Darmkrebsprävention

Felix Burda Award: Digital und doch emotional

Die Verleihung des Felix Burda Awards sollte pandemiebedingt kein zweites Mal ausfallen. Also wurden die Sieger dieses Jahr mit einer digitalen Zeremonie für ihre Forschungen und ihr Engagement zur Darmkrebsprävention geehrt. Auch der „Ehren-Felix“ wurde verliehen.

Von Christiane BadenbergChristiane Badenberg Veröffentlicht:
Moderator Vince Ebert (l.) sowie Schauspieler und Laudator Wayne Carpendale gratulieren der digital zugeschalteten
Gewinnerin des Ehren-Felix Susanna Zsoter.

Moderator Vince Ebert (l.) sowie Schauspieler und Laudator Wayne Carpendale gratulieren der digital zugeschalteten Gewinnerin des Ehren-Felix Susanna Zsoter.

© Felix Burda Stiftung

München. Die große Gala im berühmten Berliner Hotel Adlon ist aus Pandemiegründen dieses Mal ausgefallen, aber verdient hätten die Preisträger des diesjährigen Felix Burda Awards sie auf jeden Fall. Denn es ist immer wieder erstaunlich, mit wie viel Kreativität und persönlichem Einsatz sich Menschen für die Darmkrebsprävention engagieren.

Weil aber die Preisverleihung nicht wie im vergangenen Jahr komplett ausfallen sollte, hat sich die Felix Burda Stiftung für eine digitale Zeremonie unter dem Motto „Green Screen statt Roter Teppich“ entschieden.

Bestes Beispiel für herausragenden Einsatz sind die Preisträger 2021 in der Kategorie „Engagement des Jahres“. Verliehen wurde die Auszeichnung an die bei aller Ernsthaftigkeit des Themas witzige Präventionskampagne „Darmgesund in Moers“.

Moderator Vince Ebert und Laudatorin Cathy Hummels freuen sich mit den Gewinnern in der Kategorie „Engagement des Jahres“. Sie wurden für ihr Projekt „Darmgesund in Moers“ ausgezeichnet. Schirmherr der Kampagne war der Bürgermeister der niederrheinischen Stadt Christoph Fleischhauer (l.)

Moderator Vince Ebert und Laudatorin Cathy Hummels freuen sich mit den Gewinnern in der Kategorie „Engagement des Jahres“. Sie wurden für ihr Projekt „Darmgesund in Moers“ ausgezeichnet. Schirmherr der Kampagne war der Bürgermeister der niederrheinischen Stadt Christoph Fleischhauer (l.)

© Felix Burda Stiftung

Die Initiatoren, zu denen der Bürgermeister der niederrheinischen Stadt Christoph Fleischhauer, der niedergelassene Gastroenterologe Dr. Jochen Purrmann sowie Dr. Ralf Engels von der Stiftung Bethanien Krankenhaus und Ralf Nennhaus vom St. Josef Krankenhaus zählen, hatten sich zum Ziel gesetzt, die Bürger ihrer Stadt über das Thema Darmkrebsprävention zu informieren. 1000 Menschen mehr sollten zu einer Vorsorgekoloskopie motiviert werden, als im Vergleichszeitraum 2018. Am Ende waren es über 1100 zusätzliche Koloskopien.

Maskottchen Polly

„Ein toller Erfolg, der sich besonders eindrücklich darin zeigt, dass Sie dadurch – statistisch gesehen – rund 40 Menschen vor Darmkrebs bewahren konnten“, lobte Laudatorin Cathy Hummels bei der Preisverleihung. „Gesicht“ der Kampagne war das Maskottchen Polly, ein Darmpolyp, der Menschen im niederrheinischen Dialekt ansprach. Etwa so: „50 Jahre auf‘m Deckel? Komma zur Vorsorge!“

Im Kampagnenzeitraum von März bis November 2019 warb das Aktionsbündnis auf 42 Veranstaltungen für die Vorsorgekoloskopie. Darüber hinaus gab es Plakataktionen und es wurde auf diversen medialen Kanälen geworben.

Mit dem Felix Burda Award in der Kategorie Medizin und Wissenschaft wurden Dr. Jan Groen, Dr. Brian Hashemi und Professor Christoph Beglinger von der Schweizer Firma Novigenix ausgezeichnet. Die drei hatten sich mit einem weiterentwickelten, innovativen Verfahren für einen Bluttest zur Früherkennung von Darmkrebs beworben.

Bluttest zur Früherkennung von Darmkrebs

Die Arbeitsgruppe der Bewerber habe nun ein 49 Biomarker umfassendes Panel erstellt, das mit einer Sensitivität von nahezu 80 Prozent und einer Spezifität von über 90 Prozent sowohl fortgeschrittene Adenome als auch Darmkrebs erfassen könne, berichtete Laudator und Gastroenterologe Dr. Berndt Birkner.

