Patienten-"Tsunami"

Nervenärzte schlagen Alarm

Der Spitzenverband ZNS ist besorgt: Die Versorgung von Demenz-, Parkinson- und Schlaganfallpatienten gerate in Gefahr, warnen die Nervenärzte. Das liege auch am ungleichen Wettbewerb.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
Psychische Krankheiten und Hirnerkrankungen nehmen nach Auskunft des Spitzenverbands ZNS deutlich zu.

Psychische Krankheiten und Hirnerkrankungen nehmen nach Auskunft des Spitzenverbands ZNS deutlich zu.

© psdesign1 / stock.adobe.com

BERLIN. Vor einem "Tsunami" an Patienten mit psychischen Krankheiten und Hirnerkrankungen warnt der Spitzenverband ZNS (SPiZ).

Auf die "exponentielle Zunahme" von Patienten mit Demenzen, Parkinson und Schlaganfällen sei die Versorgung nicht vorbereitet, sagte der Vorsitzende des Verbandes Dr. Uwe Meier am Donnerstag in Berlin.

Alterserkrankungen nähmen aufgrund der Demografie quasi automatisch zu, medizinischer Fortschritt bringe Mehrbedarf an Behandlungen mit sich, zum Beispiel bei MS-Patienten, sagte Meier.

Schon in der Vergangenheit hätten die Nervenärzte, Psychiater und Psychotherapeuten ihre Fallzahlen um 150 Prozent gesteigert. 600 bis 1200 Patienten im Quartal, in ländlichen Gegenden mehr, seien die Regel.

Nicht als Notfälle eingestufte Patienten müssten in der Regel vier bis fünf Monate auf einen Termin warten. "Mehr ist nicht drin", sagte Meier.

Unterschiedliche Vergütung

Große Unterschiede in der Vergütung von niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern sowie weitere Wettbewerbsnachteile durch die zunehmende Öffnung der Krankenhäuser für ambulante Leistungen beeinträchtigen die Versorgung darüber hinaus, stellt ein vom SPiZ in Auftrag gegebenes Gutachten des Düsseldorf Institute for Competition Economics (DICE) fest.

"Wir behandeln die gleichen Patienten, nur unter anderen Bedingungen", sagten die SPiZ-Vertreter. Eine Psychiatrische Institutsambulanz erhalte vier- bis fünfmal mehr für eine Behandlung als ein niedergelassener Arzt, sagte Dr. Sabine Köhler vom Vorstand des Berufsverbands Deutscher Nervenärzte.

Das DICE-Gutachten empfiehlt deshalb eine "Überführung der zwischenzeitlich unübersichtlichen Zahl an Öffnungsmöglichkeiten der Kliniken für die ambulante Versorgung in einen einheitlichen Ordnungsrahmen mit gleichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die ambulante wie die stationäre Versorgung".

Mehr Arztsitze für ZNS-Fächer gefordert

Ein Dorn im Auge sind den Nervenärzten auch die neuen Möglichkeiten der Krankenhäuser, psychiatrische Patienten in deren häuslicher Umgebung zu versorgen. Diese "stationsäquivalenten Leistungen" sollten auch den Vertragsärzten offenstehen.

Weitere Handlungsempfehlungen der Gutachter an Politik und Selbstverwaltung sind die Ausweisung von mehr Arztsitzen für die ZNS-Fächer.

Zudem sollten die Gesprächsleistungen in der Behandlung von Menschen mit ZNS-Erkrankungen extrabudgetär vergütet werden, ebenso wie die Koordinationsleistungen in psychosozialen Behandlungsnetzwerken.

Damit würden die ZNS-Fächer für den medizinischen Nachwuchs attraktiver, sagte Dr. Irmgard Pfaffinger vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatik und Ärztliche Psychotherapie (DGPM). Aus Versorgungsgründen müsse die Zahl der Studienplätze ohnehin insgesamt ausgeweitet werden.

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