Corona-Splitter der KW 17/2021

Krebskranke brauchen offenbar frühe zweite COVID-19-Impfdosis

Wegen oft unzureichender Immunreaktion nach der ersten COVID-Impfung sprechen sich Onkologen bei Krebspatienten für eine zweite Dosis schon nach drei Wochen aus. Und: Mit dem BMI wächst das Risiko für schwere COVID-Verläufe.

Von Anne BäurleAnne Bäurle und Wolfgang GeisselWolfgang Geissel und Marco MrusekMarco Mrusek Veröffentlicht:
Nach der ersten Comirnaty-Dosis waren Antikörper bei 48 Prozent der Krebspatienten nachweisbar, nach der zweiten Dosis waren es 95 Prozent.

Nach der ersten Comirnaty-Dosis waren Antikörper bei 48 Prozent der Krebspatienten nachweisbar, nach der zweiten Dosis waren es 95 Prozent.

© Vadi Fuoco/stock.adobe.com

Update vom 30. April

Krebskranke sollten möglichst binnen drei Wochen nach der ersten COVID-Impfung mit Comirnaty® die zweite Dosis bekommen. Dafür sprechen Studien aus Frankreich und Großbritannien. Forscher von der Polyklinik Saint Jean bei Nizza haben bei 112 Patienten mit soliden Tumoren unter Krebstherapie sowie bei 30 gesunden Menschen jeweils drei bis vier Wochen nach der ersten und der zweiten Impfdosis die Konzentration der induzierten Antikörper bestimmt. Nach der ersten Dosis waren solche Antikörper bei 48 Prozent der Krebspatienten nachweisbar, nach der zweiten Dosis waren es 95 Prozent. Bei allen gesunden Menschen wurde eine solche Serokonversion bereits nach der ersten Dosis erzielt. Ähnliche Ergebnisse gab es in einer britischen Studie vom Francis Crick Institute in London. Für einen verbesserten Impfschutz bei Krebs schlagen die Ärzte dort ein Intervall von maximal drei Wochen zwischen der ersten und der zweiten Impfdosis vor (statt bis zu zwölf Wochen). Außer einem hämatologischen Tumor scheint nach dieser Studie eine systemische Krebstherapie in zeitlicher Nähe zur Impfung besonders ungünstig zu sein, vor allem eine Behandlung mit Checkpointhemmern plus Chemotherapie sowie mit Steroiden (Ann Oncol 2021; online 28. April und Lancet Oncol 2021; online 27. April). (mut)

Mit dem BMI steigt bei Erwachsenen auch das Risiko für einen schweren COVID-Verlauf. Das hat eine britische Analyse der Registerdaten von 6,9 Millionen Engländern und über 20.000 COVID-Patienten aus der ersten Pandemiewelle ergeben. Mit den Erkrankungen verbunden waren 13.503 stationäre Aufnahmen, 1601 Verlegungen auf die Intensivstation (ICU) und 5479 Todesfälle. Alter war in der Studie der dominierende Riskofaktor: Die weitaus meisten schweren Verläufe trafen Menschen über 60 (72 Prozent der Klinikeinweisungen, 56 Prozent der ICU-Verlegungen und 93 Prozent der Todesfälle). In viel geringerem Maß, jedoch als unabhängiger Risikofaktor wuchs das Risiko für solche schweren Verläufe aber auch mit dem BMI, und zwar von 0,1 Prozent mit zunehmendem Normalgewicht (ab BMI 23) auf 0,2 Prozent bei Übergewicht (BMI 25-30) und 0,3 Prozent bei Adipositas (BMI ab 30). Die Risikosteigerung durch höheres Gewicht war besonders ausgeprägt bei Menschen mit schwarzer Hautfarbe sowie bei der jüngsten untersuchten Gruppe (20-40-Jährige) (Lancet Diab & Endocrinol 2021; online 28. April).

