Medizinische Hochschule Hannover

Digitales Alarmsystem für die Kinder-Intensivmedizin

Die Medizinische Hochschule Hannover führt in einer Live-Anwendung Vital- und Laborwerte direkt am Krankenbett zusammen. Das Tool liefert Hinweise, ob der Zustand eines Patienten lebensbedrohlich ist.

Von Kathrin HandschuhKathrin Handschuh Veröffentlicht:
Wie krank ist das Kind wirklich? Ein digitales Tool unterstützt Kinderärzte bei der Entscheidungsfindung.

Wie krank ist das Kind wirklich? Ein digitales Tool unterstützt Kinderärzte bei der Entscheidungsfindung.

© Tobilander/stock.adobe.com

Hannover. In der pädiatrischen Intensivmedizin stehen Ärzte häufig vor dem Problem, dass die Erkrankungen mitunter schwierig zu erkennen sind und zudem – je nach Alter und Geschlecht – unterschiedlich verlaufen. Unterstützung soll nun ein digitales Alarmsystem liefern.

Das „Lernende und Interoperable, Smarte Expertensystem für die pädiatrische Intensivmedizin (ELISE)“ wird derzeit unter der Leitung von Dr. Thomas Jack, Oberarzt an der Klinik für Pädiatrische Kardiologie und Intensivmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) erprobt.

Ziel sei, Konzepte für ein digitales Entscheidungsunterstützungssystem zu entwickeln, das die für die Behandlung wichtigen Vital- und Laborwerte direkt am Patientenbett zusammenführt, analysiert und bei Bedarf sofort Alarm schlägt, heißt es in einer Mitteilung der MHH. Das Projekt wird vom Bundesgesundheitsministerium über drei Jahre mit mehr als zwei Millionen Euro gefördert.

Daten von 5000 Patienten als Basis

Schon jetzt helfe Medizininformatik bei der Dokumentation von Patientendaten, heißt es. Das Patientendatenmanagementsystem (PDMS) sammle die erfassten Vitalparameter wie Blutdruck, Herzfrequenz oder Körpertemperatur, speichere Laborwerte, Medikamentengaben oder Diagnosen und mache sie jederzeit verfügbar.

„Das PDMS ist allerdings nicht in der Lage, diese Werte zu interpretieren und so kritische Situationen zu erkennen“, sagt Dr. Jack. Das soll nun mit Hilfe von ELISE für die Diagnose von schweren Organstörungen und damit verbundenem schwerer Kreislaufversagen möglich werden – ein Problem, das laut Mitteilung unter anderem häufig nach einer Operation auftritt.

In einem ersten Schritt wird ELISE mit den Daten von 5000 Patienten gefüttert, die in den vergangenen Jahren in der Kinderintensivstation der MHH behandelt wurden. Gleichzeitig suchen die Wissenschaftler in den vorhandenen Daten nach wiederkehrenden Mustern, um das digitale Unterstützungssystem gezielt zu trainieren. So soll ELISE lernen und schließlich selbst die Kriterien für ein drohendes Organversagen in Echtzeit erkennen und sofort melden.

Medizinische Entscheidungen tifft der Arzt

Funktioniere das System und werde es zugelassen, sei der Weg frei für eine Live-Anwendung neben jedem Patientenbett, die Ärzte und Pflegekräfte entlasten soll. „Ein Computer kennt keinen Stress und hat immer Zeit, Daten auszuwerten“, sagt Jack. Medizinische Entscheidungen treffe aber nicht das System, sondern der Mensch, betont der Mediziner.

„ELISE ist nur eine Art Co-Pilot, der als digitaler Weggefährte Ärzte und Pflegekräfte vom Zwang der Daten-Dauerkontrolle befreit und gewährleistet, dass lebensbedrohliche Entwicklungen sofort erkannt und somit rechtzeitig behandelt werden können.“

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