COVID-19-Impfung

Gassen: Praxen könnten ab Sommer gegen Corona impfen

Die Impfkapazität ist laut KBV-Chef Gassen nicht das Problem. Es brauche aber genügend Impfstoff und einen, der nicht bei extrem tiefen Temperaturen gelagert werden müsse.

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Die Vertragsärzte sind bereit, sich an der Corona-Impfung zu beteiligen. Zum Start wird diese jedoch in den bundesweit 400 Impfzentren stattfinden.

Die Vertragsärzte sind bereit, sich an der Corona-Impfung zu beteiligen. Zum Start wird diese jedoch in den bundesweit 400 Impfzentren stattfinden.

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Berlin. Nach dem geplanten Start in regionalen Impfzentren rechnen die Kassenärzte mit einer Übernahme der Corona-Impfungen in der Fläche einige Monate später. „Wir gehen derzeit davon aus, dass die Praxen vermutlich im Sommer impfen werden“, sagte der KBV-Chef Dr. Andreas Gassen der Deutschen Presse-Agentur.

Der Impfstoff, der jetzt als erstes zur Verfügung stehe, müsse bei minus 70 Grad gelagert werden, was in den Praxen so nicht handhabbar sei. Wenn dann aber ein Impfstoff da sei, der nicht so extrem gekühlt sein müsse, könne es direkt losgehen, so Gassen.

Grippe-Impfung hat gezeigt, dass die Praxen es können

„Die Praxen sind darauf eingestellt, schnell eine große Gruppe an Patienten zu impfen“, sagte Gassen. „Das hat auch jüngst bei der Influenza-Impfung geklappt: Innerhalb weniger Wochen haben die Kolleginnen und Kollegen über 20 Millionen Menschen in Deutschland gegen Grippe geimpft.“ Die Impfkapazität werde nicht das Problem sein. „Die Frage ist eher, wann genügend Impfstoff zur Verfügung stehen wird.“

Bund und Länder stellen sich auf den Beginn von Corona-Impfungen am 27. Dezember ein. In den ersten Monaten sollen sie gebündelt über mehr als 400 Impfzentren laufen, die von den Ländern eingerichtet wurden. Hintergrund sind auch Anforderungen an Transport und Lagerung und vorerst begrenzte Impfstoffmengen. An Zentren angedockt werden sollen auch mobile Impfteams, die in Pflegeheime und Kliniken gehen.

62 Prozent der Bundesbürger wollen sich impfen lassen

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fordert derweil mehr Tempo bei der Beschaffung von Corona-Impfstoff. „Es muss alles darauf ausgerichtet werden, mehr Impfstoff zu bekommen, der dann schneller verteilt wird“, sagte der CSU-Vorsitzende der „Bild am Sonntag“. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar zufolge wollen sich 62 Prozent der Menschen in Deutschland gegen SARS-CoV-2 impfen lassen. 32 Prozent wollen darauf verzichten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte am Samstag erklärt, dass jedem, der 2021 geimpft werden wolle, so bald wie möglich ein „Impfangebot“ gemacht werden solle. „Dazu haben wir schon mit den beiden in Zulassung befindlichen Impfstoffen ausreichend Dosen.“ Für die zwei Präparate der Unternehmen BioNTech/Pfizer sowie Moderna sind dem Ministerium zufolge insgesamt 136,3 Millionen Dosen sicher. Mit je zwei nötigen Dosen ließen sich so rechnerisch 68,2 Millionen Bürger impfen – bei 83 Millionen Einwohnern in Deutschland.

Söder: Debatte über Lockerungen der Maßnahmen zu früh

Über mögliche Lockerungen der Corona-Maßnahmen will Söder noch nicht diskutieren. „Die aktuellen Zahlen sind so hoch, dass es falsch wäre, schon jetzt in eine Debatte um Lockerungen einzusteigen“, sagte der CSU-Chef. „Der Corona-Winter wird leider noch lang.“ Der bundesweite harte Lockdown gilt aktuell bis zum 10. Januar. Für den 5. Januar ist eine weitere Konferenz von Kanzleramt und Bundesländern geplant.

Am Sonntagmorgen meldete das Robert Koch-Institut (RKI) 22.771 Neuinfektionen binnen eines Tages. Den Höchstwert mit 33.777 gemeldeten Infektionen hatte es am Freitag gegeben, allerdings waren darin rund 3500 nachgemeldete Fälle vom Vortag enthalten. (dpa)

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