomen nach Angaben des Unternehmens mit 99-prozentiger Sicherheit sagen, dass die Frau mindestens ein männliches Baby austrägt. Der Test, der zum Patent angemeldet ist, kostet 149 Euro.

Er kann ausschließlich über den Gynäkologen abgewickelt werden, betonte Vorstand Daniel Inderbiethen. "Keine Patientin bekommt die Ergebnisse direkt von uns, das geht nur über den Frauenarzt." Für seine Leistungen erhält der Arzt 36,18 Euro pro Test.

Der Arzt soll der Schwangeren das Ergebnis erst in der zwölften Woche post conceptionem mitteilen. So solle verhindert werden, dass die Frauen das Ergebnis als Anlass für eine Abtreibung nutzen. Gründe für den Kauf des Tests seien Neugier und der Wunsch, so früh wie möglich so viel wie möglich über das ungeborene Kind zu erfahren.

Durch die Ultraschalluntersuchungen könnten die Frauen schon wenige Wochen später das Geschlecht beim Frauenarzt erfahren, sagte Beckermann. "Warum soll ich so früh einen Test machen, wenn nicht, um Selektion zu betreiben?" "Es besteht die Gefahr, dass Frauen irgendwann glauben, sie müssten das machen", sagte Anne Koj von ProFamilia Köln. Sie sieht ein besonderes Problem in der Abwicklung des Tests über den Frauenarzt. Das würde ihm eine breitere Akzeptanz verschaffen.

"Wenn es über den Arzt meines Vertrauens läuft, bekomme ich einen ganz anderen Bezug dazu", so Koj. Auch Arif Ünal, Leiter des Kölner Gesundheitszentrums für Migranten, findet "gendertest" bedenklich. Er berate Familien, die sechs Töchter haben und als jüngstes Kind einen Sohn. "Hätte es den Test schon gegeben, dann hätten wir die Mädchen vielleicht nicht", gab Ünal zu bedenken.

Weitere Informationen unter: www.maedchenoderjunge.de

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Selektion muss vermieden werden

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