„ÄrzteTag“-Podcast
Prostatakrebs – der Streit ums PSA-Screening
Ein PSA-Screening kann durchaus helfen, ein Prostata-Ca frühzeitig zu erkennen – wenn es risikoadaptiert erfolgt, sagen Urologen. Gegen die pauschale Ablehnung durch das IQWiG wehrt sich daher im Podcast-Gespräch Professor Christian Wülfing, Chefarzt der Abteilung für Urologie an der Asklepios Klinik in Hamburg Altona.
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Prof. Christian Wülfing, Chefarzt an der Asklepios Klinik in Hamburg Altona und Sprecher der DGU.
© Deutsche Gesellschaft für Urologie /DGU
Ich bleibe dabei: Krebs-Risiken als Prävalenz-, Inzidenz- und Mortalitätswahrscheinlichkeiten lassen sich durch allgemeine Vorsorgeuntersuchungen bzw. verschiedene Früerkennungs-Screenings nur detektieren oder ausschließen. Die Mortalitätssenkung geschieht durch die Behandlung selbst. Die Krankheitshäufigkeit wird durch Früh-Detektion virtuell erhöht, indem die vorher niedrigere Inzidenz sich der grundsätzlich höheren Prävalenz angleicht.
Primäre und sekundäre Krebsmortalitäten werden nahezu ausschließlich durch "Staging", "Grading", Evidenz-gestützte Therapieverfahren (OP, Radiatio, Chemotherapie), alternative oder adjuvante Verfahren bzw. Nebenwirkungen und/oder ernsthafte Komplikationen definiert. Der "demografische Faktor" führt in allen postindustriellen Gesellschaften bei steigender Lebenserwartung und sinkender Reproduktionsrate zu Prävalenz- und Inzidenz-Anstieg nicht nur bei Krebserkrankungen.
Die U.S. Preventive Services Task Force (USPSTF) behauptete 2012, PSA tauge nicht zum Prostatakrebs-Screening: Risiken, an einem Prostatatumor zu sterben, könnten nicht gesenkt werden. Um einen Todesfall zu verhindern, sei die "Number Needed to Screen" mit 300 bis über 1000 für substanzielle Ergebnisse zu hoch.
Die Schlussfolgerungen der Publikation von B. Bhindi et al. (Universität Toronto/CAN) mit dem Titel: "Impact of the U.S. Preventive Services Task Force Recommendations Against PSA Screening on Prostate Biopsy and Cancer Detection Rates" sind dramatisch. Die Anzahl der Biopsien sinke in Abhängigkeit von seltenerem PSA-Screening um 38 bis knapp 50 Prozent. Dass im Einzugsgebiet der Studie die Zahl der aufgedeckten niedrig malignen Prostatakarzinome geringer geworden ist, mag noch ermutigend sein, aber der plötzliche Absturz der Detektionsrate von hochmaligen Vorsteherdrüsen-Karzinomen mit Gleason-Score 7-10 sei beunruhigend.
Die urologische Versorgung, Heilung und Linderung von frühen Stadien mit unterschiedlichen Malignitätsgraden sinkt. Kann das im Interesse unserer Patienten sein?
MfG Dr.med. Schätzler
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