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WHO: Tabakfirmen zielen auf junge Konsumenten

GENF/BERLIN (dpa). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat zum Weltnichtrauchertag am vergangenen Samstag die Tabakkonzerne scharf angegriffen. "Die Tabakindustrie verwendet raubtierartige Marketing-Strategien, um junge Menschen süchtig zu machen", sagte der Direktor der WHO-Initiative gegen Tabak, Douglas Bettcher.

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WHO-Generaldirektorin Margaret Chan kritisierte, die Zigarettenindustrie spinne ein "komplexes Tabak-Marketing-Netz, das Millionen junger Menschen weltweit umgarnt", um sterbende oder ihrer Sucht entsagende Raucher durch neue, junge Konsumenten zu ersetzen. Die meisten Raucher fangen mit dem Tabakkonsum vor dem 18. Lebensjahr an, fast ein Viertel vor dem 10. Jahr.

Die meisten Raucher fangen bereits als Minderjährige an.

Die oberste Gesundheitsschützerin der Vereinten Nationen bekräftigte die WHO-Forderung nach einem umfassenden Werbeverbot für Tabakprodukte. Umfassende Werbeverbote würden den Tabakkonsum nach Erfahrungen in verschiedenen Ländern um bis zu 16 Prozent drücken, ergänzte Bettcher.

"Halbherzige Maßnahmen reichen jedoch nicht." Wenn eine Form der Werbung verboten werde, konzentriere sich die Tabakindustrie auf eine andere Form. Vor allem in den Entwicklungsländern, wo 80 Prozent der Jugendlichen weltweit lebten, würden die Zigarettenfirmen aggressiv junge Menschen umwerben, insbesondere Mädchen. Auch der Präsident der Bundesärztekammer, Professor Jörg-D. Hoppe, verlangte, Zigarettenwerbung aus dem Straßenbild, aus Kinos und Zeitschriften zu verbannen, um Kinder und Jugendliche gar nicht erst zu verführen.

Die deutsche Bundesregierung zog unterdessen eine positive Bilanz der Kampagne "Rauchfrei 2008". Etwa 27 200 Raucher hätten zum Start vor einem Monat zeitgleich aufgehört, berichtete die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) in Berlin.

Bätzing zeigte sich zuversichtlich über die Wirkung der jüngsten Rauchverbote in der Gastronomie. Nach Inkrafttreten hätten 15 Prozent der Raucher aufgehört und 16 Prozent ihr Rauchen eingeschränkt, sagte sie unter Berufung auf eine Forsa-Umfrage. Die Gastronomie habe im ersten Quartal eine positive Umsatzentwicklung verzeichnet. Der Ärzteverband Marburger Bund forderte einen bundeseinheitlichen Nichtraucherschutz. "Gesundheitsschutz muss sich am Menschen und nicht an Landesgrenzen orientieren", sagte der Vorsitzende Rudolf Henke.

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