Update vom 29. April

Die mRNA-Impfstoffe verhindern zu 94 Prozent Klinikeinweisungen von Senioren, berichtet die US-Seuchenbehörde CDC. Ergebnisse aus klinischen Studien zu den Vakzinen von BioNTech/Pfizer und Moderna bestätigen sich somit in der realen Welt. Analysiert wurden Daten von 187 COVID-Patienten ab 65 Jahren. Diese waren zwischen Januar und März stationär behandelt worden. Nach den Daten bestand bereits zwei Wochen nach der ersten Dosis ein Schutz von 64 Prozent. Die Ergebnisse belegten aber auch, dass die Schutzwirkung erst zwei Wochen nach der ersten Dosis besteht, und in dieser Zeit noch ein hohes Risiko für eine schwere Erkrankung vorliegt, warnt die CDC (MMWR 2021; online 28. April).

Schon eine COVID-Impfdosis reduziert das Risiko für Transmissionen von SARS-CoV-2 im Haushalt um 38 bis 49 Prozent. Das hat eine vorläufige, noch nicht begutachtete Analyse des Public Health England (PHE) zu den Impfstoffen Comirnaty® und Vaxzevria® ergeben. In der Studie waren 57.000 Kontakte von Impflingen in 24.000 Haushalten mit Fällen laborbestätigter COVID-19 mit fast einer Million Kontakten von Ungeimpften verglichen worden. Dabei wurde bei Geimpften und Ungeimpften die Wahrscheinlichkeit für eine mögliche Weitergabe des Virus untersucht. Bei den Impflingen ergab sich – unabhängig vom Alter – 14 Tage nach einer Dosis ein COVID-Schutz von 60 bis 65 Prozent (PHE-Meldung vom 26. April mit Link zur Studie).

Update vom 28. April

Neugeborene mit SARS-CoV-2-Kontakt über die Mutter haben ein hohes Risiko für Komplikationen. In einer Studie aus den USA wurde der Gesundheitszustand von 255 Neugeborenen infizierter Mütter analysiert. Die Mütter waren 14 Tage bis 72 Stunden vor Geburt positiv getestet worden. Lediglich 2,2 Prozent der Kinder hatten sich bei der Geburt mit SARS-CoV-2 infiziert. Die Ergebnisse zeigen allerdings auch, dass sich die Corona-Infektion der Mutter deutlich auf den Gesundheitszustand des Kindes auswirkt: 19,2 Prozent der Neugeborenen mussten wiederbelebt werden, 24,3 Prozent kamen mit einem geringen Geburtsgewicht (<2500 g), oder vor der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt. Vier Neugeborene (1,6 Prozent) hatten eine Enzephalopathie, eins von ihnen starb. Alle vier waren negativ auf SARS-CoV-2 getestet worden und die Mütter hatten nur milde COVID-19-Symptome. In der Gesamtschau zeigte sich, dass die Neugeborenen ein höheres Risiko für Komplikationen haben, wenn sich die COVID-19-Erkrankung der Mutter so stark verschlechterte, dass eine Einleitung der Geburt oder ein Kaiserschnitt indiziert war (JAMA Netw Open 2021; online 23. April).

Update vom 27. April

Junge Männer haben nach asymptomatischer SARS-CoV-Infektion offenbar ein höheres Risiko für einen akuten ischämischen Schlaganfall (AIS). Ärzte aus Singapur haben eine Fallserie von 18 Betroffenen im Alter von 35 bis 50 Jahre vorgestellt. Alle waren Gastarbeiter aus Indien und Bangladesch und in Wohnheimen untergebracht. Bei allen war ein SARS-CoV-2-Antikörpertest positiv gewesen, keiner hatte COVID-19-Symptome gehabt. Binnen 0 bis 130 Tagen (Median: 54) nach dem Test erlitten sie einen AIS, zehn davon mit Verschluss eines großen Gefäßes. Nur bei drei Patienten war der Embolus wahrscheinlich kardialen Ursprungs. Mit den Daten wurde in der Gruppe aller Gastarbeiter in Singapur (n=54.485) eine jährliche Inzidenzrate von knapp 83 AIS-Fällen pro 100.000 errechnet. Zum Vergleich: In einer nach Alter, Geschlecht und Ethnie gematchten historischen Gruppe war die Rate mit 38/100.000 deutlich geringer. AIS könnte eine neue Long-COVID-Komplikation sein, so die Ärzte (JAMA Netw Open 2021, online 22. April).

