Direkt zum Inhaltsbereich

Versorgungslücke befürchtet

Pädiater fordern schnelle Corona-Impfung auch für Praxisteams

Fällt Praxispersonal wegen einer Corona-Infektion aus, könnte es in der Kinderheilkunde schnell zu Versorgungsengpässen kommen, mahnen Pädiater. Zudem fordern sie Regeln für die Ausweitung des Kinderkrankengeldes.

Rebekka HöhlVon Rebekka Höhl Veröffentlicht:
In Kliniken wird das Personal bereits gegen Corona geimpft. Praxisteams sind genauso gefährdet, sagen die Pädiater, daher sollte auch dort zügig die Impfung angeboten werden.

In Kliniken wird das Personal bereits gegen Corona geimpft. Praxisteams sind genauso gefährdet, sagen die Pädiater, daher sollte auch dort zügig die Impfung angeboten werden.

© picture alliance/dpa

Neu-Isenburg. Vielerorts sind die Impfungen des Klinikpersonals gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 bereits angelaufen. Nun appellieren die Pädiater, auch die niedergelassenen Ärzte und ihre Teams zügig zu impfen.

„Wir halten es für sehr riskant, die Praxisteams erst nach dem Pflegeheim- und Klinikpersonal zu impfen“, so der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Dr. Thomas Fischbach auf www.kinderaerzte-im-netz.de. „Arztpraxen bilden einen wichtigen Schutzwall für die ohnehin durch die Pandemie überbelasteten Kliniken“, ergänzt er.

Da Kinder nur äußerst selten wegen einer COVID-Erkrankung stationär behandelt werden müssten, versorgten die Kinder- und Jugendärzte annähernd 100 Prozent aller minderjährigen COVID-Patienten.

Viele Pädiater gehören zur Altersgruppe 60plus

Fallen nun mehrere Praxen aus, weil niedergelassene Ärzte selbst an COVID-19 erkranken, würde gerade im Falle der Kinderärzte aber nicht nur dieser Schutzwall bröckeln. „Ein gutes Drittel, wenn nicht mehr“ der niedergelassenen Pädiater gehören zur Altersgruppe 60 plus und damit auch zu den Risikogruppen, sagte Barbara Mühlfeld, BVKJ-Pressesprecherin in Hessen der „Ärzte Zeitung“.

Hinzu komme das höhere Expositionsrisiko, weil die Pädiater auch die Notdienstversorgung zum Teil nachts und an den Wochenenden übernähmen. „Es trifft auch jüngere Kollegen“, stellt Mühlfeld klar.

Die Folgen solcher Praxisausfälle wären laut Fischbach enorm: Dies bedeute nicht nur, dass „akut erkrankte Patienten – vor allem in ländlichen Regionen – unversorgt bleiben, sondern auch die chronisch Kranken, es werden dann keine Vorsorgen gemacht, keine Impfungen, die gesamte medizinische Versorgung bricht dann zusammen“.

Corona-Kinderkrankengeld aus der Praxis halten

Eine klare Forderung haben die Pädiater auch in Sachen Erweiterung des Kinderkrankengeldes wegen corona-bedingter Kita- und Schulschließungen: „Das gehört nicht in die Praxen und muss dringend geregelt werden“, so Mühlfeld.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Länderchefs hatten am 5. Januar beschlossen, dass in einem solchen Fall in diesem Jahr pro Elternteil zehn zusätzliche Tage möglich sind. Der Bundestag muss dem allerdings noch zustimmen. Bereits jetzt befänden sich viele Kinderärzte in einer Grauzone, weil Eltern durchaus mit dem Wunsch einer Kinderkrankmeldung in die Praxen kämen.

„Das ist keine Sache, die zulasten der Kasse und der Praxen gehen darf“, sagt Mühlfeld. Jedes Kind, das unnötig in der Praxis vorgestellt werden müsse, bedeute ein zusätzliches Risiko im Infektionsgeschehen und binde unnötig Versorgungskapazitäten.

Kontaktbeschränkungen in der Kritik

An einem anderen Punkt der neuen Corona-Regeln stößt sich der Deutsche Kinderschutzbund: Dass Kinder unter 14 Jahren nicht mehr von den strengeren Corona-Kontaktbeschränkungen ausgenommen sein sollen, heißt dessen Präsident Heinz Hilgers nicht gut.

„Ich kann nur für unsere Kleinen hoffen, dass die Ausnahme bleibt“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Kinder bräuchten für ihre Entwicklung Gleichaltrige, um sich zu messen und zu spielen. Auch für die Eltern bedeute eine Verschärfung in diesem Punkt eine „Katastrophe“.

Viele seien bei der Betreuung von Kindern auf die Hilfe von Familie oder Nachbarn angewiesen. Das aber werde durch die geplante Maßnahme teilweise unmöglich gemacht. (Mit Material von dpa)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Gesetzliche Krankenversicherung

Ausgaben der Krankenkassen: GKV-Sparpaket führt 2027 zur Vollbremsung

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: MS-Krankheitsdynamik: Patientinnen und Patienten bewegen sich von frühen Stadien über Phasen fokaler Entzündung in fortgeschrittene, meist irreversible Stadien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz
Abb. 1: Vorteile von Vamorolon

© Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, modifiziert nach [3−5, 6]

Duchenne-Muskeldystrophie (DMD)

Neue Perspektiven für die Versorgung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, München
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Akute Belastung versus chronische Schäden

Marathonläufer sollten ihren Nierenstatus kennen

Lesetipps
Eine schwangere Frau hält sich die rechte Bauchseite und telefoniert.

© T Mdlungu/peopleimages.com / Stock.adobe.com

Kasuistik

Schwangere mit akutem Abdomen: Der Blinddarm war es diesmal nicht

Bluttest

© NiDerLander / stock.adobe.com

Demenz erkennen

Neuer Ansatz für eine Alzheimer-Diagnostik mittels Bluttests