In der ersten Generation dieses Tests, der bereits 2015 für den Felix Burda Award nominiert war, konnten nur 29 Biomarker identifiziert werden. Also eine rasante Weiterentwicklung in einer verhältnismäßig kurzen Zeitspanne. „Diese Weiterentwicklung führt zu einer vielversprechenden und innovativen Verbesserung für die Darmkrebsfrüherkennung,“ lobte Birkner.

Freude bei den Preisträgern in der Kategorie Medizin und Wissenschaft: Dr. Brian Hashemi (Bild oben), Professor Christoph Beglinger. Die Laudatio hielt Gastroenterologe und Stiftungsvorstand Dr. Berndt Birkner.

Freude bei den Preisträgern in der Kategorie Medizin und Wissenschaft: Dr. Brian Hashemi (Bild oben), Professor Christoph Beglinger. Die Laudatio hielt Gastroenterologe und Stiftungsvorstand Dr. Berndt Birkner.

© Felix Burda Stiftung

Gesetzlich Versicherte über 50 Jahre haben einen Anspruch auf einen immunologischen Stuhltest. „Aber viele kostet es Überwindung, einen Test auf verborgenes Blut mit eigenem Stuhl durchzuführen. Einfacher wäre es natürlich, der Arzt würde Blut abnehmen und auf diesem Weg Veränderungen im Darm diagnostizieren können“, so Birkner.

Der Krankheit ein Gesicht gegeben

Den Ehren-Felix – ein Sonderpreis, mit dem Menschen geehrt werden, die an Darmkrebs erkrankt sind und sich trotz ihrer Erkrankung engagieren, um andere vor einem ähnlichen Schicksal zu bewahren – erhielt Susanna Zsoter aus Zirndorf. 2020 waren beim Televoting die meisten Stimmen auf sie entfallen.

Zsoter erhielt 2015 mit 28 Jahren die Diagnose Darmkrebs. Ihr wurde ein sechseinhalb Zentimeter großer Tumor entfernt. Sie bekam eine Sepsis, hatte Metastasen in Leber und Lymphknoten, musste unzählige Chemotherapien über sich ergehen lassen. Als die Lage fast aussichtslos erscheint, schlägt eine experimentelle Immuntherapie doch noch an.

Susanna Zsoter kam wieder zu Kräften, konnte von Reisen nicht mehr nur Träumen, sondern sich auf den Weg machen. So läuft die ehemalige Palliativpatientin 2018 aus eigener Kraft 240 Kilometer auf dem Jakobsweg oder erfüllt sich ihren Traum, freilebende Orang Utans auf Sumatra persönlich in Augenschein zu nehmen.

Blog „Krebskriegerin“

Zsoter nutzt ihre Erfahrungen, um für die Darmkrebsvorsorge zu werben. Unter anderem mit ihrem Blog „Krebskriegerin“. Auf Facebook und Instagram hat sie rund 11 000 Follower. Mit dem Verein „Health Hackers“ entwickelt sie eine App, die es Patienten erleichtern soll, „ihre Erkrankung besser zu verwalten“, damit sie sich mehr auf ihre Genesung konzentrieren können.

In Medien und auf Veranstaltungen zeigt sie, dass Krebs auch junge Menschen treffen kann. „Du gibst dieser Krankheit ein Gesicht und motivierst über Deine zahlreichen Aktivitäten viele Menschen, sich über ihre Gesundheit und ihr Risiko für Darmkrebs Gedanken zu machen“, preist Laudator Wayne Carpendale die Verdienste von Susanna Zsoter für die Darmkrebsvorsorge.

Felix Burda Award

  • Zum 18. Mal sind die Awards für herausragende Projekte, wissenschaftliche Arbeiten und persönliches Engagement für die Prävention von Darmkrebs dieses Jahr verliehen worden.
  • Das Event fand dieses Mal nicht im Berliner Adlon Hotel statt. Die einzelnen Beiträge – zum Beispiel von Stiftungsvorstand Dr. Christa Maar oder der drei Laudatoren wurden vorab vor einer Greenscreen gedreht.
  • Die Verleihungs-Show mit Moderator Vince Ebert wurde inklusive Zuschaltung der Nominierten unter „Live on Tape-Bedingungen“ in München produziert.
  • 37 Projekte haben sich beworben, sechs von ihnen wurden in zwei Kategorien nominiert.
  • Felix Burda ist 2001 an Darmkrebs gestorben. Die von seinen Eltern Hubert Burda und Christa Maar in seinem Namen gegründete Stiftung setzt sich seither für die Aufklärung der Bevölkerung über Darmkrebsvorsorge ein.
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