Ivermectin hat keinen Einfluss auf die Dauer einer milden COVID-19, berichten Ärzte aus Cali in Kolumbien. Sie haben in einer randomisierten, doppelblinden Studie 476 Betroffene je zur Hälfte über fünf Tage (ambulant oder stationär) mit dem Wirkstoff (300 μg/kg KG) oder mit Placebo behandelt. Alle hatten vorher bis zu sieben Tage milde COVID-19-Symptome gehabt. Bei den Ergebnissen gab es keine statistisch signifikanten Unterschiede: Die mittlere Zeit bis zur Symptomfreiheit betrug zehn (Verum) und zwölf Tage (Placebo). Nach 21 Tagen hatten 82 Prozent (Verum) und 79 Prozent (Placebo) keine Symptome mehr. Die häufigsten unerwünschten Wirkungen waren Kopfweh, und zwar bei 52 Prozent (Ivermectin) und 56 Prozent (Placebo). Bei je zwei Patienten in jeder Gruppe kam es zu einem Multiorganversagen (JAMA 2021; 325(4):1426-1435).

Update vom 26. April

Die besorgniserregende britische Variante B.1.1.7 von SARS-CoV-2 dominiert mittlerweile in Deutschland, berichtet das Robert Koch-Institut (RKI). Demnach wurde die Variante in der Woche bis zum 18. April in 93 Prozent von bundesweit 54.361 Proben isoliert. Solche „Variants of Concern“ (VOC) sind ansteckender und weisen als wichtige Gemeinsamkeit die Mutation N501Y auf. Zu den VOC gehören neben B.1.1.7 unter anderem auch die Varianten B.1.351 und P.1. Die südafrikanische Variante B.1.351 ist in Deutschland laut RKI zufolge derzeit nicht stark verbreitet, die brasilianische Variante P.1 sei nur vereinzelt nachgewiesen worden. „Stetig werden neue Virusvarianten entdeckt, deren Ausbreitung vom RKI genau beobachtet und deren Eigenschaften hinsichtlich Übertragbarkeit oder Impfwirksamkeit genau untersucht werden“, heißt es in dem Bericht (RKI-Bericht zu VOC, online 21. April).

Während der Schul- und Kitaöffnungen im Herbst 2020 gab es in Israel offenbar nur geringe Infektionsraten bei kleinen Kindern. Das berichten Forscher um Dr. Imo Somekh vom Mayanei Hayeshuah Medical Center, die den Einfluss der Öffnungen besonders in der Altersgruppe 0-9 Jahre untersucht haben. Dabei griffen sie auf Daten des israelischen Gesundheitsministeriums zurück. Nach den Sommerferien, als in Israel die Inzidenzzahlen sehr hoch waren, öffneten am 1. September Kindergärten und Schulen wieder. Am 14. April kam es zu einem landesweiten kompletten Lockdown, der zwei Wochen dauerte. Am 1. November öffneten Kindergärten und Schulen erneut. Sowohl im September als auch im November lag die Inzidenzrate bei den 0-9-Jährigen im Vergleich zu den übrigen Altersgruppen am niedrigsten, berichten die Forscher. Im November sei es zwar zu einem leichten Anstieg gekommen, dieser fiel im Vergleich mit den übrigen Altersgruppen allerdings signifikant geringer aus. „Schulöffnungen für diese Altersgruppe scheinen sicher zu sein“, lautet daher ihr Fazit. Für die Altersgruppe der 10-19-Jährigen dagegen seien vermutlich Schulöffnung nur in Zeiten sicher, in denen die Pandemie unter Kontrolle ist (JAMA Network Open 2021; online 26. April).

Liebe Leser, wir fassen die Corona-Studienlage nun wöchentlich zusammen. Eine Übersicht mit allen bereits veröffentlichten COVID-19-Splittern der vergangenen Wochen und Monate finden Sie hier:

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