Berufspolitik

Frühchentod: Fairer Umgang mit Klinikpersonal gefordert

Die Untersuchungen zum Tod der drei Frühchen im Bremer Klinikum Mitte laufen - und auch das Verhalten der Mitarbeiter wird unter die Lupe genommen. Die Ärztekammer Bremen fordert jetzt mehr Sachlichkeit und Fairness im Umgang mit dem Klinikpersonal.

Von Christian Beneker Veröffentlicht: 23.11.2011, 15:32 Uhr
Frühchentod: Fairer Umgang mit Klinikpersonal gefordert

War auch die Zahl der Mitarbeiter eine Ursache für die Hygienemängel in der Neonatologie am Bremer Klinikum Mitte?

© dpa

BREMEN. Die Delegierten der Ärztekammer Bremen haben eine sachbezogene Aufklärung der Ereignisse um die Infektionen im Bremer Klinikum Mitte (KBM) gefordert.

"Vordergründig politisch motivierte Auseinandersetzungen oder nicht sachlich begründete Handlungen, Äußerungen und Berichte sind weder verantwortungsvoll noch hilfreich im Sinne eines modernen Fehlermanagements", erklären die Delegierten in einer Resolution.

"Eine Beurteilung vom heutigen Wissensstand aus ist nicht zulässig"

An der Aufklärung nach dem Tod von drei Frühchen sowie der Infektion und Besiedelung mit Keimen von weiteren Babys auf der Neonatologie des KBM arbeitet inzwischen ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss der Bremer Bürgerschaft. Auch das Robert Koch-Institut will Ende des Monats einen Bericht über die Infektionen vorlegen.

"Die beteiligten Ärzte haben das Recht auf eine Beurteilung ihrer Handlungsweise zum Zeitpunkt der Handlung. Eine Ex-Post-Beurteilung vom heutigen Wissensstand aus - mit dem größeren Wissen um Zusammenhänge und Verläufe - ist nicht zulässig", so die Delegierten.

"Klima des Vertrauens für die Mitarbeiter"

Unter Umständen sei der Blick der Prüfer "nicht ausreichend genug auf die strukturellen Probleme im Klinikum gerichtet", sagte Dr. Heike Delbanco, Hauptgeschäftsführerin der Ärztekammer Bremen, der "Ärzte Zeitung".

In den vergangenen Wochen waren Probleme der Arbeitsverdichtung und der Hygiene auf der Neonatologie des KBM in die Schlagzeilen geraten.

"Bei der Aufklärung der Umstände, die zum Tod der Frühchen geführt haben, muss es für alle Mitarbeiter im Klinikum ein Klima geben, in dem sie die Aufklärung unterstützen können, ohne personelle Konsequenzen fürchten zu müssen", so Delbanco.

Als Konsequenz aus den Hygienemängeln hatte Dr. Diethelm Hansen, Chef des Klinikverbundes GeNo, zu dem das KBM gehört, den Leiter der Kinderklinik und der Neonatologie, Professor Hans-Iko Huppertz, entlassen.

Neonatologie wird von Hygieneinstitut überprüft

Die Delegierten forderten darüber hinaus die Überprüfung des Personalschlüssels und der Belegungsdichte in der Neonatologie.

"Die Folgen der Verschlechterung dieser hygienisch bedeutsamen Rahmenbedingungen können weder den behandelnden Ärztinnen und Ärzten noch den Pflegekräften angelastet werden", so die Resolution.

13 Überlastungsanzeigen bestätigt

Unterdessen will das Magazin "Focus" erfahren haben, dass Huppertz mehrfach mehr Personal für die Neonatologie gefordert hat. Auch die Schwestern auf der fraglichen Station haben im abgelaufenen Jahr bei der Klinikleitung 13 Überlastungsanzeigen gestellt. Hansen bestätigte die Anzeigen.

Das Personal sei aber für die 16-Betten-Station ausreichend gewesen, sagte Hansen der "Ärzte Zeitung". "Wir arbeiten im Dreischichtbetrieb, und zwar mit der Besetzung vier, drei, drei. Das entspricht den geforderten Standards."

Hygienebedingungen werden überprüft

Erkrankte oder ausgefallene Schwestern seien kurzfristig durch qualifiziertes Personal aus anderen Stationen ersetzt worden, so Hansen. Ab Mitte der Woche soll ein Team des Freiburger Hygieneinstitutes die Hygienebedingungen im KBM überprüfen, kündigte der Bremer Klinikchef an.

Die Resolution der Kammer sei laut Geschäftsführerin Delbanco nicht nur an Hansen adressiert, sondern auch an die Aufsichtsbehörden und den Untersuchungsausschuss.

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