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"Ich habe gehört, wie es krachte und knirschte"

NEU-ISENBURG (ner). Die Knie von Fußballspielern sind extremen Belastungen ausgesetzt. Das erfuhr auch Englands Stürmerstar Michael Owen. Bei ihm riß das vordere Kreuzband des rechten Knies im dritten Spiel der englischen Mannschaft bei der Fußball-WM.

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Bereits in der ersten Minute des Spiels England gegen Schweden war für Owen die Partie vorbei: Der 26jährige verdrehte sich, ohne gefoult worden zu sein, das Knie - ein Unfallmechanismus, der klassisch ist für Kreuzbandverletzungen. Owen ging mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden.

Nach einem solchen Unfall beschreiben die Betroffenen oft, daß sie ein Zerreißungs- oder Verschiebegefühl im Knie fühlten. "Ich wußte sofort, was da los ist", sagte auch Owen hinterher. "Es waren keine schlimmen Schmerzen, aber ich habe gehört, wie es krachte und knirschte."

Wie wird eine Kreuzbandverletzung diagnostiziert? Ein typischer Befund ist das Schubladen-Phänomen - eine ausgeprägte Verschiebbarkeit des Unterschenkels gegen den Oberschenkel. Allerdings: Direkt nach dem Unfall ist es oft schwierig, die Gelenkstabilität zu beurteilen. Denn die Patienten spannen schmerzbedingt die Muskulatur an.

Massive Gelenkergüsse werden punktiert. Ist der Erguß blutig, besteht ein starker Verdacht auf eine Kreuzbandruptur, denn die Kreuzbänder sind gut durchblutet. Mit Röntgenaufnahmen werden knöcherne Ausrisse am Kniegelenk ausgeschlossen. Mit Magnetresonanz-Tomographie kann das Ausmaß der Knieverletzung genauer beurteilt werden. Eine Arthroskopie kommt in Frage, wenn zugleich therapeutische Maßnahmen geplant sind. Bei Fußball-Profis ist das in der Regel der Fall.

Und wie wird behandelt? Der Ersatz des vorderen Kreuzbandes mit minimalinvasiver Chirurgie ist an vielen deutschen Kliniken Routine. Eine Option ist eine Kreuzbandplastik aus körpereigenen Sehnen. Doch auch eine solche Plastik sei eben nur eine Prothese, sagt der Münchner Orthopäde Professor Wolfgang Pförringer. "Diese kann nie dasselbe leisten wie ein normales Kreuzband!"

Denn: Im gesunden Kreuzband gibt es neuronale Sensoren, die auf Druck, Zug und Torsion reagieren. Das Gehirn erhält damit ständig Informationen über die Position des Knies und aktiviert die verschiedenen Muskelgruppen. "Diese Neuropropriozeption ist beim Kreuzbandersatz nicht mehr da."

Das betroffene Knie wird also nie mehr das alte sein und verletzlich bleiben - auch, weil die Kreuzbandplastiken mit der Zeit erschlaffen. Profis belasten ihre Knie außerdem sehr früh. So spielte Nationalspieler Jens Nowotny bereits sechs Monate nach seinem zweiten Kreuzbandriß rechts im Jahr 2003 wieder in der Bundesliga mit. Ein Jahr später hatte er wieder einen Kreuzbandriß rechts. Es machten Gerüchte vom Karriereaus die Runde. Dennoch schaffte es Nowotny in die deutsche WM-Auswahl.

Die Quittung für die starke Belastung ihrer verletzten Kniegelenke erhalten Fußball-Profis wohl erst Jahre nach ihrer aktiven Zeit. Viele werden mit vorzeitigem Gelenkverschleiß bezahlen, so die Überzeugung des Sportmediziners Professor Gerhard Bauer aus Stuttgart.

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