Update zur Weltseuchenlage

Erregerverbreitung: SARS-CoV-2 ist nicht allein

So rasant wie das neue Coronavirus hat sich wohl selten ein Erreger auf der Welt verbreitet. Doch es ist längst nicht der einzige.

Von Anne Bäurle Veröffentlicht: 03.06.2020, 12:27 Uhr
Erregerverbreitung: SARS-CoV-2 ist nicht allein

Das neue Coronavirus hat in etwa einem halben Jahr fast jedes Land der Erde erreicht.

© denisismagilov / stock.adobe.com

Die Corona-Pandemie führt der ganzen Welt derzeit vor Augen, wie schnell sich neue Erreger verbreiten können: In etwa einem halben Jahr hat SARS-CoV-2 so gut wie jedes Land der Erde erreicht. Die aktuelle Weltseuchenlage im Blick zu behalten, lohnt sich daher mehr denn je.

Ein massives globales Problem ist in der Reisemedizin immer wieder das Aufflackern von Masern-Infektionen. So sei es zwar ein toller Erfolg gewesen, als Nord-, Mittel- und Südamerika 2016 als Masern-frei deklariert wurden, sagte Professor Martin Haditsch vom TravelMedCenter Leonding in Österreich. Doch schon 2019 habe es in den USA bereits wieder 1282 Masernfälle gegeben.

„Und auch in Europa gibt es zigtausende Fälle. Positiv hervorzuheben ist aber, dass der Ausbruch in Serbien mittlerweile beendet ist.“ In allen drei Ländern mit den höchsten Masernzahlen in der EU – Frankreich, Italien und Bulgarien – gibt es eine Masern-Impfpflicht. „Ich hoffe nicht, dass das ein schlechtes Omen für Deutschland ist.“ Denn auch Deutschland „bekleckert sich bei dieser impfpräventablen Erkrankung nicht mit Ruhm“, betonte der Reisemediziner beim 21. Forum Reisen und Gesundheit.

Weniger Infektionen im Men-Gürtel

Positives hatte Haditsch vom afrikanischen Meningokokken-Gürtel zu berichten, dort seien die Infektionszahlen um eine Zehnerpotenz zurückgegangen. Allerdings gebe es aufgrund der Impfung eine relative Zunahme von MenW-Infektionen, daher sei die tetravalente Men ACWY-Impfung hier grundsätzlich angebracht. Diese biete zudem einen gewissen Schutz für andere, da die Meningokokken-Besiedelung im Rachen reduziert werde. Weiterhin hoch sei in der Region die Zahl der Pneumokokken-Infektionen, weshalb Reisenden und besonders auch Auslandsstudenten zur Pneumokokken-Impfung geraten werden sollte. Beide Impfstoffe sind aufgrund der Corona-Pandemie in Deutschland derzeit allerdings nur eingeschränkt verfügbar und sollen prioritär an Risikogruppen verimpft werden.

Haditsch berichtete weiterhin von einem andauernden Hepatitis E-Ausbruch in Namibia. Hier sei es wichtig zu wissen, dass ein Subtyp zirkuliere, der auch Schwangere betreffen könne.

Massiver Anstieg „traditioneller“ STI

Grundsätzlich seien zunehmend sexuell übertragbare Krankheiten (STI) ein „heißes“ Thema in der Reisemedizin. „Es ist eine Tragödie: In den vergangenen Jahren gab es einen massiven Anstieg der ‚traditionellen STI‘ auch in Industrieländern, und hier besonders von Syphilis und Tripper, aber auch von Chlamydien, Gonorrhö und Hepatitis A“, berichtete Haditsch. Als Beispiel nannte der Reisemediziner Japan, wo sich die Zahl der Syphilis-Neuinfektionen von 2014 bis 2017 verdreifacht hat. Für Haditsch ist die Entschärfung des HIV-Problems ein Grund dafür: „Eine HIV-Infektion ist keine lebensbedrohliche Erkrankung mehr, sondern ein chronisches Zustandsbild, deshalb werden die Menschen freizügiger.“

Auch in Deutschland breiten sich Krankheitserreger aus: 2019 wurde die erste durch Mücken übertragene West-Nil-Virus (WNV)-Infektion in Deutschland gemeldet. In Folge wurden noch weitere Fälle bekannt, Experten rechnen sogar mit Hunderten weiteren unerkannten Infektionen.

Das RKI geht davon aus, dass sich das WNV in Deutschland etabliert und es in den kommenden Jahren zu weiteren Erkrankungsfällen bei Menschen kommt. Bei unklaren Enzephalitiden sollten Ärzte daher auch Infektionen mit WNV in Betracht ziehen.

Haditsch erinnerte, die europaweite Ausbreitung des Virus habe Auswirkungen auf das Blutspendewesen gehabt: So müssen Personen, die sich von Juni bis November an wenigstens zwei aufeinanderfolgenden Tagen in WNV-Endemiegebieten (darunter Gebiete in Österreich und Italien!) aufgehalten haben, vier Wochen von der Spende zurückgestellt werden.

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