Qualität

Ist Zufriedenheit der Patienten messbar?

Patientenbefragungen sollen ein Teil der Qualitätserhebungen in Kliniken werden. Wie und was gemessen wird, ist unter Experten umstritten.

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GÖTTINGEN. "Wer Schmerzen hat, hat Recht." Dieses kurze Statement aus dem Publikum eines Workshops zum Thema Patientenbefragung in der Qualitätssicherung (QS) brachte es auf den Punkt.

Das Göttinger AQUA-Institut hatte zur Tagung "Qualität kennt keine Grenzen" geladen und beleuchtete in dem Workshop auch die Erfahrungen von Patienten mit den Ergebnissen medizinischer Prozeduren.

"Es ist selbstverständlich ein wesentliches Kriterium der Qualität, wie gut oder schlecht es dem Patienten nach der Behandlung geht", sagte Wolfram Günther vom AQUA-Institut der "Ärzte Zeitung". Die Befragungsergebnisse können Aspekte zutage fördern, die anderen QS-Systemen durch die Lappen gehen.

Tücken bei Patientenbefragungen

Der GBA hatte das AQUA-Institut beauftragt, anhand zweier Behandlungen Instrumente der Patientenbefragung zu entwickeln, und zwar zur Arthroskopie am Kniegelenk und zur Perkutanen Koronarintervention und -angiografie.

Das Institut stellte fest, dass die Orientierung an "patientenrelevanten Endpunkten" große Bedeutung habe: Zwar lasse sich aus den Routinedaten ablesen, ob etwa Folgebehandlungen nötig wurden. "Aber ob die Schmerzbehandlung ausreichend war, kann nur der Patient sagen", so Günther.

Patientenbefragungen haben aber auch Tücken. So muss zum Beispiel der Fragebogen für die Patienten absolut verständlich sein. Es genügt auch nicht, einfach die Patientenzufriedenheit zu erfragen.

Das bestätigte Cordula Mühr, Patientenvertreterin für die Frauenselbsthilfe nach Krebs im Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA): "Die Zufriedenheit hat nichts mit der Behandlungsqualität zu tun. Die Behauptung einer hohen Patientenzufriedenheit ist oft reine Propaganda."

Darum fragt das AQUA-Institut zum Beispiel direkt danach, ob sich der Patient über den Ablauf eines Eingriffs aufgeklärt fühlt und bietet ihm Antwortmöglichkeiten zwischen "voll und ganz", "gar nicht" oder "weiß nicht".

In sogenannten "Non-Response-Analysen" hat das Institut zudem untersucht, wie die Gruppe derer beschaffen ist, die nicht geantwortet haben und welche Schlüsse daraus zu ziehen sind.

Und das Test-Retest-Verfahren, in dem eine kleine Gruppe der Patienten erneut befragt wurde, erlaubt es, zu beurteilen, wie zuverlässig die Daten der ersten Befragung sind.

Ergebnisse hängen auch von Stimmung ab

Kritische Anmerkungen kamen von Dr. Kristina Saal von der KBV. "Manchmal sind bei Patientenbefragungen die Fallzahlen zu klein, um eine valide Datenbasis zu haben."

Und Dr. Doris Voit von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) sieht ein Problem in der Subjektivität der Patienten: "Da hängen die Ergebnisse auch von der Tagesform und der Stimmung ab."

Das wollte ein Zuhörer im Publikum so nicht stehen lassen: "Subjektivität ist kein Nachteil, da wurde nur schlecht kommuniziert!" (cben)

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