Zecken-Fleckfieber und Co

Tropenzecken bergen neue Krankheitsrisiken

Eingeschleppte Tropenzecken bergen ein theoretisches Risiko, die Erreger des Zecken-Fleckfiebers zu übertragen. Das hat eine Analyse von über 3500 Spinnentieren aus Deutschland ergeben. Weitere tropische Erreger wurden aber in diesen Zecken nicht gefunden.

Von Wolfgang Geissel Veröffentlicht: 18.02.2020, 13:23 Uhr
Die tropische Hyalomma-Zecke (links) ist bis zu dreimal so groß wie der Holzbock (Weibchen rechts, Männchen unten).

Die tropische Hyalomma-Zecke (links) ist bis zu dreimal so groß wie der Holzbock (Weibchen rechts, Männchen unten).

© ©Uni Hohenheim/Marco Drehman

Stuttgart. Von eingeschleppten exotischen Zecken in Deutschland sind die Erreger des Zecken-Fleckfiebers (Rickettsien) isoliert worden, berichtet die Uni Hohenheim in einer Mitteilung.

Professor Ute Mackenstedt vom Fachgebiet Parasitologie der Universität hatte unter 3500 bundesweit eingesandten Spinnentiere auch Exemplare der tropischen Hyalomma-Zecken gefunden. Von 41 Tieren aus den Einsendungen und damit aus etwa jeder dritten Zecke dieser Gattung seien Rickettsien isoliert worden.

Hyalomma-Zecken mögen Pferde

Vor allem Pferdebesitzer hätten Exemplare der fast einen Zentimeter großen Zecke eingeschickt, berichtet Mackenstedt: „Normalerweise befällt die Hyalomma-Zecke gerne große Säugetiere wie Pferde oder Rinder. Aber es ist eben nicht ausgeschlossen, dass sie auch Menschen befällt und somit diese tropischen Erreger überträgt“, so die Parasitologin in der Mitteilung.

Auch auf weitere typische Krankheitserreger hatten die Forscher in Hohenheim die Zecken untersucht, und zwar in Kooperation mit dem Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr und der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Dabei war auf Erreger des „Krim-Kongo Hämorrhagischen Fiebers“ getestet worden.

Ebenso hatten die Forscher das „Arabische Hämorrhagische Fieber“ im Visier. Diese Form des Zecken-Fleckfiebers wird ausgelöst durch Rickettsia aeschlimannii und Piroplasmen (Babesia spp. und Theileria spp.). Für beide Erkrankungen geben die Forscher aber Entwarnung.

Braune Hundezecke meist ärgerlich

Ein gewisses Infektionsrisiko geht auch durch die ebenfalls nach Deutschland eingeschleppten Hundezecken aus. „Anders als unser heimischer Gemeiner Holzbock kann die Braune Hundezecke auch in Wohnungen überleben. Ist dann noch ein Hund vor Ort, kann sie schnell zur Plage werden“, so die Expertin.

Ein Holzbockweibchen lege bis zu 4000 Eier. Innerhalb kurzer Zeit entwickelten sich daraus mehrere tausend Zecken. Obwohl der Hund ihr bevorzugter Wirt ist, würden auch gelegentlich Menschen gestochen. Eingeschleppte Hundezecken könnten dabei auch Krankheitserreger wie Rickettsien als Auslöser des Mittelmeerfleckfiebers übertragen.

Mackenstedt betont zudem in der Mitteilung: Ein Wohnungsbefall durch die Hundezecke ist unschön und mehr als ärgerlich. Es gebe aber viele Wege, die Zeckenplage loszuwerden und die Expertin aus Stuttgart bietet dazu auch ihre Beratung an.

Professor Mackenstedt bittet darum, verdächtige Zecken weiter zu melden. Informationen gibt es online unter zecken.uni-hohenheim.de.

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