MRT-Studie

Unbemerkter Herzinfarkt bei vielen Diabetikern

Rund jeder fünfte Diabetiker zeigt im MRT Zeichen eines bislang nicht entdeckten Herzinfarkts. Das geht laut einer US-Studie mit einer schlechten Prognose einher: Bei ihnen sind die Sterbe- und Infarktrate deutlich erhöht.

Von Thomas Müller Veröffentlicht: 28.05.2019, 05:01 Uhr
Unbemerkter Herzinfarkt bei vielen Diabetikern

Insgesamt fanden die Ärzte bei 19 Prozent aller Patienten Infarktnarben in der Bildgebung; 28 Prozent der Typ-1- und 13 Prozent der Typ-2-Diabetiker wiesen Zeichen eines unerkannten Herzinfarktes auf.

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Das Wichtigste in Kürze

Frage: Welche Auswirkungen hat ein bislang unentdeckter Herzinfarkt auf die Prognose von Diabetikern?

Antwort: Die Sterbe- und Herzinfarktrate ist rund achtfach erhöht, wenn sich ein bislang unentdeckter Infarkt nachweisen lässt.

Bedeutung: MRT-Verfahren können dazu beitragen, die Prognose besser abzuschätzen.

Einschränkung: Kleine Studie mit geringer Ereignisrate.

DURHAM. Immer wieder wird diskutiert, ob Ärzte kardial unauffällige Diabetiker per Bildgebung auf Zeichen einer KHK untersuchen sollen.

Bislang sprechen sich die Leitlinien in der Regel gegen ein solches Screening bei asymptomatischen Patienten aus.

Ärzte um Dr. Michael Elliott von der Duke University in Durham kommen anhand einer prospektiven Untersuchung jedoch zu dem Schluss, dass jeder fünfte Diabetiker bei einer MRT-Untersuchung Zeichen eines bislang nicht erkannten Herzinfarkts aufweist. Und dieser Befund hat dramatische Auswirkungen auf die Prognose: So treten symptomatische Infarkte oder Sterbefälle bei solchen Patienten um ein Vielfaches häufiger auf als bei Diabetikern ohne Hinweise auf eine KHK (Diabetes Care 2019 Apr; dc182266.).

Studie mit Typ-1-, und Typ-2-Diabetikern

Für die Studie konnten die Ärzte um Elliott 50 Typ-1-Diabetiker sowie 70 Typ-2-Diabetiker gewinnen. Alle Patienten waren bislang kardial asymptomatisch und noch nicht durch Herzerkrankungen aufgefallen.

Die Typ-1-Patienten hatten alle eine fortgeschrittene Niereninsuffizienz (Stadium 4 oder 5) und dadurch ein deutlich erhöhtes Risiko für kardiale Ereignisse, die Typ-2-Diabetiker zeigten ein für diese Gruppe durchschnittliches kardiovaskuläres Risiko.

Im Schnitt waren die Typ-1-Diabetiker 40 Jahre alt, seit 26 Jahren erkrankt und zu 100 Prozent hyperton. 38 Prozent rauchten, knapp die Hälfte hatte zu viel Cholesterin im Blut, und der Framingham-Score betrug 8,0 Punkte.

Die Typ-2-Diabetiker waren mit 60 Jahren im Mittel deutlich älter, rauchten seltener (11 Prozent), hatten zu zwei Drittel erhöhte Lipidwerte und einen Framingham-Score von 13,0 Punkten.

Die Untersuchung zum Nachweis von Infarktnarben erfolgte mit einem speziellen MRT-Verfahren (delayed-enhancement MRI, DE-MRI): Die Patienten wurden zehn bis 10–15 Minuten nach I.v.-Injektion von Gadoteridol oder Gadoversetamid als Kontrastmittel einem kardialen MRT unterzogen.

19 Prozent mit Infarktnarben

Insgesamt fanden die Ärzte bei 19 Prozent aller Patienten Infarktnarben in der Bildgebung; 28 Prozent der Typ-1- und 13 Prozent der Typ-2-Diabetiker wiesen Zeichen eines unerkannten Herzinfarktes auf.

Dagegen deuteten EKG-Untersuchungen nur bei 5 Prozent der Patienten auf einen vergangenen Infarkt, davon zeigten sich aber nur bei einem Patienten Spuren im MRT, was für eine recht geringe Sensitivität und Spezifität des EKGs spricht, schreiben die Ärzte um Elliott.

Wie zu erwarten war die Größe der unerkannten Infarkte recht gering und bezog im Schnitt nur rund 5 Prozent des linken Ventrikels mit ein, was sich letztlich nicht auf das Auswurfvolumen auswirkte.

Von den 23 Patienten mit Infarktnarben unterzogen sich zwölf einer Koronarangiografie, wobei die Ärzte bei elf von ihnen eine KHK feststellten (Stenosen von mindestens 70 Prozent).

Auch 23 Patienten ohne Infarktnarben ließen sich per Koronarangiografie untersuchen, nur bei sechs von ihnen diagnostizierten die Ärzte eine KHK.

Achtfach erhöhte Rate für Tod oder Herzinfarkt

Die Patienten wurden im Median knapp vier Jahre nachuntersucht. In dieser Zeit starben zwölf von ihnen, sieben überlebten einen Herzinfarkt. Insgesamt betrug die jährliche Rate von Tod oder Herzinfarkt 5,3 Prozentunter den Typ-1- und 2,9 Prozent unter den Typ-2-Diabetikern.

Bei 10 von 19 der Patienten (44 Prozent) mit Tod oder Herzinfarkt hatten die Ärzte zuvor in der Bildgebung einen bislang unerkannten Herzinfarkt aufgespürt, was sich in eine jährliche Ereignisrate von 16,0 Prozent pro Jahr übersetzt. Dagegen war diese Rate bei Patienten ohne unerkannten Infarkt mit 1,8 Prozent nur ein Achtel so hoch.

Auch wenn die Ärzte Faktoren wie Alter, Geschlecht, Framingham-Score und Begleiterkrankungen berücksichtigten, änderte sich an dem Verhältnis nur wenig – Diabetiker mit einem bislang unerkannten Herzinfarkt haben nach diesen Daten ein rund achtfach erhöhtes Sterbe- und Herzinfarktrisiko im Vergleich zu solchen ohne unerkannten Infarkt.

Zudem ist die Prognose von Typ-2- und Typ-1-Hochrisikopatienten vergleichbar ungünstig, wenn die Bildgebung einen bislang unerkannten Infarkt nachweist.

Die DE-MRI könne daher Aussagen zur Prognose stark verbessern, schreiben die Studienautoren. Zu beachten ist jedoch die geringe Zahl von Patienten und Ereignissen, was die Schlussfolgerungen limitiert.

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