Darmkrebs-Vorsorge

"Noch deutlich Luft nach oben!"

Veröffentlicht: 02.03.2016, 07:47 Uhr

LUDWIGSHAFEN. Die Stiftung Lebensblicke will sich in Zukunft verstärkt Menschen zuwenden, die den Darmkrebs überstanden haben und deren Nachsorge häufig nicht ausreichend gesichert ist. Das hat der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Professor Jürgen F. Riemann zum Auftakt des Darmkrebsmonats März am Dienstag in Ludwigshafen angekündigt.

Riemann bedauerte, dass die Teilnahmeraten an den Vorsorge- und Früherkennungsangeboten der Kassen mit 20 bis 30 Prozent eher niedrig seien. Hier gebe es deutlich Luft nach oben. Dies gelte insbesondere für die Vorsorgekoloskopie, die nur etwa zwei bis drei Prozent der Berechtigten pro Jahr wahrnehmen.

Die Pressesprecherin der Barmer GEK Rheinland-Pfalz Katharina Steinbach würdigte die Entwicklung des immunologischen Stuhltests (iFOBT) als entscheidenden Fortschritt in der Krebsprävention. Die Barmer habe dieses innovative Testverfahren deshalb als erste Kasse unter Schirmherrschaft der Stiftung LebensBlicke für ihre bayerischen Versicherten unter wissenschaftlicher Begleitung in den Leistungskatalog aufgenommen.

Riemann rechnet damit, dass dieser Test womöglich noch in diesem Jahr in die Regelversorgung aufgenommen wird. Er wird dazu ein Gespräch mit dem Vorsitzenden des Gemeinsamen Bundesausschusses Josef Hecken führen. Ausdrücklich forderte Riemann, dass bei Einführung der neuen Methode "alle Ärzte im Spiel bleiben", dass also nicht das Labor allein Maß aller Dinge sei.

Professor Dieter Schilling, Chefarzt im Diakonissenkrankenhaus Mannheim, forderte, den Fokus verstärkt auf besonders gefährdete Verwandte von Menschen mit Dickdarmkrebs zu richten. Er verwies auf Ergebnisse der sogenannten FAMKOL-Studie. Diese habe nachgewiesen, dass das Beratungsgespräch erstgradig Verwandter von Dickdarmkrebspatienten durch trainierte Fachangestellte oder Krankenschwestern mehr Menschen motiviert, selbst Krebsvorsorge zu betreiben, als etwa die alleinige Ausgabe von Flyern.

Aus Sicht von Professor Frank Lammert von der Uniklinik Saar gehört zu einer effizienten Vorsorge auch das Unterlassen unnötiger Anordnungen von Ärzten. Bei Menschen, die an der Vorsorgekokoskopie teilnehmen, sollte es keine zusätzliche Untersuchung auf fäkales okkultes Blut geben. (fuh)

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