Direkt zum Inhaltsbereich

Kommentar zum Pseudoziffern-Vorschlag

Dokumentierte Dringlichkeit

Ärzte sollten die Dringlichkeit eines Facharzt-Termins mit einer Pseudoziffer dokumentieren, schlägt die KV Thüringen vor. Dies könnte aber zum Gestaltungsmissbrauch führen.

Helmut LaschetVon Helmut Laschet Veröffentlicht:

Überlange Wartezeiten auf einen Facharzttermin zählen zu den populären Themen, weswegen sich die Politik des Problems bemächtigt. Der Beitrag der Politik und auch der Kassenärztlichen Vereinigungen zur Lösung des Problems kann jedoch nur bescheiden sein.

Zunächst einmal: Alle Erkenntnisse aus Umfragen zeugen davon, dass die weitaus meisten Patienten einen Hausarzt haben. Wenn diese - und das sei hier unterstellt - ihren Versorgungsauftrag einschließlich ihrer Koordinationsfunktion ernst nehmen, dann gehört es zu den typischen hausärztlichen Leistungen, in dringlichen Fällen die fachärztliche (Mit-)Behandlung zu organisieren.

Der Vorschlag der KV Thüringen, solche Konstellationen bei der Abrechnung durch eine Pseudoziffer zu dokumentieren, hätte den Vorteil, dass KVen und auch Krankenkassen einen Anhaltspunkt dafür hätten, wie häufig tatsächlich die zeitlich dringende Behandlung durch einen Spezialisten notwendig ist.

Würde man jedoch den im Dringlichkeitsfall entstehenden zusätzlichen organisatorischen Aufwand extra honorieren (was an sich nicht abwegig wäre), so entstünde ein Anreiz zum Upcoding. Dieses Phänomen ist aus vielen EBM-Reformen der Vergangenheit bekannt.

Über eines muss man sich im Klaren sein: Dort, wo wirklich Ärztemangel manifest ist, wird sich das Problem längerer Wartezeiten (oder weiter werdender Wege zum Spezialisten) nicht lösen lassen. Auch nicht durch eine Aufhebung der Budgetierung.

Lesen Sie dazu auch: Ungewöhnliche Idee: Pseudoziffern bei schneller Überweisung

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums v.l.n.r.: Professor Karl Broich (BfArM), Dr. Jürgen Malzahn (AOK-Bundesverband), Dr. Christine Mundlos (ACHSE e.V.), Hauke Gerlof (Ärzte Zeitung), Dr. Johanna Callhoff (DRFZ), Professor Christoph Schöbel (Ruhrlandklinik, Universitätsmedizin Essen), Privatdozent Dr. Christoph Kowalski (Deutsche Krebsgesellschaft), Dr. Peter Kaskel (Idorsia)

© Thomas Kierok

ICD-11: Die Zeit ist reif für die Implementierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Idorsia Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Bei erfolgreich therapierter Sialorrhö ist Teilhabe wieder leichter möglich

© Olesia Bilkei / stock.adobe.com [Symbolbild]

Glycopyrroniumbromid bei schwerer Sialorrhö

Wirtschaftliche Verordnung durch bundesweite Praxisbesonderheit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Proveca GmbH, Düsseldorf
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Tipps von hausärztlichen Anwendern

Wenn Kollege KI in der Arztpraxis „assistiert“

DGIM 2026

Bewusstseinsstörungen: Der internistische Blick

Lesetipps
Ältere Frau versucht, sich mit einem Fan abzukühlen.

© solidcolours/Getty Images/iStock

Tipps

Sommerhitze: Das ist wichtig bei älteren Patienten