Protest geglückt

Ärzte zwingen Spanien zu neuen Ausgangsregeln für Kinder

Die spanische Regierung nimmt die Corona-Ausgangsregelungen für Kinder nach dem Druck von Eltern, Kinderärzten und Oppositionsparteien zurü

Manuel MeyerVon Manuel Meyer Veröffentlicht:
Etwas frische Luft und Natur wie hier in Sevilla wünschen sich die Spanier auch für ihre Kinder.

Etwas frische Luft und Natur wie hier in Sevilla wünschen sich die Spanier auch für ihre Kinder.

© María José López/Europa Press/dpa

Madrid. Im Zuge der Corona-Pandemie herrscht in Spanien seit fast sechs Wochen eine der weltweit striktesten Ausgangssperren überhaupt. Während Erwachsene die Wohnung nur verlassen dürfen, um zur Arbeit, zum Supermarkt, zur Apotheke oder zur Bank zu gehen, war es Kindern bisher komplett untersagt, das Haus zu verlassen.

Seit Tagen hatte die sozialistische Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez eine Lockerung der totalen Ausgangssperre für Kinder angedeutet, zumal die konservativen Oppositionsparteien, Ärzte- und Psychologenverbände seit Wochen darum bitten. Doch was Regierungssprecherin María Jesus Montero kürzlich ankündigte, führte bei Familien wie Experten zu Verwunderung und Frustration.

Montero stellte klar, die 6,8 Millionen spanischen Kinder bis 14 Jahre dürften ab 27. April die Wohnung verlassen – aber nur um ein Elternteil zum Einkaufen in den Supermarkt, zur Bank oder zur Apotheke zu begleiten.

Dringender Bewegungsbedarf

„Die Maßnahme macht überhaupt keinen Sinn. Warum sollte ich meine Kinder zu einem Ort mitnehmen, wo sie eine hohe Gefahr laufen, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren? Gerade in Supermärkten und in Apotheken ist die Ansteckungsgefahr enorm groß“, stellt Allgemeinmedizinerin Alejandra López klar.

Fachärzte und Kinderpsychologen sind derselben Meinung. „Kinder müssen sich jetzt körperlich bewegen und brauchen frische Luft, um während der Ausgangssperre angestauten Stress und Frustration abzubauen“, erklärt die spanische Kinderärztin Azucena Diez. Jüngste Studien hätten gezeigt, dass viele Kinder durch die harten Quarantänemaßnahmen bereits wesentlich nervöser, streitlustiger und unselbstständiger geworden seien.

Bereits kurz nach der Ankündigung der neuen Maßnahmen kam es in Medien und sozialen Netzwerken vor allem von Kinderärzten, Psychologen und Familien zu massivem Protest. Auch zahlreiche Oppositionsparteien äußerten scharfe Kritik an der Entscheidung der Zentralregierung.

Rückzug nach Protesten

Noch am selben Abend protestierten zigtausende Spanier im ganzen Land mit Pfiffen und Topfschlagen von Fenstern und Balkonen gegen die neuen Ausgangsregeln für Kinder. Und kurzerhand ruderte die Regierung zurück.

Im Fernsehen kündigte Gesundheitsminister Salvador Illa an, Kinder bis 14 Jahren könnten bereits ab 26. April in Begleitung eines Elternteils die Wohnungen verlassen, um einen kurzen Spaziergang zu machen, zu laufen oder individuell zu spielen.

Genauere Details will die spanische Regierung noch bekanntgeben. Geplant ist, dass sich die Spaziergänge oder Radtouren auf täglich eine halbe Stunde beschränken und nicht weiter als einen Kilometer von der Wohnung entfernt stattfinden.

Die Benutzung von Spielplätzen und der Kontakt zu anderen Kindern oder Personen soll untersagt sein. Außerdem sollen die Kleinen ab vier Jahren Schutzmasken tragen.

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