Direkt zum Inhaltsbereich

Psychotherapie

Den Behandlungs-Turbo gibt es nicht

Die Psychotherapeuten weisen in der Diskussion über Wartezeiten darauf hin, dass Behandlungsleistungen nicht beschleunigt werden können. Gesucht sind andere Stellgrößen: Etwa die Entschlackung des Antragsverfahrens.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:

An dieser Stelle finden Sie Inhalte aus Datawrapper Um mit Inhalten aus Datawrapper zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir Ihre Zustimmung. Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte aus Sozialen Netzwerken und von anderen Anbietern angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Weitere Information dazu finden Sie hier.

BERLIN. Die Wartezeitendebatte in der Psychotherapie dauert an. "Das angekündigte Versorgungsstrukturgesetz muss die Situation für die Patienten und damit die Behandlungsmöglichkeiten der ambulant tätigen Psychotherapeuten deutlich verbessern", hat die Vorsitzende der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV), Dipl.-Psych. Barbara Lubisch, gefordert.

Die Wartezeiten seien zu lang. Die Folgen seien, dass seelische Leiden unnötig chronifizierten.

Die Behandlungsleistungen von Psychotherapeuten seien zeitgebunden und könnten nicht durch Routine oder technischen Fortschritt beschleunigt werden. Darauf hat der Berufsverband der Vertragspsychotherapeuten (bvvp) aufmerksam gemacht.

Regina Feldmann, Vorstand der KBV, hält die Wartezeitensituation jedoch für weniger gravierend als dargestellt. Immerhin sei ein Viertel der Ratsuchenden binnen Wochenfrist zu einem Erstgespräch gekommen, weitere 39 Prozent innerhalb eines Monats. Sie bezieht sich auf Ergebnisse einer Versichertenbefragung durch die Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der KBV.

Stabiler Versorgungsbedarf

Die Inanspruchnahme von Psychotherapeuten ist demnach stabil. Rund zwölf Prozent der gesetzlich Versicherten zwischen 18 und 79 Jahren gibt an, ärztliche oder psychologische Hilfe gesucht zu haben. Dieser Wert hat sich damit im Vergleich zur ersten Befragung 2013 nicht verändert.

Von diesen zwölf Prozent wiederum sind 65 Prozent tatsächlich zu einem Psychotherapeuten gegangen, drei Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Versorgung hat sich zumindest auf dem Papier verbessert.

Nach Angaben der KBV und der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung sind von den zusätzlichen 1300 Sitzen für psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten, die der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) mit der neuen Bedarfsplanungsrichtlinie geschaffen hat, bereits 800 besetzt.

Als erfreulich schätzt Feldmann ein, dass für ein Drittel der Patienten die Therapie unmittelbar nach dem Erstgespräch beginnen kann. "Rechnet man die Wartezeit auf das Erstgespräch und den Therapiebeginn zusammen, ergibt sich, dass 41 Prozent insgesamt maximal bis zum Beginn der Therapie warten mussten", sagte Feldmann.

GBA bastelt an der Psychotherapie-Richtlinie

Die Psychotherapie-Richtlinie wird derzeit im GBA überarbeitet. Ziel sei, Zeit für die Behandlung von Patienten freizuschaufeln, sagte Feldmann. Dazu solle das Antrags- und Gutachterverfahren entschlackt werden. In diese Richtung zielen auch Vorschläge von Politikern, die Wartezeiten zu verkürzen.

Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion Jens Spahn hat vorgeschlagen, mehr Gruppentherapien zu ermöglichen. Das deckt sich mit dem von der KBV entwickelten Vierstufenmodell von speziellen Beratungssprechstunden, gefolgt von Sprechstunden zur diagnostischen Abklärung und des Behandlungsbedarfs sowie gegebenenfalls der heute schon vorgeschalteten probatorischen Sitzungen. Für chronisch Kranke sollen eigene Behandlungsmöglichkeiten eingerichtet werden.

Das Niveau der ambulanten Versorgung seelischer Leiden ist hoch. Einer Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der Ortskrankenkassen (WIdO) zufolge sehen fast drei Viertel der Befragten den Verlauf der Gespräche und deren Ergebnisse positiv. Annähernd 90 Prozent fanden, ihre Probleme seien ausreichend zur Sprache gekommen, heißt es im WIdO-Monitor von Mai.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Modell gegen den Ärztemangel

KV Sachsen eröffnet dermatologische Eigenpraxis

Digitalisierung

KI-Chatbots bieten 24/7-Sprechstunde für Patienten

Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Tab. 1: Stufentherapieschema zur verlaufsmodifizierenden Therapie der generalisierten Myasthenia gravis

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Generalisierte Myasthenia gravis

Krankheitssymptome und Therapielast wirksam lindern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Dr_Microbe / stock.adobe.com

© Dr_Microbe / stock.adobe.com

Fünf Jahre orale Therapie mit Risdiplam

Breite Anwendbarkeit bei 5q-assoziierter SMA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Abb. 1: Wirksamkeit in der klinischen Praxis von Brivaracetam über 12 Monate (alle Formen fokaler Anfälle)d

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Konkurrenz für Primärpraxen?

Reformpaket beschlossen: Apotheker rücken zu Hausärzten in zweiter Reihe auf

State-of-the-Art

Was in den Praxisempfehlungen und Leitlinien der DDG neu ist

Lesetipps
Patient vor der CT-Untersuchung der Lunge.

© jovannig / stock.adobe.com

Telemedizin für Prävention

Lungenkrebs-Screening: Das Münsterland zeigt, wie es funktionieren kann

Frau sitzt nachts auf ihrem Bett und schaut ins Licht ihrer Nachttischlampe.

© stokkete / stock.adobe.com

Von unten nach oben

Stufenschema bei Insomnie: So bei Schlafstörungen therapieren