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Neue Spahn-Verordnung

Corona-Mutationen sollen schneller entdeckt werden

Um Veränderungen des neuartigen Coronavirus zügig auf die Spur zu kommen, sollen künftig deutlich mehr Virengenome sequenziert werden. Das sieht ein neuer Verordnungsentwurf von Bundesgesundheitsminister Spahn vor.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
Künftig sollen abhängig von der Inzidenz auch in Deutschland zwischen fünf und zehn Prozent der positiven Corona-Tests auf den genetischen Bauplan der Viren hin untersucht werden.

Künftig sollen abhängig von der Inzidenz auch in Deutschland zwischen fünf und zehn Prozent der positiven Corona-Tests auf den genetischen Bauplan der Viren hin untersucht werden.

© Sina Schuldt/dpa

Berlin. Das neuartige Coronavirus verändert sich. Das belegen die Mutationen, die in Großbritannien (VOC202012/01) und in Südafrika (501Y.V2) aufgetaucht sind und wegen ihrer hohen Infektiosität das Ausbruchgeschehen stark beeinflusst haben. Wissenschaftler sollen nun auch in Deutschland diesen und künftigen Mutationen von SARS-CoV-2 schneller auf die Spur kommen.

Dafür will Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) per Verordnung die Labore verpflichten, das Erbgut der Viren häufiger als bislang zu untersuchen und die Genomsequenzdaten dem Robert-Koch-Institut zu übermitteln. Ein entsprechender Verordnungsentwurf liegt der „Ärzte Zeitung“ vor.

Für die Übermittlung der Daten sollen die Labore jeweils 200 Euro erhalten, die aus dem Bundeshaushalt bestritten werden sollen. Abgerechnet werden sollen die Beträge über die Kassenärztlichen Vereinigungen.

Verbreitungsgrad unbekannt

Wie weit verbreitet die neuen Mutationen in Deutschland bereits sind, ist nicht bekannt. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts von vergangener Woche sind bislang vier Fälle bekannt. In Großbritannien dagegen sind mehrere tausend Patienten mit der neuen Virus-Variante entdeckt worden.

Während auf der Insel jede 15. Corona-Probe gensequenziert wird, ist es in Deutschland nur jede 900. Probe, wie Recherchen von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ ergeben haben.

Um an dieser Stelle repräsentativere Daten zu gewinnen, sollen künftig abhängig von der Inzidenz auch in Deutschland zwischen fünf und zehn Prozent der positiven Corona-Tests auf den genetischen Bauplan der Viren hin untersucht werden.

Dabei solle sichergestellt werden, dass das Verhältnis von Proben und dem Infektionsgeschehen auch bei sinkenden Infektionszahlen angemessen bleibe, heißt es in dem Verordnungsentwurf, der aller Voraussicht nach am Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossen werden dürfte.

Impfstoffhersteller können reagieren

Auf die Einführung eines geordneten Regimes zur Surveillance des Coronavirus hatten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Spitzen der Länderregierungen bei ihrem Treffen am vergangenen Dienstag verständigt. Für Influenza- und Masernviren existieren solche Regelungen bereits.

Die europäische Gesundheitsbehörde ECDC hatte im Laufe der Pandemie die Mitgliedsländer bereits angemahnt, mehr Proben sequenzieren zu lassen. Dies sei Voraussetzung, um die neuen Mutationen zu entdecken und ihre Ausbreitung zu verlangsamen.

Erst am Wochenende hatte der Präsident des für die Impfstoffzulassung zuständigen Paul Ehrlich-Instituts Professor Klaus Cichutek berichtet, dass Impfstoffhersteller eigenen Angaben zufolge wie BioNTech schnell auf Mutationen reagieren könnten.

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