Welche antiischämische Therapie bei wem?

Die Zeiten, in denen Ärzte für die antiischämische Therapie nur Nitrate und Betablocker zur Verfügung hatten, sind vorbei. Ivabradin und Ranolazin ergänzen heute das Spektrum. Nur: Was ist gut für wen?

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:

BERLIN. Für Patienten mit ischämischer Herzerkrankung haben sich die Möglichkeiten der antiischämischen Therapie durch die Einführung von Ivabradin und Ranolazin verbessert. Nun sind Ratschläge zur Differenzialtherapie willkommen. Solche hat es kürzlich beim Praxis Update in Berlin gegeben.

Ein Kardiologe beurteilt die Leistungsfähigkeit eines Patienten beim Fahrradergometer-Test. © Friedrich Stark / imago

Ein Kardiologe beurteilt die Leistungsfähigkeit eines Patienten beim Fahrradergometer-Test. © Friedrich Stark / imago

© Friedrich Stark / imago

Professor Carsten Tschöpe von der Charité Berlin am Campus Benjamin Franklin riet dazu, bei der Auswahl des Antianginosums sowohl die Datenlage als auch die individuellen Patientencharakteristika zu beachten. Die erste Wahl bleibt für ihn eine Aufdosierung des Betablockers. "Aus dem Spektrum der unmittelbar antianginös wirksamen Medikamente gibt es nur für Betablocker gute Daten für eine Verringerung der KHK-Mortalität", so Tschöpe.

Für Patienten, die trotz optimaler Betablocker-Dosierung weiterhin Beschwerden haben oder für Patienten, die eine höhere Betablocker-Dosierung nicht tolerieren, könne der If-Kanal-Blocker Ivabradin eine gute Option sein, sofern die Herzfrequenz trotz Betablocker oberhalb von 70 Schlägen pro Minute liege. Der Effekt von Ivabradin - es dämpft den Sinusknoten - könnte bei diesen Patienten mit höherer Herzfrequenz sogar über den symptomatischen Effekt hinausgehen: "Für diese Subpopulation zeigte sich in der BEAUTIFUL-Studie eine Verringerung kardiovaskulärer Ereignisse um 36 Prozent", sagte der Berliner Experte.

Ist die Herzfrequenz gut reguliert oder schon sehr niedrig, sind Nitrate und Ranolazin gute Optionen. Bei der Entscheidung könne unter anderem ein Blick auf den Blutdruck helfen, so Tschöpe. Ist der Druck erhöht, spricht wenig gegen die seit vielen Jahren bewährte Therapie mit Nitraten. "Hier sollte allerdings zunächst einmal ein Spray eingesetzt werden", so Tschöpe. Das orale Schema mit kurzwirksamen Nitraten am Tag und einem langwirksamen Nitrat zur Nacht ist für ihn eine Strategie, die eher bei therapierefraktären Patienten angesiedelt sein sollte.

Ist der Blutdruck dagegen normal oder niedrig, dann können Nitrate problematisch werden. "Hier ist Ranolazin eine sehr gute Option, weil es weder den Blutdruck noch die Herzfrequenz beeinflusst", so Tschöpe. Für Ranolazin spreche auch, dass es im Myokard genau da wirkt, wo die Ischämie ist und nirgends sonst. Die Substanz hemmt den langsamen Natrium-Einstrom in die Herzmuskelzelle und reduziert so in ischämischen Kardiomyozyten den intrazellulären Kalziumgehalt.

Lesen Sie auch: Frühzeitig Arthrose - hier lohnt der Blick auf Ferritin Neue Hinweise auf Nierenschutz durch Sartantherapie Mikroalbuminurie: Diagnostik auch ohne Sammeln Bei Patienten mit Herzinsuffizienz: Sartan-Dosis rauf! Polymyalgia rheumatica: 15 mg Prednisolon Bei einer Nierenarterienstenose: Stabile Patienten in Ruhe lassen! Was bringt die Chirurgie der Nasennebenhöhle? Koronar-Kontrolle ist kein Muss

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Systematisches Review mit Metaanalyse

Psychische Probleme wohl mit akutem Koronarsyndrom assoziiert

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Herzinsuffizienz

HFrEF-Therapie: So sieht die optimale Therapie (derzeit) aus

Weltkrebstag 2026

Was es für die optimale Krebsversorgung auf dem Land braucht

Leopoldina

Adipositas-Epidemie: Diese Strategien braucht es jetzt

Lesetipps
Älterer Mann fasst sich an die linke Brust, Herzschmerzen

© iammotos / stock.adobe.com

Herzinsuffizienz

HFrEF-Therapie: So sieht die optimale Therapie (derzeit) aus

Vernetzte Menschen

© SMART.art / stock.adobe.com

Weltkrebstag 2026

Was es für die optimale Krebsversorgung auf dem Land braucht